Fahrbericht BMW iX3: X-fache Überraschung!

Ein nachträglich elektrifizierter X3 aus China, da waren die Erwartungen nicht zu hoch. Doch der BMW übertrifft sie. Auf Landstraßen sammelten wir Eindrücke vom erstaunlich effizienten SUV.

Der iX3 fährt sich effizienter als gedacht, für einen 2,3-Tonnen-SUV.. | Foto: Fabian Kirchbauer
Der iX3 fährt sich effizienter als gedacht, für einen 2,3-Tonnen-SUV.. | Foto: Fabian Kirchbauer
Gregor Soller

Der iX3 erschien auf den ersten Blick eine weitere SUV-Notlösung a la Audi e-tron (mit Q5-Elementen) oder Mercedes-Benz EQC (der sich die Basis mit dem GLC teilen muss). Heißt: Sehr schwer mit eher durchschnittlicher Reichweite. Doch obwohl der X3 sich optisch nur durch Details von seinen Verbrenner-Brüdern unterscheidet und so gesehen die konservativste deutsche Elektro-SUV-Lösung gibt, ist er doch die konsequenteste, denn: Hier arbeitet erstmals BMWs fünfte Generation von E-Antrieben und unter der Karosserie sitzt das neueste Akkupack.

Um das einordnen zu können, ziehen wir kurz den aktuellen i3 heran: Im Vergleich zu diesem arbeitet die E-Maschine satte 30 Prozent effektiver und die Energiedichte des Akkus konnte um 20 Prozent erhöht werden. So dass das netto 74 kWh Kapazität bietende Paket gut und platzsparend unterm Auto verstaut werden konnte. Und da die neue E-Maschine extrem flach zwischen die Hinterräder integriert wurde, fällt der Kofferraum des Hecktrieblers mit 510 bis zu 1.560 Liter fast so groß aus wie bei den Verbrennern – gegenüber denen fehlen 40 Liter im Unterflurfach.

Überraschung: Der elektrische X3 fährt sich flotter als die Verbrenner

Noch wichtiger aber: da der Schwerpunkt um 74 Millimeter nach unten wanderte, man beim Gewicht ab 2,26 Tonnen (fast noch) Maß halten konnte und das Auto mit 57 Prozent auf der Hinterachse hecklastig auslegen konnte, fährt sich der iX3 irgendwie leichter und sowieso dynamischer als due gesetzten Verbrenner-Geschwister. Und hier folgt jetzt die ganz große Überraschung auf Landstraßen, wo Oberbayern sehr urig und kurvig wird. Denn dort wedeln wir mit dem iX3 flüssig und zügig durch die Flure, begegnen Mofafahrern, die ihren Kopf mit Feuerwehrhelmen aus dem vorletzten Jahrhundert schützen ebenso wie SUV mit Wildwannen am Heck oder Anhängern des Erdinger Weißbräu.

Kabarettistin Monika Gruber lässt grüßen und nicht weit weg liegen die niederbayerischen BMW-Werke Landshut und Dingolfing, wo man Sachen eben auch „gscheid“ macht, oder besser gar ned. Dingolfing montiert übrigens auch den Antrieb für China, so dass im asiatischen iX3 immerhin ein niederbayerisches Herz schlägt. Das ist 286 PS stark und bietet 400 Nm und ermöglicht selbst im Eco-Modus zügige Überholmanöver. Von 0 auf 100 geht es nicht grantig wie im Tesla, da ist man sehr verwöhnt, aber es ist ineffizient. Und: 6,8 Sekunden sind fein, zumal der Durchzug immer passt.

Relativ effizient: 18 kWh/100 km sind möglich

Und so fliegen wir durch Feld und Flur und genießen die Souveränität und Leichtigkeit des iX3, der so all seine Geschwister in Grund und Boden strömt, denn er hält sich auch beim Verbrauch zurück: Wer brav im dezenten Fluss bleibt, kommt 18 kWh plus minus x aus, bei uns standen am Ende 18,4 kWh/100 km angeschrieben und wir wären rund 390 Kilometer weit gekommen. Schnelle Autobahnritte treiben den Verbrauch schnell über 20 kWh/100 km, aber trotzdem sollte man im Alltag leicht darunter kommen.

Ansonsten bleibt auch der iX3 typisch x3: Viel Platz, souveränes Infotainment samt schlauer Connectivity, gepaart mit einem guten Sprachverständnis. Der CO2-Footprint fällt laut BMW auch dank sorgfältigem Sourcing der Rohstoffe (das gilt auch für die Akkuzellen) von Well-to-Wheel um 30 bis 63 Prozent geringer aus als beim X3 20d, der auch schon zu den sparsamen gehört, aber eben den ineffizienten Verbrenner unter der Haube trägt.

Unter der blieb hier leider weder Platz für einen Extra-Antrieb respektive einen Frunk, so dass man den iX3 nicht zu tief in Schlamm oder Schnee vergraben sollte, den Traktionskünstler ist er keiner. Den Sound kann man komplett wegschalten, dann hört man nur die Reifen und das Säuseln des Windes (da die neue E-Maschine auch nochmal leiser wurde) oder man schaltet auf „Sport“, dann erklingt beim Beschleunigen ein dezentes Röhren. Adaptiv sucht sich der iX3 etwas dazwischen, aber warum sollte man das wollen?

Clever: Adaptive Rekuperation

Sehr schlau ist auch die adaptive Rekuperation, die das Bremspedal auf unserer 140 Kilometer langen urbayerischen Tour praktisch überflüssig machte. Sie arbeitetet kamera- und kartenbasiert und unterstützt einen nach Kräften auf fast magische Weise. Und das gepaart mit der (leider als altmodisch empfundenen) klaren Bedienung macht die Tour zum Vergnügen.

Geladen werden kann DC mit bis zu 150 kW, dann sind 80 Prozent Akkustand binnen 34 Minuten erreicht. An der Wallbox dauert es mit 11 kW dann 7 Stunden und 30 Minuten, bis der Akku zu 100 Prozent geladen ist. Am Ende waren wir von der Intelligenz und Effizienz der so unscheinbaren Programmergänzung begeistert. Die Preise starten bei 66.300 Euro brutto (gut 55.700 Euro netto), wovon noch bis zu 7.500 Euro Förderung abgehen.

Auch ja und ganz wichtig in Niederbayern und den angrenzenden oberbayerischen Landkreisen: Auch einen Anhänger darf der iX3 ziehen, aber der darf gebremst leider nur 750 Kilogramm wiegen.

Was bedeutet das?

Der iX3 überrascht mit Effizienz und Intelligenz und dürfte den Anteil reiner E-Autos bei BMW sehr schnell anheben. Wir sind umso gespannter auf iNext und i4. Und einen künftig vielleicht auch noch kompakteren und noch dynamischeren Stromer.

 

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