EVG: Für Klimaziele muss Schiene Verkehrsträger Nr. 1 werden

Bahngewerkschaft fordert auf Kongress des Umweltministeriums und der Allianz Pro Schiene eine klare Priorisierung bei Investitionen. Sonst sei das Klimaziel und die Verkehrswende nicht zu schaffen.

Elektrisch und autonom: Bei der Bahn ist im Fernverkehr Ökostrom längst selbstverständlich. Die Gewerkschaft fordert jetzt Vorfahrt für die Schiene. | Foto: DB
Elektrisch und autonom: Bei der Bahn ist im Fernverkehr Ökostrom längst selbstverständlich. Die Gewerkschaft fordert jetzt Vorfahrt für die Schiene. | Foto: DB
Johannes Reichel

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat auf dem Schienenkongress des Bundesumweltministeriums und der Allianz Pro Schiene in Berlin einen klaren Vorrang für die Schiene gefordert.

"Wenn die Bundesrepublik ihre verschärften Klimaziele erreichen will, dann muss insbesondere der Verkehrssektor liefern. Die Klimawende geht nur mit einer Verkehrswende. Die Schiene muss künftig Verkehrsträger Nr. 1 in Deutschland und Europa werden", appellierte der stellvertretende EVG-Vorsitzende Martin Burkert zur Eröffnung des Kongresses.

Für eine echte Verkehrsverlagerung auf den umweltfreundlichen Verkehrsträger Schiene müssten aber auch die Rahmenbedingungen geschaffen werden, so der EVG-Vize weiter, der zugleich Vorsitzender der Allianz pro Schiene ist. Vor allem müsse aus seiner Sicht die Infrastruktur modernisiert und ausgebaut werden, um zusätzliche Verkehre überhaupt aufnehmen zu können. Dazu gehöre auch die Elektrifizierung weiterer Strecken und eine weitere Digitalisierung des Schienenverkehrs. Burkert forderte dazu eine Investitionsoffensive. Allein für Aus- und Neubau der Infrastruktur seien mindestens drei Milliarden Euro pro Jahr notwendig, präzisierte er.

"Momentan ist Deutschland hier im europäischen Tabellenkeller. Wir müssen bei den Ausgaben für die Schiene aber ganz oben mitspielen. Die nächste Bundesregierung muss schnell liefern", mahnte Burkert.

Aber auch die Verkehrsunternehmen und die Bahnindustrie seien gefordert, so Burkert weiter. Zwer sei die Ökobilanz des Verkehrsträgers gut, aber sie könne noch verbessert werden, zum Beispiel durch die Nutzung emissionsfreien Stroms oder die Verwendung klimaneutral produzierten Stahls, so der EVG-Vize weiter. Der Bundeswirtschaftsminister sei "aufgefordert, die Chancen für grünen Stahl mit der DB AG und der Stahlindustrie auszuloten." Wenn der Bahnsektor zum Motor der Verkehrswende werden solle, brauche es aber auch mehr Personal, fordere Burkert weiter. Dafür müssten die Arbeits- und Sozialbedingungen und die Ausbildungsstandards in den Fokus rücken. "Das "Jahr der Schiene", das die Europäische Kommission ausgerufen hat, müsse auch das "Jahr der Eisenbahn-Beschäftigten" sein", findet Burkert.

Bezahlbare und verlässliche Schienenmobilität

Die zentrale Rolle der Schiene für die Klima- und Verkehrswende hob Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, hervor, der Ressortchefin Svenja Schulze vertrag.

„Wir brauchen bezahlbare Verlässlichkeit und Schnelligkeit bei der Schienenverkehrspolitik“.

Der Ausbau des Öffentlichen Verkehrs mache Mobilität für alle erschwinglich und sei ein zentraler Hebel für eine sozialverträgliche Verkehrswende. Daher sei es eine Illusion, an einem Bundesverkehrswegeplan festzuhalten, der aus der Zeit vor der Klimakrise kommt, kritisierte Flasbarth. 

Auch die EU-Kommissarin für Verkehr, Adina Vălean machte klar: „Ohne starke Schiene gibt es keinen Klimaschutz“. Es brauche noch viel Arbeit, die Schiene zu einer effizienten und attraktiven Alternative für Fahrgäste und Spediteure zu machen. Dabei werde sich der Erfolg nicht von allein einstellen. Auch für sie führe kein Weg an mehr Digitalisierung vorbei. Dazu zählt sie etwa mehr automatisierten Bahnbetrieb, die Verkehrslenkung und die digitale automatische Kupplung (DAK). „All das setzt breiten politischen Willen und Investitionen voraus“, so Vălean. Sie kündigte für dieses Jahr noch einen Aktionsplan für die Förderung des europaweiten Schienenpersonenfernverkehrs an. 

„Aus dem Europäischen Jahr der Schiene muss ein Jahrzehnt der Schiene werden“, stellte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, klar.

Zur dauerhaften Senkung der Treibhausgasemissionen müsse Europa der Schiene dauerhaft Priorität bei den Infrastrukturinvestitionen geben. Mit dem Deutschland- und dem Europatakt lägen dafür attraktive Visionen vor, um die Menschen für den Ausbau des Bahnverkehrs zu begeistern, warb der Verbandschef.

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