Fahrbericht Kia Ceed PHEV: Streber unter Strom

Der neue Ceed Plug-in-Hybrid ersetzt auch den Optima, der keinen Nachfolger mehr erhalten wird.

Unter Strom gesetzt: Der Kia Ceed Sportswagon jetzt auch als PHEV. | Foto: G. Soller
Unter Strom gesetzt: Der Kia Ceed Sportswagon jetzt auch als PHEV. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Ein Plug-in-Hybrid-Kombi im C-Segment dürfte so ziemlich zu den europäischsten Autos überhaupt  gehören. Und nachdem Kia der Ceed in all seinen Spielarten 2019 extrem viel Freude und steigende Absatzzahlen gebracht hat, während der Optima trotz ordentlicher Qualitäten im schrumpfenden D-Segment eher nie ankam, fügte man dem Ceed eine weitere Spielart hinzu: Den Ceed Kombi als Plug-in-Hybrid, dem kurz darauf auch noch der X-Ceed, ebenfalls als Steckermodell folgen wird. Das Kofferraumvolumen fällt zwar mit 437 bis 1.506 Liter um 188 Liter knapper aus als bei den reinen Verbrennern, aber nur, weil im Unterflurfach hinter der Sitzbank der unwichtigere Teil des Akkus sitzt, während man den „Hauptteil“ des 8,9 kWh bietenden zweigeteilten Stromspeichers vor den Tank unter die Rücksitzbank packte. Von dort aus liefert er genug Strom, um 55 bis 60 Kilometer förderfähige rein elektrische Reichweite zu bieten. Auf ersten Fahrten um Nizza mit Überquerung eines immerhin 936 Meter hohen Passes verließ uns der Strom erst nach 90 Kilometern, dafür verbrannten wir noch 2,8 l/100 km Superbenzin. Dabei fuhren wir im „Auto-Modus“ bei dem die Energiezuteilung aus den Navidaten gespeist wird. Die ich in französischen Kreisverkehren manchmal etwas schwer tun. Zwar kommen die Echtzeitmeldungen von TomTom, aber die Routenführung ist manchmal etwas träge beim anzeigen der echten Entfernungen und den „jetzt“-Abbiegen-Anweisungen. Wenn es also drauf ankommt, sollte man die Karte also unbedingt mit den Fingern maximal groß ziehen und es etwas langsamer angehen lassen.

Das gilt auch für das Eco-Programm, das einen dafür mit den kleinen Verbräuchen belohnt. Stress liegt dem 1,6-Liter Saugbenziner ohnehin weniger, dafür spart er gegenüber den Turbos Bauaufwand und den oberen Lufteinlass, was hier die Aerodynamik verbessert. Natürlich kann der Ceed auch flotter, dann wirft er seine ganzen 141 PS Systemleistung und 265 Newtonmeter Drehmoment an die Vorderachse. Dann geht es bei Bedarf auch mal zügig voran, was dem Kombi aber nicht so liegt. Überraschend dagegen das Fahrverhalten: In sehr schnell gefahrenen Kurven dreht sich der eher straffe Ceed auch dank des Extra-Akkuballastes vor und über der Hinterachse beim Gaswegnehmen schön hinein, statt einfach plump über die Vorderräder zu schieben. Auch daran merkt man ihm seine durch und durch europäischen Gene an. Entwickelt wurde er in Offenbach und Rüsselsheim, gebaut wird er im slowakischen Teplicka nad Vahom.  

Spaß macht auch das glatte nicht zu dicke Leerlenkrad und die saubere routinierte Verarbeitung. Und auch bei der Bedienung patzt der Kia nicht: Eine durchdachte Mischung aus Screens und klassischen Bedienelementen für die Klimatisierung (danke dafür) bestätigt die Grundregeln der Ergonomie. Hört sich alles ziemlich perfekt an? Ist es im Grunde genommen auch, was gleichzeitig zu einem der „Hauptkritikpunkte“ führt: Denn all diese Perfektion spart eben auch mit Emotion. Wo Alfa optisch hinreißende Armaturentafeln mit dezenten Bedienmacken auffährt und VW dem Golf alle Tasten bis auf die Allernötigsten wegfuturisiert hat, funktioniert der dunkelgrau-schwarze Innenraum des Kia völlig intuitiv, ohne allzugroße Emotionen zu wecken. Womit er seiner Rolle als Streber nur noch unterstreicht.  

Und genau deshalb wird er Erfolg haben: Als Plug-in-Hybrid bietet er eine absolut interessante Alternative im Zentrum des europäischen Marktes – sowohl für Familien als auch für Flotten. Letztere können damit ihren CO2-Fußabdruck merklich senken, was Kia selbst auch plant. Kia gibt 29 bis 34,8 g/km CO2 an, was einem Verbrauch von 1,1 bis 1,3 Litern Sprit plus 9,3 bis 11,2 kWh Strom entspricht. In der Realität nicht ganz zu schaffen, aber auch nicht ganz unrealistisch – sofern man den Ceed PHEV immer schön an die Steckdose hängt. Das Laden dauert zu Hause rund fünf Stunden, mit 3,3 kW (der maximalen Ladeleistung) reduziert sich das auf zwei Stunden 45 Minuten. DC- respektive Schnelladen hat man wegen des Kühlaufwandes nicht vorgesehen. Die Preise starten bei 34.990 Euro brutto für den „Vision“ , das sind knapp 29.405 Euro netto und reichen über 36.190 Euro beim Spirit (knapp 30.412 Euro netto) bis zum 41.190 Euro kostenden Topmodell Platinum Edition, der netto knapp 34.615 Euro kostet – und dann sehr komplett ausgestattet ist.

Gegenüber den Basis-Ceed-Kombis ist das zwar eine Verdoppelung des Basispreises, was sich im Leasing nicht gar so krass niederschlägt: Während die nackte Benzinerbasis ab 115 Euro brutto zu leasen ist, startet der PHEV bei 175 Euro brutto. Weshalb ihm Kia Deutschland auch 20 bis 30 Prozent Marktanteil innerhalb des Ceed-Kombi-Programms zutraut.

Was bedeutet das?

Mit dem Ceed Sportswagon PHEV zielt Kia mitten in den EU-Markt – und trifft erwartungsgemäß ziemlich perfekt! Keine Frage: Das Auto wird seinen Weg machen und Kia beim weiteren dezenten Wachstum in Europa helfen!

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