Eurobike 2022: Yokler setzt auf "simplicité" beim Cargobike

Gegen den Trend der immer "automobileren" und komplexeren Konstruktionen setzt der französische Cargobike-Pionier bewusst ein simples Konzept, das aber schon wieder raffiniert ist. Vor allem der extrem robuste, leichte Aufbau in Wabenstruktur und die gute Ausstattung gefallen.

Einfach kann ganz schön schwer sein: Der französische Pionier Yokler setzt auf klassische Bike-Tugenden, gemixt mit Motorradtechnik und einem hochrobusten Wabencomposit-Aufbau. | Foto: J. Reichel
Einfach kann ganz schön schwer sein: Der französische Pionier Yokler setzt auf klassische Bike-Tugenden, gemixt mit Motorradtechnik und einem hochrobusten Wabencomposit-Aufbau. | Foto: J. Reichel
Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

Der französische Lastenrad-Pionier Yokler - vormals Cyclopolitain - hat auf der Eurobike die jüngste Version seines schweren E-Cargobikes vorgestellt, das in zwei Koffervarianten, als Pick-up sowie als Personenrikscha erhältlich ist. Das klassische Trike setzt auf einen Tiefeinsteiger-Aluminium-Rahmen und mixt bei den Komponenten Motorradtechnik bei der Federgabel und den Reifen, Felgen sowie den hydraulischen Bremsen. Das soll die Servicekosten und Ausfallzeiten reduzieren. Für Tretunterstützung sorgt ein 250-Watt-Bafang-Motor mit 100 Nm Drehmoment, der simplerweise am Rahmen vor der Tretkurbel verbaut wird und bis zu 18 Prozent Steigfähigkeit ermöglicht. Highlight des von Haus aus ziemlich komplett ausgestatteten Lastenrads ist der Aufbau, der auf eine dreilagige "Honeycomb"-Composit-Konstruktion setzt und extrem robust sein soll. Es gibt ihn als 1.000- sowie 1.400-Liter-Box, wahlweise mit Regal oder Kühlmodulen sowie als offene Pritsche. Die Box verschließt automatisch und öffnet per RFID-Chip. Das Gesamtgewicht des mit 125 Kilo in der 1-m³-Variante relativ schlanken und mit 2,40 Meter recht kurzen, allerdings 1,1 Meter breiten und 1,90 Meter hohen Bikes beträgt 375 Kilo, sodass zwischen 240 und 255 Kilogramm Nutzlast bleiben. Als klassisches Trike ist der Wendekreis mit 2,30 Meter extrem kompakt.
 

Die Sitzposition ist weniger Fahrrad- als mehr Roller- oder Transporter-mäßig, man tritt eher nach vorne als nach unten, der patentierte Sitz soll gute Rückenunterstützung bieten. Serie ist eine Windschutzscheibe, Seitenspiegel, ein im Klappdeckelfach unter der Box verbauten Schnellwechselakku für 30 Kilometer Tretunterstützung, ein elektrischer Booster für das Anfahren am Berg, ein LCD-Display sowie LED-Leuchten. Optional gibt es noch einen zweiten Akku, eine Enviolo-Automatik oder eine Regallösung mit 50 Kilo Tragfähigkeit, vier Isothermal-Boxen mit eutektischer Kühlung/Heizung, GPS-Tracker, Smartphone-Halter und USB-Anschluss oder ein Branding im Firmenlook. Auch eine Straßenverkauf-Lösung ist verfügbar.

Zudem verweist man auf eine weitgehend lokale Produktion der Teile und des Fahrrads, das zu 61 Prozent aus französischen, 19 Prozent aus europäischen sowie lediglich 20 Prozent asiatischen Teilen zusammengesetzt wird. Auch das Batteriemanagementsystem ist "made in France". Das sei ein Vorteil auch in Sachen Lieferketten und Lieferfristen, wie Gründer Gérald Levy gegenüber LOGISTRA erklärt. Darüber hinaus wirbt er für den Ansatz eines relativ "simplen" Bikes, das aber robust und für ein nahezu voll ausgestattetes Rad relativ günstig sei und sich bereits in zahlreichen Einsätzen bewährt habe. Über 500 Kunden in Frankreich und Europa hätten über zwei Millionen Kilometer damit absolviert.  

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