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Expertenkreis "Transformation der Automobilwirtschaft“ gegründet

Ein neuer Arbeitskreis erfüllt ein Versprechen aus dem Ampel-Koalitionsvertrag und soll Wege aufzeigen, wie sich der große Wandel in der Schlüsselbranche sozial- und umweltverträglich gestalten lässt. Das sollte schnell gehen, denn man steckt mitten drin. 

Vom Verbrenner zum Stromer: Wie sich den Wandel ohne noch größere Brüche gestalten lässt, das soll ein neuer Expertenkreis aufzeigen, der vor allem mit dem Wegfall "klassischer" Automobilarbeitsplätze und der Verlagerung in andere Bereiche wie Software zu debattieren haben wird. | Foto: Mercedes-Benz
Vom Verbrenner zum Stromer: Wie sich den Wandel ohne noch größere Brüche gestalten lässt, das soll ein neuer Expertenkreis aufzeigen, der vor allem mit dem Wegfall "klassischer" Automobilarbeitsplätze und der Verlagerung in andere Bereiche wie Software zu debattieren haben wird. | Foto: Mercedes-Benz
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Johannes Reichel

Heute fand die konstituierende Sitzung des Expertenkreises „Transformation der Automobilwirtschaft“ statt. Der Expertenkreis unter Federführung des Bundministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) ist Teil der im Koalitionsvertrag vorgesehen Strategieplattform, die sich mit der Transformation der Automobil- und Mobilitätswirtschaft befasst. Der Expertenkreis „Transformation der Automobilwirtschaft“ besteht aus 13 Mitgliedern, die von Bundesminister Robert Habeck für die Legislaturperiode berufen wurden.

„Dekarbonisierung, Digitalisierung und Stärkung der Liefernetzwerke: das sind die Herausforderungen und zugleich die Chancen der Automobilwirtschaft in Deutschland. Für 2030 haben wir uns das Ziel von 15 Millionen vollelektrischen Pkw auf der Straße gesetzt. Die Fahrzeuge der Zukunft kommen nicht nur ohne fossile Kraftstoffe aus, sie sind auch vernetzt und automatisiert unterwegs. Außerdem müssen die Wertschöpfungsketten nachhaltiger und robuster werden", meint Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz.

Wichtig dafür sei auch eine eigenständige und leistungsfähige Produktion für zentrale Bestandteile der Autos in Deutschland und Europa – vorneweg für Chips und Batterien. Der Expertenkreis „Transformation der Automobilwirtschaft“ soll konkrete Handlungsempfehlungen erarbeiten, wie man das Ziel der Klimaneutralität erreichen und Wertschöpfung sowie Arbeits- und Ausbildungsplätze am Automobilstandort Deutschland sichern können, skizzierte Kellner weiter. In seiner Auftaktsitzung hat der Expertenkreis Schwerpunktthemen der Transformation der Automobilwirtschaft benannt, die in den nächsten Monaten bearbeitet werden sollen. Diese sind

  • Dekarbonisierung der Automobilen Wertschöpfungsketten
  • Smart Car: Software, Digitalisierung, Automatisierung
  • Resilienz der automobilen Wertschöpfungs- und Liefernetzwerke
  • Beschäftigung, Weiterbildung und Qualifizierung, Strukturpolitische Aspekte
  • Normung & Standardisierung

In der heutigen Sitzung wurden Frau Prof. Dr. Ina Schaefer und Frau Prof. Dr. Monika Schnitzer als Vorsitzende des Expertenkreises gewählt. Der Expertenkreis „Transformation der Automobilwirtschaft“ kann themenspezifisch weitere Expertinnen und Experten hinzuziehen. Arbeitsergebnisse sollen mit relevanten Stakeholdern konsultiert werden.

Die Mitglieder des Expertenkreises zur Transformation der Automobilwirtschaft sind:

  • Herr Prof. Dr. Thomas Bauernhansl: Professor für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF) der Universität Stuttgart, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA)
  • Frau Dr. Astrid Fontaine: Mitglied des Markenvorstands bei VW Nutzfahrzeuge, zuständig für Personal und Transformation
  • Herr Prof. Dr. Christopher Hebling: Direktor Bereich Energietechnologien und -systeme, Bereichsleiter „Wasserstofftechnologien“ am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg
  • Herr Christian Hochfeld: Direktor der Agora Verkehrswende
  • Herr Prof. Dr.-Ing. Achim Kampker (MBA): Leiter des Lehrstuhls Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen
  • Herr Dr. Jens Katzek: Geschäftsführer Automotive Cluster Ostdeutschland
  • Frau Dr. Constanze Kurz: Geschäftsführerin des Gesamtbetriebsrates der Robert Bosch GmbH
  • Herr Ralph Obermauer: IG Metall Vorstand, VB 01 | Stabsstelle Mobilität und Fahrzeugbau
  • Herr Andreas Rade: Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie e. V. (VDA)
  • Frau Prof. Dr. Ina Schaefer: Karlsruhe Institute of Technology (KIT), Chair of Testing, Validation and Analysis of Software-Intensive Systems (TVA), Institute for Information Security and Dependability (KASTEL)
  • Frau Prof. Dr. Monika Schnitzer: Mitglied des Sachverständigenrates, Professorin für Komparative Wirtschaftsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität in München
  • Herr Prof. Dr. Jens Südekum: Professor für internationale Volkswirtschaftslehre, Leiter des Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf
  • Herr Christian Vietmeyer: Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (ArGeZ)

Was bedeutet das?

Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bilde ich einen Arbeitskreis, lautet ein geflügeltes Wort. Das ließ sich durchaus auch auf die alte Merkel-Regierung anwenden, die eine Meisterschaft darin entwickelte, Probleme in immer neue Gremien oder Gipfel zu verschieben - aber nicht zu lösen, sondern zu vertagen. Und wenn die Gremien denn ausführliche Papers veröffentlichten, wurde vieles kurzerhand einfach ignoriert, ein Andy Scheuer weiß es einfach besser als alle Experten. Nicht wenige von ihnen waren ob dieses arroganten Gebarens schwer gefrustet. Viel zu viele Themen sind dabei liegen geblieben, das Land steckt mitten im Schlamassel aus vertändelter und vor allem von der Union verzögerter Verkehrs- und Energiewende, satt, selbstgefällig und sediert vom "Ruhige-Hand-wir-schaffen-das"-Stil der zögerlichen Exkanzlerin und bekommt durch den Ukraine-Krieg auch keine Zeit, sich zu sortieren, geschweige denn "in Ruhe" den Koalitionsvertrag abzuarbeiten.

Hinzu kommen immer neue Querschläge aus den Reihen der FDP, der der Vertrag schnurz ist, die sinkenden Umfragewerte aber "alles" bedeuten. Da wird schon mal der Wortlaut des Vertrags verbogen bis zur Unkenntlichkeit, siehe E-Fuels. Und längst getätigte Absprachen kurzerhand über den Haufen geworfen.

Ob ein Christian Lindner oder ein Volker Wissing allzu viel Gehör haben für noch so kompetente Ratschläge, darf man getrost bezweifeln. Aber wenn ein Gremium personelle Breite und Sachkenntnis darstellt, dann dieser klug zusammengestellte Kreis aus im wahrsten Sinne Berufenen. Man kann nur hoffen, dass die Regierenden diesmal auf die zu erwartenden Weisheiten und Richtungszeige der Fachleute hören - und dann auch handeln, was längst nicht dasselbe ist. Feststeht, es muss schnell gehen, denn die Transformation ist im vollen Gange - die Klimakrise leider auch. 

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