Fahrbericht Brightdrop Zevo: Elektrischer Zustellvan aus dem GM-Baukasten

Nicht nur in den USA, sondern über Großkunden wie Fedex auch nach Europa soll der Brightdrop-Van kommen. Zwei Größen sind geplant. Und bombensolide, gründlich durchdachte Lieferkoffer. Mit dem E-Antrieb aus der GM-Welt und "Hummer"-Genen fährt sich der Delivery Van zudem wirklich gut.

Hired! Redakteur Johannes Reichel drehte schon eine erste Runde im Brightdrop Zevo und war sehr angetan von dem Profi-Package der GM-Tochter. | Foto: HUSS-VERLAG
Hired! Redakteur Johannes Reichel drehte schon eine erste Runde im Brightdrop Zevo und war sehr angetan von dem Profi-Package der GM-Tochter. | Foto: HUSS-VERLAG
Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

Es dürfte ein ziemlicher Entwicklungsrekord sein, den die Truppe des GM-internen Startups Brightdrop Zevo da auf die Räder gestellt und in Hannover ausgestellt hat: In nur 20 Monaten entstand ein komplettes Zustellfahrzeug, das nicht nur mit einem vollelektrischen Antrieb und bis zu 400 Kilometer (250 Meilen) Reichweite punkten will, sondern vor allem auch mit einem gründlich gemachten und durchdachten Zustellkoffer auf dem Fahrgestell. Und natürlich, ganz GM-like: Mit einem Hammerpreis. 85.000 US-Dollar gelten als Zielmarke. Doch erst einmal müssen sich die Ingenieure anstrengen, das Gewicht des kürzeren Brightdrop 400 (11 Kubikmeter) unter die 3,5-Tonnen-Marke bei einer Tonne Nutzlast zu bringen, damit auch dem Europa-Start nichts im Wege steht. Der Launch in Übersee soll vor allem dank der globalen Großkunden wie Fedex gelingen, die Stückzahlen etwa mit der Supermarktkette Walmart oder Verizon skaliert werden.

Über Großkunden auch nach Europa

Und das Unterfangen könnte auch bei weiteren Kunden gelingen, weil der Brightdrop ein unkompliziertes Zustellgefährt ist, das auf hohe Robustheit, Praktikabilität und dennoch modernen Antrieb und Komfort setzt. Dabei bediente man sich rigoros und kostenbewusst aus dem GM-Baukasten, was es den Kunden freilich noch stärker zu kommunizieren gilt, als vertrauensbildende Maßnahme sozusagen.

Wenn nötig brachiale Beschleunigung

Der E-Motor und Allradantrieb stammt vom Monster- und einstigen Militär-SUV Hummer und treibt den von uns gefahrenen, langen 600er-Van (17 Kubikmeter Koffer) mit seinen 530 Nm und 300 PS wenn es sein muss brachial und mit leicht kernigem Elektrosound nach vorne. Einfädeln auf den Motorway dürfte jedenfalls kein Geduldspiel mehr für die Fahrer sein ... Ziel: Schnell auf Tempo kommen und dann rollen lassen, damit die Fuhre auch effizient unterwegs ist und die Reichweite realistisch. Mehr Zug dürfte aus unserer Sicht dagegen die einstufige Rekuperation bieten. Das Handling ist etwas gefühlsfrei, aber ok, die Übersicht gut, auch wenn das Fahrzeug natürlich ganz schön breit ist, ein Zustelltransporter eben.

Große Reichweite: Einmal die Woche Laden genügt

Warum man in einem Zustellvan auf 250 Meilen Radius geht, erklärt unsere kundige Instruktorin ganz einfach. Solange die Ladeinfrastruktur noch lückenhaft ist, könne man damit mehrere Arbeitstage ohne Nachladen bewältigen. Und wenn geladen werden muss, steht ein starker 120-kW-DC-Anschluss oder ein ordentlicher 11,5-kW-AC-Anschluss bereit. An Bord fällt die supersimple Bedienung auf, die trotzdem mit den zwei Digitalinterfaces alle Features eines modernen Fahrzeugs auffährt, wenn man sie denn braucht.

Die Tasten für Lüftung und Klima oder für die Fahrmodi erreicht man leicht, das Handling im Fahrzeug ist super einfach, ein Jump-Seat auf der Beifahrerseite ist ebenso selbstverständlich wie die Schiebetüren, riesige Ablagen, entsprechend US-Vorgaben analoge Spiegel oder stolpersichere Einstiege. Der Aufbau selbst wirkt mit seinem Materialmix aus Gfk-Außenhaut und Alu-Stanz-Blech-Kombi innen wie für die Lieferewigkeit gebaut. Gleiches gilt für das Rolltor am Heck.

Auch in Sachen Fahrerassistenz will man nicht passen und packt in Serie neben den obligaten Parksensoren eine automatische Notbremse mit Fußgängererkennung oder einen Kollisionswarner. Auch eine Rundumkamera ist erhältlich sowie ein Bewegunssensor zum Diebstahlschutz. Zudem soll im Ökosystem sowohl Ladehardware, eine Telematik-Software wie auch ein interessantes iOT-fähiges "Cart", eine Art intelligenter Rollwagen, folgen, der das Lieferpaket abrundet.  

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