Werbung
Werbung
Werbung

Expo Real 2019: Die Zukunft der letzten Meile

Auf der dritten Paneldiskussion, die VISION-mobility-Chefredakteur Gregor Soller moderierte, kam es zu vielen innovativen Ansätzen – die im Idealfall kombiniert werden können und so zu neuen Lösungen führen.

Das Panel kreiierte gemeinsam viele innovative Ideen. Neben Moderator Gregor Soller nahmen Iris Schöberl (BMO Real Estate), Raimund Pätzmann (Zalando), Prof. Dr. Payam Dehdari (Hochschule für Technik, Stuttgart) und Janine Dietze (Drees&Sommer) (v.l.) teil. | Foto: Alexander Wegerer
Das Panel kreiierte gemeinsam viele innovative Ideen. Neben Moderator Gregor Soller nahmen Iris Schöberl (BMO Real Estate), Raimund Pätzmann (Zalando), Prof. Dr. Payam Dehdari (Hochschule für Technik, Stuttgart) und Janine Dietze (Drees&Sommer) (v.l.) teil. | Foto: Alexander Wegerer
Werbung
Werbung
Gregor Soller

Schon das Motto des Panels klang vielversprechend: „Wenn der Postmann nicht mehr klingelt – innovative Lösungen für den Wettbewerb auf der letzten Meile“. Zum Thema äußerten sich Prof. Dr. Payam Dehdari, der an der Hochschule für Technik Stuttgart im Fachgebiet umweltorientierte Logistik lehrt und forscht, Janine Dietze, Head of Logistics bei Drees&Sommer, sowie Iris Schöberl, Managing Directors bei BMO Real Estate und Raimund Pätzmann, Vice President Corporate Real Estate bei Zalando.

Es begann Dehdari – aber nicht mit einem trockenen Überblick, sondern Beispielen aus der Praxis gelungenen, wie weniger gelungenen: Wenn sein Paket für Stuttgart Süd in Stuttgart Ost zur Abholung bereitliegt, ist im KEP-Dienst etwas schief gelaufen, doch das komme vor. Trotzdem lohnt es sich, weiter zu planen: An dezentralen Hubs, ganz neuen Liefermethoden und vor allem: Über den Tellerrand hinaus zu denken. Womit er die perfekte Steilvorlage für Janine Dietze gibt, die solche Projekte begleitet: Da plant zum Beispiel BMW in Berlin, ein neungeschossiges Gebäude zum Logitsikhub umzubauen, sowie Logistik neuerdings in der City generell in die Höhe plane. Und die „allerletzte“ Meile in die Wohnung könne auch eine Hausverwaltung oder ein Servicemitarbeiter einer Wohnanlage übernehmen, sofern das Objekt oder die Anlage dafür einen Anlieferungshub vorgesehen hat. Doch das sei in der Regel nicht der Fall, weiß Iris Schöberl von BMO Real Estate. Zwar schreibe man immer noch Parkplätze und Stellflächen für Pkw vor, doch Logistikzonen in der City oder in neu geplanten Quartieren? Fehlanzeige! Stattdessen würden in vielen Städten Container auf öffentlichem Parkraum aufgestellt, die dann als provisorische Minihubs dienen. Ein weiteres Problem: E-Commerce verdreifache den Flächenbedarf, da viele Kunden gern drei Größen oder drei Arten von Kleidung bestellten – wovon in der Regel zwei Drittel wieder zurückgingen. Und das schlägt auf die Effizienz und die Kosten.

Davon kann Raimund Pätzmann von Zalando ein Lied singen und forscht mit seinem Unternehmen seinerseits an neuen Konzepten: Einfachste Möglichkeit: Den Einzelhandel zum „Minihub“ zu ertüchtigen, der dem Kunden das Handling der Sendung erleichtert, online bestellte Waren für ihn zur Anprobe bereithält und dazu einen Kaffee anbietet – und selbst noch einen Gelegenheitsverkauf umsetzen kann.

Dass sich solche Ideen bei Neuplanungen von Gewerbe und Quartier leichter umsetzen lassen als im Bestand ist klar, trotzdem bleiben auch hier viele Stellschräubchen, an denen sich drehen ließe. Denn die Lieferung „frei Haus“ sei laut Schöberl künftig nur noch als Extra-Service zu erbringen, dessen Kosten sie mit fünf bis sechs Euro veranschlagt. Womit sie auch gleich mal eine mutige Hausnummer nennt. Und auch hier kommt man schnell wieder auf die Bequemlichkeit und die Ansprüche der Kunden, welche das Verhältnis zwischen Push- und Pulleffekt im Einzelhandel laut Pätzmann mittlerweile komplett gedreht hätten: Früher wurde eine starre Menge für den Handel geplant samt Lieferung und unverkauftem Rücklauf. Heute hat der Kunde dank Digitalisierung vielfältigere Varianten und Liefermöglichkeiten: Vom Ladengeschäft über die eigene Haustür bis zum Kofferraum seines Autos, das vielleicht im Büro steht. Was den Aufwand, ihn zufriedenzustellen, massiv erhöhe.

Und genau hier gelte es laut Dehdari und Dietze, weiterzudenken und zu gehen, denn dass es künftig „die eine Lösung“ für die letzte Meile gebe, bezweifelt Dehdari stark. Hier bringt Dietze das Beispiel eines verrenteten Postboten in den Alpen, der gleichzeitig als Bote fungierte und jedem bekannt war – eine Art Vetrauensmann, was die wechselnden KEP-Fahrer nie sein können. Was uns gleich zur Abschlussfrage führt: Wird es in 50 Jahren – hier haben wir einen extra langen Zeitraum gewählt – noch einen Postmann geben, der klingelt? Iris Schöberl glaubt daran, allerdings nicht mehr als Postmann, sondern als individuellen Service, den man eben bei Bestellung hinzubucht. Pätzmann und Dehdari sind da kritischer: Nein, geklingelt würde dann wohl kaum noch, da man ja mannigfaltige Möglichkeiten habe, an seine Ware zu kommen, exakt wann und wo man das wolle – und das müsse eben nicht an der Haustür sein. Janine Dietze denkt etwas nach und führt dann aus: „In fünfzig Jahren werde ich knapp 90 Jahre alt sein – und bin dann sicher froh, wenn mir jemand die gewünschte Ware so bringt, dass ich möglichst wenig Aufwand damit habe. Und wenn diese Person dann auch noch eine Vertrauensperson wie der verrentete Postbote ist, wäre das umso besser!“

Was bedeutet das?

Das Thema „Letzte Meile“ ist stärker in Bewegung als je zuvor: Es reicht heute von der Kofferraumlieferung per App über Minihubs bis hin zur Reaktivierung des Einzelhandels – wichtig ist aber vor allem, dass alle Beteiligten gemeinsam neue Lösungen entwickeln, denn nur so kommt man auf ganz neue, wirklich innovative Ideen.

Printer Friendly, PDF & Email
Werbung