Fahrbericht Mercedes-Benz EQB: Der Alleinsteller

Nachdem der EQB im April als Fronttriebler in Shanghai Weltpremiere feierte kommt nun die zur IAA präsentierte Allrad-Variante für den europäischen Markt. Technisch entspricht er dem kompakteren EQA, bietet aber einiges mehr.

Der Mercedes-Benz EQB punktet vor allem mit viel Platz auf vergleichsweise wenig Raum und drei Sitzreihen. | Foto: Andre Tillmann
Der Mercedes-Benz EQB punktet vor allem mit viel Platz auf vergleichsweise wenig Raum und drei Sitzreihen. | Foto: Andre Tillmann
Thomas Kanzler

Das kompakte Elektro-SUV soll die ikonische Form der der G-Reihe kompakt in die Zukunft führen. Der EQB ist zwar kein Mini-G, die eher kantige aber auch elegante Silhouette schafft ein in der Kompaktklasse außergewöhnliches Raumangebot. Als einziges kompaktes Elektro-SUV ist er optional als Siebensitzer erhältlich. Das Ladevolumen beträgt 495 bis 1.710 Liter, beim Siebensitzer sind es 465 bis 1.620 Liter (Siebensitzeroption 1.700 Euro, das sind knapp 1.430 Euro netto). Weitere Flexibilität bietet die um 145 Millimeter verschiebbare Rücksitzbank. Vier Sitze bieten eine Isofix-Halterung, dem Ausflug mit der (Groß- ) Familie steht also nichts im Wege. Die dritte Sitzreihe empfiehlt Mercedes allerdings nur bis zu einer Körpergröße von 165 Zentimeter. Das Cockpit entspricht im Wesentlichen dem aus dem GLB – ergänzt um die elektrospezifischen Anzeigen. Die Materialen sind optisch ansprechend. Schade allerdings, dass Mercedes bei manchen Dekoren nur eine Struktur „vorgaukelt“ - schöner wäre, diese auch „erspüren“ zu können.

Der EQB für Europa wird leider ausschließlich im ungarischen Kecskemét gefertigt und ist mit dem Black-Panel-Grill und den vorne wie hinten durchgehenden LED – Lichtbändern sofort als Elektro-Mercedes erkennbar. Das Kompakt-SUV nutzt die neue Elektro-Plattform EVA II, basiert aber im Wesentlichen auf der Verbrenner-Basis. Dem entsprechend unterscheiden sich die Abmessungen kaum von denen des GLB, lediglich in der Länge legte der EQB aufgrund anderer Anbauteile an Front und Heck um fünf Zentimeter zu (Länge 4.684, Breite 1.834, Höhe 1.667).

Der EQB ist heckbetont abgestimmt - eigentlich...

Angetrieben wird der Allrad-Mercedes von einem 140 kW Asynchronmotor an der Vorderachse, an der Hinterachse kommt ein Synchronmotor zum Einsatz. Das sorgt für eine Systemleistung von 168 kW und 390 Nm maximales Drehmoment beim EQB 300 4-Matic. Der EQB 350 4-Matic hat mehr Power, 215 kW maximale Leistung und 520 kW. Der EQB ist zwar grundsätzlich als Hecktriebler ausgelegt, allerdings bringt die Hauptleistung die Vorderachse. Tritt man dann kräftig aufs Fahrpedal, führt das unerwarteterweise zum Durchdrehen der Vorderräder. Der EQB 4-Matic kann seine Basis als Fronttriebler also nicht ganz verleugnen. Als reiner Fronttriebler und Einstiegsversion könnte später noch ein EQB 250 mit 140 kW folgen.

Mercedes gibt sowohl für den EQB 300 4-Matic als auch für den EQB 350 4-Matic einen Verbrauch von 16,2 kWh/100 km und eine maximale Reichweite von 419 Km /WLTP an. Wir kamen bei einem Mix aus Stadt, Land und Autobahnetappen auf einen Verbrauch von 21,8 kWh. An Gleichstrom-Schnellladern kann mit maximal 100 kW nachgeladen werden. Da sind andere Hersteller beim Verbrauch und bei der Ladeleistung weiter.

Der EQB fährt sich sehr leise und komfortabel, hat aber immer genügend Kraft, die 2,2 Tonnen Leergewicht (ohne Fahrer) zu bewegen. Der 300 4-Matic beschleunigt in 8 Sekunden auf 100 km/h, der kräftigere EQB 350 4Matic soll den Sprint in 6,2 Sekunden schaffen. Der Eco-Assistent mit situationsoptimierter Rekuperation trägt zum entspannten Fahrerlebnis bei. Dabei werden Navigationsdaten, Verkehrszeichenerkennung und Informationen der Fahrzeugsensoren berücksichtigt und der Mercedes findet – fast immer - automatisch die richtige Mischung zwischen segeln und rekuperieren. Die Verkehrszeichenerkennung lag allerdings nicht immer ganz richtig – hier sollte man die Augen selber offenhalten.

Das Navigationssystem mit Electric Intelligence Funktion berechnet auf Wunsch während der Zielführung die notwendigen Ladestopps. Außerdem wird der Akku durch die serienmäßige Wärmepumpe auf die optimale Temperatur zum Nachladen vorkonditioniert.

Was bedeutet das?

Mit sehr komfortablen Fahrwerk, guten Fahrleistungen und ausreichend Reichweite ist der Mercedes EQB in seinem Segment ohne Konkurrenz. Er bietet einen großen Innenraum, eine Siebensitzer-Option und Assistenzsysteme auf aktuellem Niveau – allerdings auch zu Mercedes-Preisen. Man muss von rund 55.000 Euro brutto, das sind 46.220 Euro netto vor Abzug der Umweltprämie – mit er der EQB dann unter die magische 40.000 Euro-Marke rutschen würde.

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