Fahrbericht Lexus UX300e: Die elektrische Speerspitze sticht

Starker Auftritt des ersten Vollstromers im Toyota-Konzern: Der UX300e punktet mit ungewohnter Agilität, guter Effizienz, kompaktem Package. Und mit einer 1-Million-Kilometer-Garantie sowie Leasing ab 399 Euro.

Flotter Feger: Der UX300e besticht mit linearer und druckvoller Beschleunigung sowie flottem Kurvenhandling. | Foto: Lexus
Flotter Feger: Der UX300e besticht mit linearer und druckvoller Beschleunigung sowie flottem Kurvenhandling. | Foto: Lexus
Johannes Reichel

Der Toyota-Konzern nimmt jetzt auch rein elektrisch Fahrt auf: Und die Speerspitze darf die Nobel-Tochter Lexus bilden. Wobei die Verantwortlichen betonen: Es ist kein Bruch, sondern eine Weiterentwicklung – und auch nur der Auftakt für eine großangelegte BEV-Offensive über den ganzen Konzern, inklusive einer dedizierten Elektro-Plattform. Eine Weiterentwicklung, weil man schließlich schon seit 15 Jahren elektrifizierte Fahrzeuge in Form und Gestalt der Hybriden an. Von diesen Erfahrungen will man jetzt profitieren, untermauert das Vertrauen und die Expertise mit einem echten USP: Eine Garantie auf eine Million Kilometer und zehn Jahre auf den E-Antrieb und Akku. Das ist Branchenrekord.

Hält Maß: Für einen SUV ist der UX sehr dezent

Und man greift in einem Segment an, das weltweit derzeit eines der gefragtesten ist: Kompakte SUV – oder auch als Crossover bezeichnet. Im Falle des UX300e würde man diese Bezeichnung anders als bei manchem Marktbegleiter sogar durchgehen lassen. Schließlich duckt sich der UX300e auf 1,54 Meter und macht sich mit 1,84 nicht zu breit. Bei der Länge hat man dann aber klassisches Format eines Mercedes GLA, Volvo XC40 oder BMW X1, die aber über 1,60 Scheitelmaß aufweisen und auch um einiges breiter bauen. Ein kompakter Flitzer also, der jetzt nicht zu „SUV“ig wirkt, dass er nicht mehr stadtverträglich wäre. Eher könnte man von einem Hochdach-Kompaktwagen sprechen. Eine ähnliche Linie fährt ja auch Hyundai mit dem erfolgreichen Kona, der als Electric reißenden Absatz findet und jetzt einen direkten Konkurrenten aus Fernost bekommt, der freilich etwas weniger Platz bietet.
 

Right sized: Der Akku peilt auf die goldene MItte

Soweit das bekannte zum UX300-Reihe, die jetzt neben dem Vollhybrid eine vollelektrische Variante zur Seite gestellt bekommt. Auch ein Plug-in-Hybrid wird noch folgen. Kompaktheit ist hier überhaupt das Motto: Auch der Lithium-Ionen-Akku ist mit 54 kWh „right sized“ und ziemlich genau auf Kona-Niveau, spricht nicht zu schwer und klobig, um nicht im Unterboden Platz zu finden, aber mit ausreichend Reserven ausgestattet, um eine Spanne von alltagstauglichen 300 Kilometer abzudecken.

Die Rechnung der Lexus-Verantwortlichen geht allerdings anders als man denkt: Sie kalkulieren die Strecke nicht am Stück, sondern analysierten die täglichen Strecken der angepeilten Nutzerschaft. Die legt im Schnitt 50 Kilometer täglich mit dem Auto zurück. Also wurde der Akku so dimensioniert, dass man über eine Woche ohne Nachzuladen kommt, wie UX300-Produktmanagerin Linda Schössel erklärt. So würde es sogar genügen, den E-Crossover an der Haushaltssteckdose zu laden, binnen 24 Stunden. 85 Prozent der angepeilten Nutzer sind Heimlader, hebt Schössel hervor.

Einstweilen hält man am CHAdeMO-Standard fest

Er kann aber auch schneller: Im AC sind es moderate 6,6 kW oder acht Stunden, im japanischen CHAdeMO-Standard dann die bekannten 50 kW im DC-Verfahren, sprich 50 Minuten von 0 auf 80 Prozent. Die Ladebuchsen sind links und rechts am Fahrzeugheck installiert. Zudem ist der Akku klimatisiert, sodass je nach Außentemperatur und Ladeleistung die optimale Konditionierung sichergestellt werden kann. Apropos Thermomanagement: Auch die Passagiere werden beheizt, energiesparend allerdings mit einer Art „Klima-Concierge“, mit direkter Wärmezufuhr über die Sitzheizung, mit automatischer Sitzbelegungserkennung, versteht sich.

Dass der Akku in den Unterboden wanderte, hat einen weiteren Vorteil: Der Kofferraum beim BEV ist um 50 Liter größer als beim HEV, mit 367 Liter nicht überbordend, aber ordentlich. Eher knapper, als man bei 4,50 Meter vermuten würde, ist der Fond bemessen, wie überhaupt der UX300e eher wie ein gut geschnittener Anzug sitzt, freilich aus feinerem und durchaus hochwertig verarbeiteten Zwirn als die Standard-Toyos.

Handling und Agilität auf hohem Niveau

Daran knüpft allerdings auch das gesamte Handling an, das eine vom Toyota-Konzern bisher weniger gekannte Eigenschaft einführt: Fahrspaß und Fahrdynamik. Der vollelektrifizierte UX300 liegt mit seinem tieferen Schwerpunkt deutlich satter auf der Straße, die zusätzlichen Verstärkungen und Sicherungen für den Akku sorgen zudem für höhere Torsionssteifigkeit. Nebenbei verbessert der topfebene Unterboden die Aerodynamik. Ob es jetzt für eine „Handling nahe Go-Kart“ reicht, wie Linda Schössel wirbt oder doch einfach nur Agilität auf hohem Niveau, ist hier eher akademisch. Jedenfalls macht der UX300e Spaß wie noch kein – mit Verlaub – Toyota-Konzernprodukt zuvor. Zweifellos gute Autos, effizient und ökologisch, aber die Hybriden sind jetzt nicht unbedingt als „Fahrmaschinen“ bekannt. Dieser hier könnte sich da einen Namen machen – und auch in dieser Hinsicht für den Hersteller eine Speerspitze sein: Für mehr Spaß am Fahren.

Der Motor treibt den 1,7-Tonner mühelos auf Tempo

Dazu trägt neben der knisterfreien und tatsächlich hochsteifen Karosserie, der satten Straßenlage und das für einen Vollstromer niedrige Gewicht von 1,7 Tonnen eine ordentlich präzise Lenkung und vor allem der agile E-Motor bei. Der legt sich mit 204 PS und 300 Nm aus dem Stand schon im Eco-Modus mit reduzierten Klimafunktionen dermaßen ins Zeug, dass es einen kräftig in den Sitz drückt. In 7,5 Sekunden spurtet der Stromer auf 100 km/h. Trocken zucken die angetriebenen Vorderräder, bis das ESP greift. Der Sport-Modus mag noch etwas besseres Ansprechverhalten bieten, aber das ist ziemlich wenig ausdifferenziert. Der Normalmodus liegt irgendwo dazwischen.

Leise-Treter: Niedriges Geräuschniveau

Das alles mit einer superleisen Geräuschkulisse, die das Geheule des geschlossenen Hybriden, wenn dessen Verbrenner anspringt, sofort vergessen macht. Leises Surren, mehr gibt es nicht zu hören. Auch in der dreistufigen Rekuperation, die selbst in der strengsten Stufe eher auf der „Rollen lassen“-Seite bleibt und griffgünstig mit den Lenkradpaddeln aktiviert wird, neigt der Toyota-E-Antrieb nicht zu Geheule. Insgesamt beherrscht der UX300e das entspannte Cruisen durch Ortschaften ebenso wie flottes Kurvenwetzen außerhalb der Ortschaft. Auf der Autobahn fällt besonders auf, dass die E-Version noch besser gedämmt ist, weil der Motor als „Geräuschmantel“ wegfällt. Mit 120 km/h schnürt man wunderbar still dahin.

Der Werksverbrauch von 16,8 kWh/100 km sollte möglich sein

Den Verbrauch drückten wir am Ende einer ersten 100-Kilometer-Runde über Stadt, Land und ein wenig Autobahn unter die 20 kWh/100 km-Marke, allerdings mag im Hintergrund noch die Hochrechnung der Vorfahrer eingeflossen sein. Denn bei moderatem Fahrstil, den wir an den Tag legten, sollten die offiziellen 16,8 kWh/100 km leicht machbar sein, wenn nicht weniger. Natürlich gibt es auch eine App, mit der man all die Statistik auswerten und auch das Lademanagement aus der Ferne regeln oder den Ladestatus abfragen kann. Und man organsiert den Kunden auch die passende Wall-Box oder Zugang zum europaweiten „Lexus Charging Network“ mit 160.000 Ladepunkten.

Prämientauglich: Ab 47.550 Euro - und 399 Euro im Leasing

Noch wichtiger aber ist, dass Lexus sich durchgerungen hat, gleich von Anfang an ein Leasingpaket zu schnüren. Speziell in der Zielgruppe BEV-Fahrer sei der Trend zum „Nutzen statt Besitzen“ besonders ausgeprägt, wissen die Lexus-Vertriebsverantwortlichen. Daher wollte man hier nicht passen. 399 Euro brutto Monatsrate ohne Anzahlung, basierend auf einem Bruttolistenpreis von 47.550 Euro, das ist schon ein Wort. Damit ist der Elektro-Lexus voll prämienfähig – und wird damit bei traditionell üppiger Ausstattung noch attraktiver. Sodass die Prognose, nur 200 Exemplare im nächsten Jahr absetzen zu wollen – sprich ein Sechstel der UX300-Verkäufe – sehr vorsichtig erscheint. Jede Wette, diesen flott designten und sportiven Elektro-Crossover reißen die Kunden aus den Händen.

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