Fahrbericht Ford Mustang Mach E GT: Voll aufgaloppiert!

Als GT ist der Mustang Mach E für uns eines der reizvollsten Pferdchen im Stall der Elektromobilität

Vor allem enge Kurven machen wegen dem "leichten" Heck viel Spaß. | Foto: Ford/Stuart Price
Vor allem enge Kurven machen wegen dem "leichten" Heck viel Spaß. | Foto: Ford/Stuart Price
Robin Lang

Seit Ende 2020 erfreuen wir uns nun am spaßigen Pferchen Stromer von Ford, doch nun wird endlich nachgeschärft und das volle Potenzial des Mustang Mach-E zur Straße gebracht. Wir durften somit den scharf gestellten Mustang Mach-e GT im sonnigen Istrien in Kroatien durch die Bergpässe peitschen.

Schon auf den ersten Blick macht der in Grabber Blue lackierte Vollblüter mächtig Eindruck: Mit dezent anders gestalteter Front und neu frisiertem respektive "difussiertem" Heck und fetten 20 Zöller-Eisen an den vier Läufen. Einmal eingestiegen und gestartet, fallen einem die übrigen Neuerungen im wahrsten Sinne des Wortes in den Rücken. Die serienmäßigen Performance Sitze wirken zwar fast etwas zu flexibel, was aber während der Fahrt nicht weiter auffällt – denn es muss ja nicht immer und für jeden Schraubstock sein. Kurz an den unglaublichen Seitenhalt gewohnt, fällt im Interior sonst nur auf, dass es einen „Temperamentvoll Plus“ Modus in der Fahrprogramm Auswahl gibt.

Typisch amerikainisch:860 Newtonmeter Drehmoment sind für 487 PS Leistung sehr viel

Upgrades wie ein Head-up Display oder neue sportlichere Farben bleiben im Innenraum aus. Noch heftiger als beim „normalen“ AWD-Stang ist natürlich der 487 PS starke Antritt, untermalt von einem ordentlich wilden „Elektro-Grummeln“ das den Wagen bei Bedarf in 3,7 Sekunden Dampf auf 100 zoomen kann. In den ersten Kurven hinter dem optional auch in Wildleder erhältlichem Mustang Lenkrad, gilt es, bis zu 860 Nm zu zähmen, welche von der Vorderachse an die Hinterräder des Mustangs gereicht werden. Rauchen? Gönnt sich der Mustang mit heißen, durchdrehenden Pirelli P Zeros gerne hin und wieder!

Insbesondere im neuen „Temperamentvoll Plus“ Modus dürfte der Mustang Mach-E sein „zero emissions“ Versprechen vor allem in engen Kurven brechen und noch mehr, als er es eh schon tut, vom Fahrer verlangen. Tatsächlich lässt Ford auch dem GT eine sehr lange Leine, was die Fahrfreude merklich erhöht – und den Grad an „Imperfektion“ erzeugt, der wilde Fords gern von aggressiven deutschen Premiums differenziert. In Sachen Fahrbarkeit ist der aufgrund der sehr späten ESP-Eingriffe ist der Jockey fast auf sich alleine gestellt. Von unserem Test GT konnten wir den besagten Rennstrecken-Modus nicht komplett abrufen. Da der Mustang noch einmal ein kurzen Boost an Leistung frei gibt, lässt der Mach-E nur unter bestimmten Bedingungen für eine gewisse Zeit den Modus zu.

In den Kurven: Immer schön eindrehen!

Aber auch so galoppiert das SUV Coupé immer freudig auf. Die jetzt breiteren Reifen eliminieren auf trockener Fahrbahn im Zusammenspiel mit „torque vectoring“ jede Art von Untersteuern. Nicht ganz Unschuldig an der schönen Art des in die Kurve-Eindrehens ist das grundsätzlich eher straffe, aber dennoch variable „MagneRide“ Fahrwerk des GTs. Insgesamt geht hier im Vergleich zum Standard- Mach-E aber etwas Komfort verloren. In letzter Instanz lässt uns die feedbackreiche, direkte Lenkung des neuen Fords vergessen, dass es sich hier um einen Elektriker handelt. Der in Mexico produzierte Amerikaner untermalt ganz klar seine Performance ohne dabei seine Gene zu vergessen.

"Zahm" zähmt auch den Verbrauch - merklich

Nach dem ausgiebigen Ausritt lassen wir die im Gegensatz zur AWD und RWD Variante größere Vierkolben Bremse und die breiteren 245/45 R20 Reifen etwas auskühlen und schalten einen Gang hinunter, was beim E-Auto respektive beim Mach-E heißt, das vom „Zahm“ Modus Gebrauch gemacht wird. Hier ändert sich die Fahrpedal und die Dämpferkennlinie etwas ab und das Sports Utility Vehicle wird zum echten Langstrecken Cruiser. Auch der Verbrauch wird mit 22 bis 23 kWh/100 km statt 31 kWh/100 km bei sportlicher Fahrweise alltagstauglicher.

Gutes Stichwort: Denn die bietet auch der Mach-GT dank auswaschbarem Frunk und gutem Platzangebot im Fond samt ordentlichem variablen Kofferraum reichlich.

Insgesamt hat Ford es geschafft, gegenüber dem AWD Mach-E nochmal eine schöne Schippe Performance und Fahrspaß drauf zu packen und somit ein wirklich wettbewerbsfähiges und vor allem charakterstarkes Auto zu bauen. Mit 72.900 Euro Grundpreis (das sind gut 61.260 Euro netto) galoppiert der Ford Mustang Mach-E GT gegen Teslas Model Y Performance und den Kia EV6 GT. Ausgeliefert werden soll das Sport-Pferd ab Anfang 2022.

Was bedeutet das?
Als GT legt er Mustang mach E nochmal an Wildheit zu – und macht seinem Namen Ehre. Auch wenn die Hardcore-Stang-Fans immer noch maulen. Doch ganz ehrlich: Hättet Ihr einem „Ford-Irgendwas-Aerodynamik-SUV-EV“ dieses Fahrverhalten und das „GT“-Label abgenommen? Eben! Also: Aufsatteln und los!

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