Exklusiv-Interview mit Renault-Deutschland-Chef Uwe Hochgeschurtz: "Reine Verbrenner sind ökonomisch eigentlich Unsinn!"

Als echter Rheinländer gehört Uwe Hochgeschurtz zu den Managern, die weder Corona noch der Umbau der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi beeindrucken können. Mit großem Optimismus und rheinischer Lässigkeit (untermalt von seinem ebensolchen Akzent) äußert er sich zu den Renault-Plänen für 2020 und warum der Diesel manchmal immer noch erste Wahl bleiben wird.

Spricht Klartext: Renault-Deutschland-Chef Uwe Hochgeschurtz vor der Renault-Zentrale in Brühl. | Foto: G. Soller
Spricht Klartext: Renault-Deutschland-Chef Uwe Hochgeschurtz vor der Renault-Zentrale in Brühl. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Herr Hochgeschurtz, werden die neuen kompakten Hybrid- und Plug-in-Hybridmodelle den Diesel aus den Preislisten verdrängen?

Hochgeschurtz: Keinesfalls! Die elektrifizierten Modelle sind extrem wichtige und sinnvolle Ergänzungen unseres Portfolios, mit denen wir natürlich viele Kunden gewinnen wollen. Aber natürlich bleibt gerade für Vielfahrer, die größtenteils auf Langstrecken Kilometer sammeln, der Diesel wegen seiner geringen Verbräuche oftmals die erste Wahl. Doch das Potenzial der Kunden, die auf den Hybrid oder Plug-in-Hybrid umsteigen können, ist enorm!

Wie hoch schätzen Sie das ein?

Hochgeschurtz (lächelt): Ich denke, 80 bis 90 Prozent der Dienstwagenfahrer können einen Plug-in-Hybrid kaufen. Denn zum einen werden die eben angesprochenen Langstrecken immer seltener. Und wenn ich mir dann die CO2-Werte ansehe, kann ich die als Mobilitätsmanager mit den elektrifizierten Modellen natürlich richtig nach unten bewegen! Zumal unsere Preise es den Kunden eigentlich verbieten zu sagen, dass man sich das nicht leisten könne! Außerdem ist nicht sicher, dass man künftig mit reinen Verbrennern noch in alle Innenstädte darf und dass der Dieselpreis so niedrig bleibt, wie er aktuell ist. Auch steuerlich dürfte sich künftig Einiges ändern. 

Haben Sie denn überhaupt genug Kapazität für die alternativen Antriebe?

Hochgeschurtz: Wir sind gut vorbereitet und werden liefern können. Die ersten hybridisierten Modelle sind schon im Handel. Und bei unserem rein elektrischen Zoe sind wir bestens mit Ware bestückt.

Bringen Sie sich da nicht selbst mit geringen Flottenverbräuchen unter Druck? Man hat das Gefühl, dass viele andere Hersteller deshalb viele 2020er-Verkäufe auf 2021 verschieben und aktuell noch gar nicht liefern wollen?

Hochgeschurtz: Wir wollen und können liefern! Wir haben beim Zoe im Juni wieder einen neuen Rekordmonat hingelegt und mit fast 2.000 Bestellungen so viele Kaufanträge erhalten wie noch nie. Im ersten Halbjahr haben wir mit dem Zoe um 27 Prozent zugelegt, und das bei einem Corona-bedingt massiv rückläufigen Gesamtmarkt! Außerdem ist jedes verkaufte Elektroauto – ob voll elektrisch oder mit Hybrid -  ein Invest in unsere eigene Zukunft, denn die CO2-Vorgaben werden weiter sinken. Und ich halte es auch nicht für ausgemacht, dass elektrifizierte Modelle in alle Ewigkeit so auf den Flottenverbrauch angerechnet werden wie aktuell.

Wer ordert aktuell ihre Elektro-Palette? Sind das hauptsächlich Flotten?

Hochgeschurtz: Beim Zoe ist das Verhältnis von Privat- zu gewerblichen Kunden nach wie vor ungefähr fifty-fifty, wobei zu den Flotten ja auch die sogenannten „User-Chooser“ gehören und die profitieren ja neben den Kaufanreizen auch von der 0,25-Prozent-Regel. So dass es für sie eigentlich ökonomischer Unsinn ist, überhaupt noch einen reinen Verbrenner zu kaufen.

Der steuerliche Vorteil gilt aber nicht für den Clio, der als Hybrid ja eigentlich wie ein Verbrenner besteuert wird und preislich so schon ziemlich nah an den Captur Plug-in-Hybrid heranrückt, der ja ganz anders gefördert wird?

Hochgeschurtz: Das ist richtig, zumal wir unsere Plug-in-Hybride aktuell ja selbst auch noch mit zusätzlichen Kaufanreizen versehen. Die bieten wir natürlich auch für den Clio an, der aber auch ein anderes Klientel als Captur und Megane bedient.

Zum Abschluss vielleicht noch eine Frage zur Gesamtsituation bei Renault, die aktuell ja nicht so rosig aussieht – das scheint Sie aber gar nicht zu stressen?

Hochgeschurtz: Nein, denn wir sind in Deutschland sehr gut und effizient aufgestellt. Ich kann nur für Renault Deutschland sprechen, und der Erfolg der letzten Jahre wie auch die aktuelle Situation des Unternehmens bilden eine sehr gute Basis für eine weiterhin positive Entwicklung. Mit Blick auf die Perspektiven der gesamten Renault Gruppe möchte ich nur so viel sagen: Unser neuer CEO, Luca de Meo ist ein echter Car Guy und das wird das Unternehmen sicher weiter bringen!

Das Interview führte: Gregor Soller

Vita: Uwe Hochgeschurtz begann seine Karriere 1990 bei Ford. Von 2001 bis 2003 verantwortete er das Marketing für die Marke VW-Nutzfahrzeuge. 2004 wechselte er zu Renault nach Paris und war dort unter anderem für Marketing, die Nutzfahrzeug-Strategie und das Firmenkundengeschäft zuständig. 2014 übernahm er als Generaldirektor die Leitung von Renault Österreich und Schweiz. Seit Juni 2016 ist Hochgeschurtz Vorstandsvorsitzender der Renault Deutschland AG sowie seit März 2020 in Personalunion Generaldirektor der neu geschaffenen Renault Vertriebsregion D-A-CH (Deutschland, Österreich, Schweiz).

Was bedeutet das?

Für Renault Deutschland stellt sich die Zukunft besser dar als für den Gesamtkonzern: Man hat aktuell die richtigen Modelle am Start und führt mit dem Zoe seit Jahren die Hitliste der Stromer an. Jetzt wird der Kern des Verbrennerprogramms elektrifiziert, womit man ebenfalls (noch) früh dran ist und attraktive Preise bieten kann.

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