Fahrbericht BYD Tang: Elektroschloss mit 380 kW

Mit dem 4,8-Meter-SUV Tang startete BYD in Norwegen – wir fuhren das Topmodell jetzt in Paris, bevor es nach Deutschland kommt.

Geht groß: Der Tang vor klassischer Pariser Kulisse. | Foto: G. Soller
Geht groß: Der Tang vor klassischer Pariser Kulisse. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Optisch hält er sich zurück – der siebensitzige Tang, der In Deutschland 72.000 Euro brutto (das sind gut 60.504 Euro netto) kosten wird. Wir steigen ein, finden uns sofort zurecht und auch die Ergonomie stimmt auf Anhieb. Zumal BYD bei er Bedienung viel von den deutschen Premiums abschaute, aber trotzdem noch Tasten und Lenkstockhebel verbaut.

Mit 4,87 Metern Länge auf 1,95 Meter Breite (Spiegel eingeklappt) und 1,72 Meter Höhe positioniert sich der große Chinese bei iX und Co. Das Kofferraumvolume gibt BYD mit 940 bis 1655 Liter an. Klappt man die Notsitze in Reihe drei aus, bleiben dahinter eher 250 Liter übrig. Abgesehen davon, dass es hier recht eng zugeht – über 1,5 Meter Körpergröße wird es schon ziemlich eng dort. Dafür thront man in Reihe eins und zwei umso luftiger.

Nicht zu groß und um 90 Grad drehbar ist der 12,8-Zoll-Zentralscreen, dessen Bedienstruktur von Smartphones abgeleitet wurde, inklusive Selfie-Kamera an Bord. Optik und Haptik machen einen wertigen, wenn auch nicht überteuerten Eindruck – der Tang wurde hier auf gutem Basisniveau er Premiums eingerichtet samt verstellbarem Ambientelight und ordentlichen Oberflächen. Die Instrumente im 12,3-Zoll-Cluster erinnern dagegen an BMW. Serie sind induktives Smartphone-Laden, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik sowie eine Sitzheizung und -kühlung. Das rautenförmig abgesteppte Muster zitiert gekonnt die europäische Luxusklasse.

Wir legen ab und stürzen uns in den Pariser Stadtverkehr, wo man mit dem Tang gerade noch die eine oder andere Parklücke findet, um ihn auch mal schnell zu fotografieren. Im Gegensatz zum Atto3 schieben hier zwei Elektromotoren mit 380 kW (517 PS) Systemleistung an und treiben alle vier Räder an. Dazu kommen saftige 680 Newtonmeter Drehmoment, sodass der Tang selbst im Eco-Mode (es gibt nur Eco und Sport) satt davonströmt – die Leistung ist trotz der gut 2,5 Tonnen Gewicht immer präsent.

Souveräner Gleiter mit bis zu sieben Sitzen

Von null auf Tempo 100 könnte es im Sport-Modus laut BYD in 4,6 Sekunden gehen, bei 180 km/h wird aber abgeregelt. Doch der Tang gibt mit seiner ordentlich, aber nicht sportlich abgestimmten Federung eher den Gleiter, der auch grobe Unebenheiten gekonnt glättet. Selbst fiese Speedbumper entlocken ihm kein Knarzen oder Knistern. Und da die Lenkung eher auf der soften Seite liegt, gibt er eher den souveränen Strömer, der auch mal in eine Verkehrslücke springen kann.

Allerdings ist der Unterschied zwischen „Sport“ und „Eco“ geringer als man denkt, da er schon in „Eco“ immer satt zieht – bei „Sport“ aber die 2,5 Tonnen eine völlige Explosion verhindern.

An Bord sind auch 25 Sicherheitsfunktionen wie eine 360-Grad-HD-Surround-View-Kamera, 11 Außenradare und ein ADAS-System, die aber großzügig genug ausgelegt wurden, im dichten Pariser Innenstadtverkehr nicht immer sofort Alarm zu schlagen.

Der 86,4 kWh-Akku soll nach WLTP gut 400 Kilometer Reichweite bieten, was 21,6 kWh/100 km entspricht. In der Stadt und auf der Autobahn können es mit viel Stopp and go aber auch mal über 27 werden, was gut 300 Kilometer bedeutet, bei uns zeigte der Tang netto 23,4 kWh/100 an, was brutto 25,5 kWh/100 km oder knapp 340 Kilometer bedeutet. Eher dezent fällt das Schnellladen mit 150 kW im Maximum aus -30 auf 80 Minuten dauern dann eine halbe Stunde. Die Akkugarantie gibt BYD mit acht Jahren oder 160.000 Kilometer an.

Wir strömen zurück und drehen den Zentralscreen auf senkrecht. Der Tang reiht sich gelassen in die Welt der elektrischen Groß-SUV ein. Er kommt all-in ausgestattet zum nicht ganz günstigen Preis und kann und will, da er noch auf einer Mischplattform basiert (es gibt ihn auch mit Verbrenner unter der Haube respektive als Plug-in), keine neuen Maßstäbe in Sachen Effizienz oder Smartness setzen. Wir drehen die Zentralscreen zum Abschluss wider waagerecht und steigen aus – so entspannt, wie der Tang in den europäischen Markt kommt.

Was bedeutet das?

Mit dem Tang macht BYD ein preislich interessantes Angebot im Segment der großen SUV – ein vergleichbarer BMW iX oder EQE SUV wäre deutlich sechsstellig und bietet dafür im Alltag nicht so viel mehr. Andererseits zählt in diesem Segment auch Raffinesse und Prestige – Punkte, bei denen sich der Tang entspannt gibt. Er liefert Aktuelles samt sicherer Blade-Batterie auf einer nicht mehr ganz neuen Plattform zu günstigen Tarifen – was angesichts der Größe relativ zu sehen ist. Sein größter Vorteil könnte 2023 die Lieferfähigkeit sein.

 

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