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Fahrbericht Hyundai Ioniq: Elektrisiert wieder

Im Zuge des SUV-Booms geriet Hyundais erste rein elektrifizierte Modellreihe etwas ins Abseits. Das Facelift brachte an den richtigen Stellen ein Update.

Startet frisch in die zweite Halbzeit: Der Hyundai Ioniq | Foto: Thorsten Weigl
Startet frisch in die zweite Halbzeit: Der Hyundai Ioniq | Foto: Thorsten Weigl
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Gregor Soller

Der Termin war hochexklusiv: Vier Journalisten durften erstmals Hyundais neue Ioniq-Modelle probe fahren, teils noch im Vorserienstadium. Diese Chance ließ sich VISION-mobility-Chefredakteur Gregor Soller nicht nehmen – und drehte mit dem Hybrid und PHEV erste Runden rund um Offenbach. Denn es ist Halbzeit bei Hyundais elektrisierender Ioniq-„Dreierkette“, welche einst die Elektromobilität erstürmen sollte, mittlerweile im Zuge des Elektro- und SUV-Booms aber etwas an Stürmerqualitäten im Markt verlor.

Jetzt soll es ein umfassendes Update richten, wobei Hyundai sich antriebs- und akkutechnisch vor allem den reinen Stromer vornahm, während bei Plug-in-Hybrid und Hybrid vor allem Assistenzsysteme und Infotainment verbessert wurden. Mit diesen beiden war dann das exklusive „Probetraining“ im und um das „Heimstadion“ Offenbach möglich. Tatsächlich macht das Upgrade innen schon haptisch und optisch mehr her als es die ersten Pressebilder verhießen. Höherwertige Materialien und die zentrale 10,25-Zoll-Screen (in der Basis acht Zoll) sorgen für deutlich mehr Modernität als beim Vorgänger und das Fahrgefühl kann einmal mehr überzeugen. Trotz Vorserienstatus ließen beide Spieler sich auch von üblen „Fouls“ der Straßenbeläge kein Knistern oder Knarzen entlocken – Haken an die stimmige Verarbeitungsqualität. Hohes Niveau auch bei der Bedienung: Obwohl auch Hyundai jetzt sämtliche Schalter durch Touch-Oberflächen ersetzt hat, findet man sich immer noch schnell und vergleichsweise intuitiv im Ioniq zurecht. Hier und auch bei der Ergonomie und den Sitzen wird klar, dass sich Hyundai immer noch gern in Wolfsburg orientiert – man steigt wie bei VW ein und findet sich sofort zurecht.

Vom Ioniq Elektro übernehmen die beiden Hybriden die über Schaltpaddel einstellbare Rekuperationsbremse und die elektrische Parkbremse. Bei beiden Hybriden lässt sich die Rekuperation per Lenkradpaddels steuern in vier Stufen von null bis drei, was einem etliche Bremsmanöver und auch Energie erspart. Weniger groß die Änderungen bei den Motoren: Es bleibt bei den 1,6-Liter-Direkteinspritzer-Benzintriebwerken plus Elektromotoren. Vorteil gegenüber japanischen Mitbewerbern ist zumindest akustisch das direktschaltende, sechsstufige Doppelkupplungsgetriebe 6DCT, das für Ruhe im Antriebsstrang sorgt. Rein interessehalber ließen wir die Verbrauchsmessung auf dem rund 60 Kilometer langen und rund eine Stunde dauernden „Taining“ mal mitlaufen und kamen beim Plug-In-Hybriden auf 3,7 und beim Hybriden auf 5,5 Liter Verbrauch - wobei wir uns mit dem Fahrpedal zurückhielten. Der neue Stromer stand leider noch nicht für Ausfahrten bereit, wurde aber tiefgreifender überarbeitet: Die Lithium-Polymer-batterie bietet jetzt 38 statt der bisherigen 28 kWh. Dadurch wächst die Hyundai-eigene und sehr realistisch angegebene „Ziel-Reichweite“ des Stromers um 36 Prozent auf einen Zielwert von bis zu 294 Kilometer (nach WLTP-Bewertung wären das bis zu 378 km nach NEFZ). Die E-Maschine selbst ist von  88 kW (120 PS) auf 100 kW (136 PS) erstarkt, das Drehmoment gibt Hyundai mit 295 Nm an. Für schnelle Ladezeiten soll der serienmäßig verbaute On-Board-Lader mit 7,2 kW.

Zurückhaltung hat sich Hyundai auch bei den Preisen auferlegt, wenngleich die moderat angehoben wurden, was teils aber durch die komplexeren Ausstattungsumfänge kompensiert wird. Zum Beispiel per SmartSense-Technologiepaket. Das jetzt umfangreichere Sicherheitspaket bietet unter einen autonomen Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung und Frontkollisionswarner sowie einen Spurhalteassistenten. Der Aufmerksamkeitsassistent hilft, sich bei Müdigkeit auf die Straße zu konzentrieren. Das funktioniert auch im Stau gut: So weist der Stauassistent per akustischem Signal darauf hin, wenn sich der Vorausfahrende wieder in Bewegung setzt.

Und natürlich legte man auch in Sachen Konnektivität nach: Android Auto und Apple CarPlay sowie Hyundai Live Services für die Echtzeitverkehrsanzeige bei der Navigation sind standardmäßig integriert. Per „Blue Link“ kann man zudem sämtliche Funktionalitäten checken, das Auto per App vorkonditionieren und vor allem beim Stromer so Energie sparen, indem man ihm schon an der Ladesäule „einheizt“ oder ihn „abkühlt“. Und auch das Sprachverständnis hat gewonnen: So kapieren die drei Ioniqs jetzt Befehle wie „fahre mich zum Theater“ oder „fahre zu einer Pizzeria“ – im Idealfall listet das Navi nach solchen Befehlen sämtliche Theater oder Pizzerien in der Umgebung auf. Mit Blue Link haben wir uns noch einmal gesondert beschäftigt – denn im ersten „Probespiel“ mit der neuen Ioniq-Dreierkette hätte es uns zu sehr von den Bewegungen „im Feld“ respektive auf der Straße abgelenkt.

Was bedeutet das?

Hyundai hat den Ioniq gezielt verbessert, wobei sich die den Hybriden antriebstechnisch nicht viel tat. Wichtiger war die Reichweitenerhöhung beim Stromer und das Update beim Infotainment und bei den Assistenzsystemen, wo der Ioniq einen (nötigen) und großen Sprung nach vorn machte.  In der Hoffnung, dass er neben all den SUV und Stromern wieder häufiger auf den Einkaufszetteln potenzieller Kunden erscheint – denn in Sachen Effizienz bleiben kompakte Limousinen den Hochsitzen immer überlegen.

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