Eurobike 2022: Rytle erfindet sein Lastenrad neu

Gründlich überarbeitet, fährt das MovR3 jede Menge Know-How aus dem Fahrzeugbau auf und erweitert das Spektrum der Anwendungen deutlich, auch über die City-Logistik hinaus. Mehr Komfort, beidseitiger Zustieg, ein cleverer Hecklift und eine schickere Schale sollen nicht nur Post-Dienste überzeugen.

Das Eckig muss ins Rund: Rytle hat den Movr neu erfunden und nicht nur praktischer, sondern auch stylischer gestaltet. | Foto: J. Reichel
Das Eckig muss ins Rund: Rytle hat den Movr neu erfunden und nicht nur praktischer, sondern auch stylischer gestaltet. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Der Bremer Lastenradhersteller Rytle hat die Eurobike 2022 in Frankfurt genutzt, um die neue Version seines schweren E-Cargobikes MovR vorzustellen. Das wieder dreirädrige Nachfolgemodell MovR3 wurde komplett neu entwickelt und räumt an einigen Stellen mit den Nachteilen des Vorgängers aus. So sorgt etwa eine selbst entwickelte doppelt gefederte Vorderachsgabel und zusammen mit dem Profilrahmen und der gefederten Sattelstütze für mehr Komfort sowie leichteres und agileres Handling auf dem Bike. Für zuverlässige und dauerhafte Verzögerung soll die Doppelscheibenbremse Magura Big in dem aus der Motorradindustrie entliehenen Speichenvorderrad sorgen, hinten jeweils einfach verbaut. Den Antrieb auf beide ebenfalls aus dem Motorradbereich stammenden Hinterräder übernehmen weiterhin zwei Heinzmann-Motoren, die Kraftübertragung vollzieht bis auf weiteres eine Kette. Hier könnte über kurz oder lang eine "digitale" und wartungsarme Lösung mit Generator in der Kurbel optional Einzug halten, wie man sie auf der Messe etwa vom koreanischen Hersteller Mando vielfach verbaut sah. Bis zu vier Akkus lassen sich hinter dem Fahrer in die gut zugänglichen Slots stecken, was die Reichweite deutlich erhöhen soll.

Zudem gibt es nun einen beidseitigen Einstieg, ebenfalls ein Punkt, der von Praktikern kritisiert worden war. Die neue und größer formatierten Spiegel verfügen sogar über LEDs auf beiden Seiten, die die Fahrtrichtung anzeigen sowie eine ins Spiegelglas eingelassene Warn-LED. Für Wetterschutz sorgt eine robuste Plexiglasscheibe, der Fußraum soll noch abgedichtet werden, eine komplett geschlossene Karosserie hatte der Hersteller aber aus Gründen der raschen Zugänglichkeit verworfen. Dafür sorgt das Design für hohe Aufmerksamkeit, das auf kreisrunde Formen setzt und an der Front mit leuchtstarken LED-Scheinwerfern Wiedererkennung sicherstellt. Clou an der Verschalung: Die Harzfaserverbindung soll nicht nur robust und im Zweifel gut reparierbar, sondern auch recyclierbar sein. Im gut zugänglichen Cockpit selbst gibt es Platz für weitere Standardboxen, wie sie etwa im Postbereich eingesetzt werden. Weiterhin Standard ist die Anbindung des Bikes an die Flottentelematik mit dem eigenständigen Rytle OS.

Auch die nach Normmaßen der Containerbranche formatierte Wechselbox mit Rollenchassis wurde gründlich überarbeitet und fasst jetzt bis zu 1,8 Kubikmeter. Ein noch größeres Forma wäre möglich gewesen, hätte aber letztlich den Rahmen eines trotz der Größe im Vergleich zu einem Kleintransporter noch immer kompakten Konzepts gesprengt, so ein Verantwortlicher. Sie verfügt über robustere Profile und lässt sich mit dem per Motor angetriebenen Lift leichter auf dem Heck platzieren. Zudem können Gewerbetreibende ohne Wechselbox-Einsatz den MovR3 als Pick-up vielseitiger verwenden, etwa auch für Stückguttransport oder mit eigenen Aufbauten. Das Gesamtgewicht der Einheit wuchs auf um die 600 Kilogramm, was trotz ordentlichem Leergewicht gute Nutzlasten ermöglichen soll. Bei einer Breite von 1,30 Meter könnte es auf den traditionell eher schmalen deutschen Radwegen allerdings eng werden, ebenso bei pollerbewehrten Durchfahrten. 

Der Hersteller, der einst als Spin-Off und Joint Venture des Lkw-Trailerherstellers Krone entstand, will nach der Premiere auf der Eurobike vor allem auch die IAA TRANSPORTATION im September nutzen, um für das schwere Lastenrad als Transporterersatz oder -ergänzung in der Letzten-Meile-Logistik zu werben. Neben dem MovR präsentierte man zudem das leichtere Zustell-Dreirad-Modell Triliner, das kombiniert mit einem oder sogar mehreren in Reihe gekuppelten Carla Cargo-Anhänger, neben der Paketzustellung auch für Anwendungen in der Intralogistik geeignet sein könnte. 

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