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Fahrbericht Lancia Y: Willkommen zurück!

Lancia plant das Comeback in ganz Europa: Mit einem neuen Y will man zurück zu größeren Stückzahlen. Wir durften schon mal fahren und waren sehr überrascht! Warum? Lesen Sie weiter!

Bunte Alternativen: Innen und außen setzt Lancia auf viel Farbe. Der Y ist ab 2025 auch in Deutschland wieder verfügbar. | Foto: Lancia
Bunte Alternativen: Innen und außen setzt Lancia auf viel Farbe. Der Y ist ab 2025 auch in Deutschland wieder verfügbar. | Foto: Lancia
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Redaktion (allg.)

Am Ende verkaufte die einst innovative Marke Lancia EIN Auto auf EINEM Markt: Den mittlerweile 13 Jahre alten Y, der zusammen mit seinem Plattformbruder Fiat 500 im polnischen Tychy gebaut wurde. Auch der neue Y ist kein Italiener: er kommt jetzt aus dem spanischen Saragossa und wer sich die Proportionen genau anschaut und weiß, dass auch Opel den Corsa dort baut, erkennt schnell die Gene des neuen Y.

Also nur ein umgeschminkter Corsa und weiterer Verwandter des Peugeot 208 auf der gleichen e-CMP-Plattform? Nein, das können wir nach unseren ersten fahreindrücken bestätigen! Denn optisch kam das ganze Außenkleid ganz neu und auch innen durfte Lancia den Y ganz anders einrichten. Wovon man ausgiebig Gebrauch machte. Und der italophile Kunde hat die Wahl, ob reines Elektromodell oder ein kleiner Benziner mit Elektrounterstützung, der insbesondere den Heimatmarkt beruhigen soll.

Denn auch 2023 belegte der ausgelaufene Y mit mehr als 45.000 Einheiten immerhin noch Platz drei in der italienischen Zulassungsstatistik. Da darf beim Nachfolgemodell nichts anbrennen und eine reine Elektroversion hätte nicht nur wegen seines Preises die italienischen Bestandskunden verprellt. Denn statt der bisherigen rund 17.000 Euro Listenpreis kostet die Elektroversion ohne Zuschüsse rund das Doppelte. Subventionen von Land und Stellantis reduzieren den Stecker-Preis auf 22.900 Euro. Immer noch ein stattliches Aufgeld von fast 6.000 Euro und das Problem, dass die Infrastruktur in Italien insbesondere unterhalb einer Linie von Turin nach Venedig stattliche Lücken aufweist. Daher dürfte sich auf dem Heimatmarkt die allermeisten Kunden für die Hybridversion entscheiden, die mit 74 kW / 100 PS mit lokalen Zuschüssen 20.900 Euro kosten soll.

Die Technik kennt man von Corsa und Co.

Europaweit sieht das anders aus, denn hier will Lancia mit einem Ausblick auf die größeren Modelle Delta und Gamma bis 2028 zur Elektromarke werden. Mit dem Elektromotor an der Vorderachse ist der immerhin 4,08 Meter lange Lancia Y flott unterwegs und perfekt für die City. 115 kW / 156 PS und 260 Nm sind Leistungsdaten, die man bereits bestens von den Schwestermodellen Opel Corsa Electric oder Peugeot e-208 kennt. Nicht gerade sportlich, aber ganz im Ernst: mehr Leistung braucht ein Cityflitzer kaum zu bieten. Das gilt auch für die Reichweite von 400 Kilometern und eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h. Selbst das lahme Ladetempo von maximal 100 kW fällt im urbanen Umfeld kaum ins Gewicht. Und lange Autobahnfahrten, bei denen die 100 kW DC-Ladung nerven würden, dürften mit dem 54-kWh-Akkupaket zwischen den Achsen eher selten sein. Immerhin neutzt Lancia hier gleich die „neuere“ Version des Corsa-Packages.

Der Reisekomfort des Y ist mehr als in Ordnung, zumal er in Sachen Haptik und Optik ordentlich eins draufsetzt gegenüber seinen Geschwistern: Er bietet im Topmodell solide, wenn auch plüschig aussehende beheizbare Sitze mit Massage, ordentliche Displays und eine einfache Bedienung – hier kann der in Spanien produzierte Italiener allemal nicht nur in seiner Heimat glänzen. Die ganze Optik erinnert dezent an die 1970er- und 80er-jahre, als Lancia vor allem mit Alcantara und bunten Stoffen innen auffiel und eine eigene Fanbase hatte, die teils bis heute existiert. 

Das knackige Fahrwerk hat man weitgehend von Opel übernommen

Die Abstimmung von Federn und Dämpfern ist dabei ungeahnt stramm, wobei die Lenkung sehr leichtgängig ist. Der niedrige Schwerpunkt ist klasse. Uns selbst, wer es flott angehen lässt, kann dem Lancia Y im Grenzbereich auf der Landstraße einiges abverlangen. Hier übernahmen die Markenverantwortlichen das knackige Corsa-Fahrwerk weitgehend, was man angesichts des plüschigen Interieurs so kaum erwartet hätte. Wo für uns auch die große Überraschung liegt. Aber ja, Lancia war immer tendenziell sportlich, aber eben auch eleganter und plüschiger als Alfa Romeo. Nische zurückerobert! 

Wirklich glänzen dürfte der Y jedoch zumeist in der Innenstadt, wo er mit seinem italienischen Design punktet, das deutlich besser passt als der allzu ambitionierte Premiumanspruch. Viele Oberflächen im Innenraum wirken hier eher wie typisch Kleinwagen, denn Premiumliga, in der die Verantwortlichen den Lancia Y in Abgrenzung zu  Peugeot oder Opel sehen.

Praktisch und nett anzuschauen ist die kreisrunde Ablage in der Mitte der Armaturentafel, die hinten das Smartphone lädt und vorne Platz für Schüssel, Haarspange oder Kleingeld bietet. Darüber geben die beiden 10,25-Zoll-Bildschirm Informationen über alles Wichtige. Der Kofferraum bietet 340 Liter Platz – mehr als ausreichend. Abwarten, wie sich der Neuling schlägt und der Neustart der Marke Erfolgsaussichten hat. Nach Deutschland kommt der Lancia Y übrigens erst im Frühjahr 2025. Aktuell baut man nach Italien gerade das Netzwerk in Benelux neu auf.

Was bedeutet das?

Lancia wird dem Y noch eine „HF“-Motorsportversion folgen lassen und konnte beim Y nicht komplett aus dem Vollen schöpfen. Weshalb man das Unterzeug vom Opel Corsa übernehmen musste, das aber gelungen neu interpretiert hat. Wir behaupten: Wenn man die Marke komfortabler und plüschiger neben Alfa stellt, könnte sie dort europaweit zumindest besser funktionieren als DS. Trotzdem dürfte es schwer fallen, auf absehbare Zeit in sechsstellige Produktionsvolumina zu kommen – wie wenig man von einem Modell produzieren muss, das es lohnt, bleibt ohnehin das süße Geheimnis von Stellantis. So oder so freuen wir uns über die Rückkehr von Lancia und verstehen das Kalkül: Mit jeder Marke wird im Verdrängungswettbewerb auch Volumen aufgegeben. Und darauf hat Stellantis eher keine Lust, solange sich damit Geld verdienen lässt.

Den Lancia Y fuhr für uns: Stefan Grundhoff; press-inform

Technische Daten: Lancia Y BEV

Motor: Elektro, vorn

Leistung: 115 kW (156 PS)

Max. Drehmoment: 260 Nm

Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h

Beschleunigung 0 – 100 km/h: 8,2 Sekunden

Normverbrauch: 14,3 – 14,6 kWh / 100 km

Akkugröße: 54 kWh / 51 kWh nutzbar

Reichweite nach WLTP: bis zu 403 km

Ladevolumen: 340 Liter

Max. Ladetempo: 100 kW

Preis: ab 24.000 Euro (ohne Subventionen)

 

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