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Fahrbericht: Honda e:Ny1 – Attraktives Coupé-SUV mit Relax-Faktor

Der einzige reine Stromer der Japaner war bisher der eher glücklose Honda e. Das Design des Elektro-Kleinwagens konnte überzeugen, Reichweite und Preis eher nicht. Mit dem e:Ny1 präsentieren die Japaner ihr zweites reines E-Fahrzeug – diesmal im erfolgsversprechenden SUV-Segment. Wir konnten das neue E-SUV rund um Oslo ausgiebig testen.

Unterwegs rund um Oslo, auch wenn die Spuren auf dem Asphalt anderes vermuten lassen, ist man in Norwegen eher gemächlich unterwegs.| Foto: T. Kanzler
Unterwegs rund um Oslo, auch wenn die Spuren auf dem Asphalt anderes vermuten lassen, ist man in Norwegen eher gemächlich unterwegs.| Foto: T. Kanzler
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Thomas Kanzler

Der e:Ny1 soll im umkämpften B-Segment reüssieren und gegen Opel Mokka, Hyundai Kona und Co. antreten. Die Japaner verfolgen das ehrgeizige Ziel, bis 2030 30 elektrifizierte Modelle auf den Markt zu bringen. Honda hatte kürzlich verkündet, sich in Zukunft auf SUVs zu fokussieren, der neue mit dem etwas kryptischen Namen macht den Anfang.

Hondas neuer leuchtet in Himmelblau

Alle unsere Testwagen strahlen in Hondas neuer Farbe Aqua Topas Metallic – die Farbe steht dem SUV-Coupé außerordentlich gut. Beim neuen e:Ny1 haben sich die Designer erkennbar an Hondas Erfolgsmodell HR-V orientiert. Obwohl der e:Ny1 auf der neuen Elektroplattform steht, wirkt er fast wie das Facelift des Hybrid-Bruders. Das viertürige SUV mit der eleganten Coupé-Linie misst mit 4,39 Länge gerade einmal einen Zentimeter mehr als der HR-V. Nur beim Gewicht unterscheiden sich die beiden SUVs deutlich. Während der HR-V etwa 1.450 Kilo auf die Waage bringt, wiegt der reine Stromer 1.663 Kilogramm.

„Nach der jüngsten Erweiterung unseres Angebots an e:HEV Hybridfahrzeugen markiert der e:Ny1 die nächste Stufe unserer elektrifizierten Fahrzeuge“, sagt Tom Gardner, Senior Vice President Honda Motor Europe Ltd. „Das neue Modell wurde entwickelt, um die Nachfrage nach kompakten vollelektrischen SUVs in Europa zu erfüllen. Unsere kundenorientierte Philosophie und der dynamische Honda Charakter vereinen sich in einem kompakten SUV, der Zweckmäßigkeit, Benutzerfreundlichkeit und Komfort mit dem reaktionsschnellen und fesselnden Fahrerlebnis eines batterieelektrischen Fahrzeugs in Einklang bringt.“

Genügend Platz und sehr bequeme Sitze

Im Innenraum ist trotz der Batterie im Unterboden und der eher sportlichen Dachlinie großzügig. Negativ fiel uns eine Art Buckel vor den Vordersitzen auf, der den Fußraum begrenzt. Die Passagiere im Fond finden dank des Radstandes von 2,61 Metern genügend Platz. Die Sitze sind vorn wie hinten bequem, die Materialien wirken hochwertig. Ein großes, mittig platziertes 15,1-Zoll-Display und das 10,25´´-Digitalinstrument sorgen für Infotainment und Navigation.

Bevor wir die idyllische Umgebung Oslos mit Hondas neuen E-SUV erfahren stimmt uns Honda-Ingenieur Kotaro Yamamoto auf die Testfahrten ein. Der ganzheitliche Komfort des e:Ny1 gebe dem Stromer einen einzigartigen Fahrzeugcharakter. Da machten wir uns natürlich besonders erwartungsvoll auf den Weg.

Honda möchte ein „ganzheitliches Fahrerlebnis“ bieten

Der e:Ny1 fährt sich unaufgeregt, das Fahrwerk erweist sich als durchaus komfortabel und bei längeren Bodenwellen fein austariert. Die gute Geräusch- und Schwingungsdämpfung des Hondas E-SUV sorgt für behagliches Fahren – aber einen einzigartigen Fahrzeugcharakter spürten wir nicht so recht. Der Motor liefert reisetaugliche 150 kW (204 PS) an die Vorderachse, 310 Nm maximales Drehmoment beschleunigen den e:NY1 in 7,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h, abgeregelt wird bei den mittlerweile üblichen 160 km/h. Unüblich ist, dass Honda die heftige Beschleunigung der E-Maschine etwas hemmt – so soll, erklärt uns Yamamoto, Unwohlsein minimiert werden. Und einen weiteres Wohlfühl-Arrangement der Honda Ingenieure fällt uns auf: die Luft aus der Heizung und Klimaanlage wird über eine Art Diffusor geleitet. So wird verhindert, dass die Passagiere den Luftzug direkt zu spüren bekommen.

Der wassergekühlte Lithium-Ionen Akku des e:Ny1 stellt nominal 68,8 kWh bereit, nutzbar sind davon nach Herstellerangabe 62,8 kWh. Laut WLTP verbraucht das E-SUV 18,2 kW/100 km und soll 412 Kilometer weit kommen. Wir konnten in Norwegen wesentlich geringere Verbrauchswerte herausfahren – Kunststück, sind doch die Landstraßen auf Tempo 80 – oft sogar auf 60 km/h begrenzt, die Autobahn erlaubt uns maximal 110 km/h! So waren wir über Land mit 13,3 kWh sehr sparsam unterwegs, mit Autobahnetappen kamen wir an die 18 kWh heran. Irritierend erschien uns, dass das Infotainment uns am Anfang der Fahrt einen Reichweiten-Malus für die Klimatisierung von 42 Kilometer prognostizierte – bei einer Außentemperatur von 17 Grad und eingestellten 20 Grad. Nach etwa 100 Kilometern Fahrt erschien der Reichweiten-Abzug dann plötzlich nur noch 3-4 Kilometer zu betragen.

Schnelladen - eher langsam

An einer Schnellladesäule soll der Energiespeicher innerhalb von 45 Minuten von 10 auf 80 Prozent gefüllt sein. Um das Ladeerlebnis zu verbessern, verfügt der e:Ny1 über eine Statusanzeige, mit der sich der Ladevorgang auch aus der Ferne verfolgen lässt. Der schwarze Leuchtstreifen zwischen Ladeanschluss und Motorhaube verwandelt sich beim Laden in einen „digitalen Herzschlag“: Eine pulsierende LED verläuft von links nach rechts.

Sobald der Ladevorgang abgeschlossen ist, leuchtet der Streifen kontinuierlich, um anzuzeigen, dass der Akku vollständig geladen ist. Im Falle eines Ladefehlers blinkt die Leiste rot. Wenn der Ladevorgang abgeschlossen ist und das Kabel entfernt wird, verabschiedet sich das Fahrzeug zudem mit einem „Zwinkern“.

Was bedeutet das?

Hondas erstes vollelektronisches Kompakt SUV auf der neuen e:N Architecture F-Plattform (F für Frontantrieb) könnte den Japanern den Erfolg bringen, die der Nummer 1 – Honda E – verwehrt blieb. Nicht ganz so erfolgsversprechend ist die eher maue Ladeleistung von maximal 78 kW – und der recht hohe Preis: ab 47.590 Euro ist der e:Ny1 ab sofort bestellbar.

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