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Fahrbericht Jaguar F-Type R 75: Sag zum Abschied laut servus

Mit den neuen EU-Regeln, die noch mehr Fahrassistenz fordern, nimmt Jaguar XE, XF und den F-Type aus dem Programm. Zum Abschied ließen wir die Katze nochmal ordentlich fauchen…als F-Type R 75, dem Sondermodell zum Abschluss

Noch bis Juni 2024 bleibt der F-Type in Produktion. | Foto: G. Soller
Noch bis Juni 2024 bleibt der F-Type in Produktion. | Foto: G. Soller
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Gregor Soller

Nein, echter Firmenwagen war er nie – eher die User-Cooser-Choice der Chefin oder der Chefs. Aber schön war er immer – auch, als Jaguar ihn wahlweise mit Vierzylinder anbot. Wobei der F-Type erst mit kompressorbestücktem V8 auch akustisch einlöst, was er optisch verspricht.

Archaisch: Ein Druck auf den Startknopf und der F-Type R 75 erwacht laut fauchend zum Leben

Wir steigen ein und sehen und fühlen, wie viel hier in den letzten Jahren weiter- und am F-Type vorbeiging: Verglichen mit den neuesten Land- und Range-Rover-Modellen muss man sich hier mit einem vergleichsweise simplen Infotainment samt kleinem Screen begnügen und wundert sich über teils der Preisklasse nicht ganz entsprechenden Kunststofftaster.

Aber die Katze ist ja nicht zum betasten, sondern zu Fahren da. Startknopf gedrückt, und sie erwacht fauchend zum Leben und wir rollen bei britisch-nassem Wetter aus der Münchner Niederlassung, die Gott sei Dank ziemlich nah an der Garmischer Autobahn liegt, bei Vollgasfans weltweit bekannt für die Möglichkeit, abschnittsweise sehr schnell zu fahren. Anders als die elegante Optik verspricht, ist der R 75 eher hart als samtpfotig abgestimmt und man greift in ein dünnes Lenkrad, das sich aber nicht ganz so knochig anfasst wie bei Porsche. Wie der F-Type grundsätzlich mehr GT sein will als 911 und Co.…

Einmal Durchbeschleunigen: Erst bei 250 km/h knallt der Achtgangautomat die letzte Fahrstufe rein

Nach kurzer Zeit erreichen wir die Autobahn, die Fahrenden noch lang, erst mit 60, dann mit 80 km/h aus der Stadt geleitet – bis zur Geraden mit der Aufhebung der Geschwindigkeitsbegrenzung. Den Fahrmodushebel auf der Mittelkonsole auf „Dynamic“ geschnippt und die Katze strafft ihre Muskeln. Gaspedal aufs Bodenblech und durchgeladen: Der V8 brüllt unter Kompressorrauschen und der F-Type zoomt sich auf der linken Spur gen Garmisch-Partenkirchen. Bei 6.500 Touren sind alle 575 Pferde (oder 423 kW nach neuer Währung) vollständig versammelt, die maximalen 700 Nm Drehmoment waren zwischen 3.500 und 5.000 Umdrehungen vollständig versammelt. 150, 180, 200, 220, 250 – erst jetzt knallt die vorgespannte ZF-Box die achte und letzte Fahrstufe rein und der vehemente Vorwärtsdrang lässt etwas nach und der Verkehr vor uns wird dichter – bei gut 280 lassen wir es gut sein – echte 300 km/h wären drin, doch dazu bräuchte die Katze noch mehr Auslauf….Triebwerk, Abgasanlage und Adrenalin heizen Fahrer respektive Fahrerin ordentlich ein. Im Gegensatz zu den Stromern spürt man hier, wie viel Energie aufgewendet werden muss, um das zu erreichen, die Einspritzanlage fördert Literweise Sprit in die Brennräume und der Verbrauch explodiert von 13,8 auf 15,7 l/100 km, ebenfalls archaische Werte – angegeben sind nach WLTP übrigens brave 10,5 l/100 km, was 239 Gramm CO2 pro km bedeutet.

Zeit, sich dem wieder anzunähern: Wir verlassen die A95 und genießen die Kurve des Voralpenlandes und des Autos: Vor uns die lange Haube, die übrigens wie einst beim E-Type nach vorn öffnet, im Spiegel die wunderschön gerundeten Hüften der Hinterläufe. Der V8 knurrt weiter vernehmlich und wir könnten uns das Ganze auch gut als Genuss-Stromer vorstellen, dem auch schnurrende 300 oder 400 PS genügen würden, wobei auch 700 oder 800 kein Hexenwerk wären. An den Ortsenden kann man bei Bedarf den Kompressor ins Konzert holen…doch mit den zehn Litern Verbrauch tut man sich eher schwer.

Ab 2025 ist Jaguar reine Elektromarke – als „Copy of nothing“ – mit ganz eigener Optik

Beim Überlandwedeln denkt man dann ach darüber nach, ob man unbedingt das Black-Pack braucht und die harten Sportsitze, denn grundsätzlich ist der F-Type, wie eingangs erwähnt, ja immer auch ein bisschen GT: Gran Tourismo respektive Gentleman. Und so rollen wir zurück in die Niederlassung, etwas traurig, dass er (hoffentlich nur vorläufig) der letzte Jaguar-Sportwagen gewesen sein wird, denn 2025 folgen ihm die „Pace“ genannten SUV-Modelle in die ewigen Jagdgründe und alle Raubkatzen werden erstmal durch einen flüsterleisen viertürigen GT ersetzt werden, der ab ca. 120.000 Euro starten wird, und, so beteuern es die Jaguar-Mitarbeiter, die ihn schon gesehen haben, aussehen soll, wie kein anderer GT. Womit der Neue, nutzwertigere Stromer nicht mehr kostet als der F-Type R 75, für den Jaguar mindestens 134.400 Euro brutto, das sind 112.941,18 Euro netto, aufruft. Was uns den Abschied neben den heiß klickenden Auspuffrohren der wilden Katze erleichtert.

Was bedeutet das?

Der F-Type R zeigt noch einmal, wie aufwändig Leistung mittels Verbrenner erzeugt werden muss – denn dieser Artikel entstand bei 300 km/h im ICE – auf der Schnellfahrtrasse zwischen Ingolstadt und Nürnberg bei einer Tasse Kaffee. Tatsächlich können auch wir uns dem archaischen V8-Gebrüll, untermalt vom Kompressorrauschen emotional nicht ganz entziehen, ebenso den eleganten Kurven des F-Type. Auf deren Wiederkehr wir hoffen – untermalt von einem elektrischen Tritt ins Kreuz oder wahlweise: Flüsterleiser Samtpfötigkeit auf der neuen JEA-Plattform, der Jaguar Electric Architecture, auf der einst drei neue Raubkatzen flüsterleise gen Garmisch-Partenkirchen zoomen werden.

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