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Fahrbericht DS 3: Frankophiler geht es nicht!

DS hat seinem Einstiegsmodell ein Upgrade gegeben – und dabei an der richtigen Stelle angesetzt, dem Antrieb.

Rot bis ins Nummernschild: Dieser Testwagen war ein "Nachzügler", der zur Flotte stieß. | Foto: G. Soller
Rot bis ins Nummernschild: Dieser Testwagen war ein "Nachzügler", der zur Flotte stieß. | Foto: G. Soller
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Gregor Soller

Möchte man Jeep-Angestellte binnen Sekunden zur Schnappatmung bringen, bezeichnet man einen schnöden Allradantrieb als „Jeep-Antrieb“. Doch genau den erhält im übertragenen Sinne jetzt der geliftete DS 3. Die Rede ist hier allerdings nicht vom Allrad, sondern der überarbeiteten e-CMP2-Plattform, auf der auch der Jeep Avenger steht, samt neuem Antrieb. Der leistet jetzt 115 kW (156 PS) und stammt aus der Kooperation mit Nidec (und soll 5 Prozent effizienter sein als beim Vorgänger). Dazu kombiniert auch DS den dichter gepackten 54-kWh-Akku mit 102 Zellen in 17 Modulen, der auch dank klügerem Thermomanagement 12(!) Prozent bessere Effizienz als beim Vorgänger bringen soll.

Wichtig für Frankophile: Der DS3 wurde komplett in Frankreich entwickelt und wird auch komplett dort gebaut – bis hin zum Akku! Nur dessen Zellen werden angeliefert. Die Montage findet tatsächlich unweit von Paris im (Ex-Simca und Ex-Ex-Ford-Werk) Poissy statt, womit der DS 3 dem ganzen Paris-Gehabe der Marke räumlich am ehesten gerecht wird. Das kann man lieben oder lassen und tatsächlich polarisiert der DS 3 viiiiel stärker als sein braver, von Citroen C3 abgeleiteter Vorgänger. Weshalb der Nachfolger, das ließ ein Insider schon durchblicken, wieder etwas mehr raumeffizienter Kompaktwagen (und weniger SUV) wird und optisch vielleicht eine Idee dezenter gestaltet wird.

Savoir voyager - die Kunst zu reisen im Kleinen

Doch: Wenn man die richtige Ausstattung wählt (einige driften mit „marmorierten Kunstlederapplikationen etwas in den Kitsch ab), kann dem DS 3 in der Klasse kaum einer das Wasser reichen: Edle Sichtflächen, das exzessive Rautenthema, das softe, aber nicht schwammige Fahrwerk plus dickere Scheiben sorgen für „savoir voyager“ – einem tollen Reisegefühl. Das wir nur in der Stadt testen konnten, dafür aber mitten in Berlin Mitte, wo man mit den schnellsten Radlern der Republik, den meisten KEP-Diensten und vielen Baustellen und Staus kämpft – und im DS 3 dann doch entspannt bleibt! Womit der Kleine seine Mission erfüllt hätte.

Der neue E-Tense wurde merklich sparsamer

Tut er das auch sparsamer? Bien sur! Wenn der Verkehr fließt, kann man ihn gut auf 15 kWh/100 km plus minus x heruntersparen, aber selbst auf unserer zweiten Runde im Großstadtkampf waren wir am Ende bei 18,4 kWh/100 km. Der Vorgänger lag hier eher bei 17 und knapp 20 kWh, was ein klarer Fortschritt ist. Offiziell beträgt der Stromverbrauch (kombiniert) zwischen 14,2 und 16,4 kWh/100 km; die elektrische Reichweite kombiniert gibt DS mit 374 bis 434 km an. Nun ja, statt 250 sind jetzt eher 300 echte Kilometer drin, was im Alltag ein merklicher Sprung ist.

Ansonsten will DS ein bisschen beim Infotainment nachgeschärft haben, das beim DS aber so unverständig bleibt wie bei den übrigen Stellantis-Produkten und dem selbst gestellten Premiumanspruch eher gar nicht gerecht wird. Zu BMW und Mercedes-Benz fehlen hier mehrere Updates…immerhin meldet das Navi rechtzeitig und klar was zu tun ist, wobei die akustischen Ansagen hier meist klarer und besser sind als die Grafik. In wirklich fremdem Terrain lohnt sich genaues Hinhören!

Nachgeschärfte Optik

Etwas nachgeschärft wurde auch die Optik vorn, wo man die beim Vorgänger etwas schwammigen Linien (jetzt können wir das ja knallhart so schreiben) gelungen gestrafft hat. Dazu kommen optional starke LEDs, die einen über 330 Meter langen Flutlichtteppich vor dem DS 3 ausbreiten und nachgeschärfte Assistenten. In Summe griff DS an den richtigen Stellen an. Am knappen und optisch verbauten Raumangebot im Fond ließ sich leider wenig ändern, ebenso wie am grundsätzlich gelungenen Fahrwerk samt etwas synthetischer Lenkung. Passt aber zum Charakter und ist noch eine Idee flauschiger als beim ebenfalls komfortablen Jeep Avenger – aber trotzdem nicht schwammig.

Die Preise sind extrem ambitioniert

Einen klaren Nachteil gegenüber dem Jeep hat der DS mit „Jeepantrieb“ bei den Preisen: Mit 45.540 Euro brutto (38.270 Euro netto) steigt der DS 3 da ein, wo die Liste beim Avenger schon längst beendet ist und man bei Tesla auch schon gut fündig wird. Im Leasing sind das aktuell ab 465 Euro (knapp 391 Euro netto) im Monat – immerhin mit vier Jahren Full-Service. Schwierig bei den steigenden Strompreisen, denn die Benziner starten bei 26.740 (knapp 22.471 Euro netto), die Diesel (nur noch mit Automatik) bei 32.940 Euro brutto (knapp 27.681 Euro netto). Ja, richtig gelesen – es gäbe noch einen kleinen HDi…einen Antrieb, den Jeep beim Avenger nicht mehr anbietet…

Was bedeutet das?

DS hat sein Einstiegsmodell an den richtigen Punkten nachgeschärft und gelungen aufgefrischt. Er bleibt ein „Lieben oder Lassen“-Modell, das sich angesichts der Preise aber umso schwerer tut. Sein Anspruch und seine Optik kommen klar aus Paris – einer Stadt in Frankreich, die tatsächlich einen sehr eigenes Selbstverständnis und einen sehr eigenen (hohen) Anspruch hat. Doch weltweit gesehen ist Frankreich ein kleines Land und Paris eine noch kleinere Stadt, weshalb der DS 3 hier eine sehr spezielle, aber maximal frankophile Nische besetzt. Auch wenn er jetzt nicht so recht performen mag: Sammlerstatus ist ihm sicher!

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