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Fahrbericht MG4 XPower: Tschüss, Smartphone!

435 PS, 600 Nm – ein Tritt aufs Fahrpedal – und das Smartphone liegt im Rücksitzraum! Aktuell dürfte man im EV-Bereich kaum mehr Power pro Euro bekommen!

Ab ins Grüne: Auf kurvigen Landstraßen fühlt sich der XPower richtig wohl. | Foto: MG Motor
Ab ins Grüne: Auf kurvigen Landstraßen fühlt sich der XPower richtig wohl. | Foto: MG Motor
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Gregor Soller

Wie dramatisch sich die Zeiten ändern, zeigt das MG X-Power-Label: Der letzte Anlauf erfolgte 2003, als die damalige MG Rover Group mangels Finanzkraft den 75 noch zum Hecktriebler mit 260-PS-Ford-Mustang-V8 umstrickte. Darüber hätte eine 375 PS starke X-Power-Version regieren sollen, die sich damals mit den etwa gleich starken BMW M5 und Co. anlegen sollte. Doch da waren wir in der oberen Mittelklasse unterwegs. Jetzt kehrt X-Power zurück: In der Kompaktklasse mit 435 PS und 600 Nm!

Ein Tritt aufs Fahrpedal – und das Handy ist im Rücksitzfußraum

Wir schließen die Tür, nehmen auf echtem Alcantara Platz, legen unser Handy in die Ladeschale auf der Mittelkonsole und wählen den Sport-Modus. Ein kräftiger Tritt aufs Fahrpedal - und das Handy liegt im Fußraum vor den Rücksitzen! Bei Bedarf kann man die grüne Rakete binnen 3,9 Sekunden auf 100 km/h schießen! Dank Torque-Vectoring sind auch extrem hohe Kurven-Tempi drin. Überhaupt macht das Kurvenwedeln auf Landstraßen am meisten Spaß im X-Power. Hier spürt man seine britischen Markengene. Dank sauber abgestimmter Lenkung findet man immer einen feinen Strich, nur das Lenkrad selbst könnte speziell beim X-Power etwas kleiner und weniger eckig sein.

Selbst in Eco ist man immer flott unterwegs

Aber selbst im „Eco-Mode“ hat der X-Power immer genug Power, um flott im Verkehr mitzuschwimmen und mal ein flottes Überholmanöver zu wagen. So ist der Grüne im Grünen voll in seinem Element, aber auch in der Stadt fühlt er sich dank kompakter Kraft wohl. Das Autobahnrasen ist weniger seins: Erstens wirken die E-Maschinen hier bei höheren Tempi ganz dezent „unwuchtig“ und dann fällt bei 190 km/h ein erster Speedlimit-Hammer, der den Vortrieb einbremst, um den X-Power dann langsam bis zum Topspeed bei Tachoanzeige 202 km/h zu führen. Dann zieht er sich auch weit über 30 kWh/100 km, wo er sich sonst zwischen 19 (brav gefahren) und 25 kWh/100 km netto, das sind knapp 21 bis knapp 28 kWh brutto bewegt. Letzterer Verbrauch unter ständigem Ausnutzen der verfügbaren X-Power. Für einen Kompaktkracher nicht wirklich günstig, aber Sparfüchse könnten ihn brutto auch auf 19 kwh/100 km und weniger heruntertrödeln, aber dafür würde auch die Basisversion genügen, die dann auch noch sparsamer wäre.

Das Fahrwerk hat MG beim X-Power dezent nachgeschärft, aber Wert darauf gelegt, dass der Komfort dabei nicht komplett abhanden kam. Trotzdem ist er nicht so verbindlich wie ein VW ID.3, der grundsätzlich komfortabler, aber trotzdem sehr verbindlich auf der Straße liegt und hier mit dem Cupra Born immer noch als Maßstab im Segment gilt. Interessanterweise legt der X-Power seine etwas hölzerne Art beim Landstraßencarven ab und macht hier dann viel Freude.

Das Infotainment darf noch mit X-tra Power nachprogrammiert werden

Weniger Freude macht das Infotainment: Noch immer gibt er sich eher sprachunverständig, zeigt auf dem Display beim Newsticker von Deutschlandradio keine Umlaute an (ä, ö und ü sind rein deutschsprachige Buchstaben) und wechselt dort zwar die Radiosender, aber nicht die Titel: Sodass man auf dann durchaus unter „Klassik Radio“ noch Hardrocktitel findet oder auf Rockantenne zwar schon Bon Jovi spielt, aber unten noch Beethoven angezeigt wird…aber das kann man (hoffentlich) alles wegprogrammieren, sowie man auch die Klimatisierung neu programmiert hat: Sie kann von der ersten Ebene aus geöffnet werden und stellt dann große übersichtliche Taster auf dem Screen zur Verfügung oder: man holt sie sich als Favorit direkt auf die rechte Lenkradtaste, sodass man hier ganz einfach Gebläsestärke und Temperatur steuern kann.

Aussagen in diesem Video müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Angenehm auch der Tempomat: Ein Druck auf die Lenkradtaste links mit dem Lenkradsymbol und es geht los. Mit dem linken Button kann man dann easy die Geschwindigkeit senken oder erhöhen. Die Tempolimits erkennt der MG bisher nur bei fest montierten Schildern ohne hier Zusatzzeichen differenzierend mit einbeziehen zu können, aber immerhin erkennt er die ziemlich zuverlässig. Schade, dass das nicht mit den Leuchtanzeigen auf den Autobahnbrückenschildern klappt…und auch wenn man stundenlang mit dem X-Power herumgeräubert ist, tut man sich mit der digitalen Bedienlogik etwas schwer. Hier kann man hoffen, dass MG ähnlich flink reagiert wie bei der bisherigen Verbesserung des Infotainments oder der Einführung eines Heckscheibenwischers. Denn hier hat Mutterkonzern SAIC (fast) so schnell reagiert, wie der X-Power beschleunigt.

Die Preise? Bleiben für die Xtra-Power moderat: Sie starten bei 46.990 Euro brutto und kommen für Privatkunden nach Förderung auf 39.812,50 Euro netto, womit jedes PS 91,52 Euro kostet. Zum Vergleich: Beim Dacia Spring Extreme Electric 65 kostet jedes PS 266,92 Euro…

Was bedeutet das?

Der MG4 X-Power ist vielleicht nicht der perfekteste Kompaktstromer, aber definitiv einer der frischesten Neuzugänge im noch gar nicht so populären Segment der elektrischen Hot Hatches.

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