Eurobike 2022: Dockr launcht Kettler-Bike und senkt Hürde per Abo

Per Leasing in die Lastenradlogistik, das niederländische Start-up in der Pon-Gruppe forciert sein Geschäft mit einem neuen, wendigen Modell der Marke Kettler, das die größeren Bikes ergänzt. Immer ist eine raffinierte PU-Schaumbox Standard. Und ein monatlich kündbares Full-Service-Abo, der das Risiko minimiert. 

Erst kommt der Service, dann kommt das Bike: Dockr peilt ganz auf professionelle Kunden und will mit einem Abomodell den Einstieg in den gewerblichen Lastenradeinsatz erleichtern. | Foto: J. Reichel
Erst kommt der Service, dann kommt das Bike: Dockr peilt ganz auf professionelle Kunden und will mit einem Abomodell den Einstieg in den gewerblichen Lastenradeinsatz erleichtern. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Das niederländische Start-up in der Pon-Gruppe Dockr hat die Eurobike in Frankfurt genutzt, um ein weiteres Modell in sein Leasingprogramm aufzunehmen. Mit dem Kettler Cargoline HT600 rundet man das Programm um ein wendiges und hochwertiges einspuriges Bike mit 180-Liter-Box und 120 Kilo Nutzlast ab, das nicht zuletzt bei deutschen Kunden punkten soll. Einer der ersten: Auf dem Münchner Oktoberfest setzt der Wirt des Traditionszelts Heimer Entenbraterei erstmals auf das Bike, um nachhaltig und schnell für Nachschub während des Wiesn-Verkehrschaos zu sorgen. Das Kettler ergänzt das Portfolio aus dem größeren Urban Arrow L oder dem XL, das eine Box mit 400 oder 525 Liter Volumen bietet. Allerdings hat man auch schwerere Modelle im Programm, wie das dann dreirädrige, mit raffinierter Neigetechnik versehene Cargo Cycling Charriot, das mit einer 1.000-Liter-Box oder einer 1.700-Liter-Box und bis zu 275 Kilo Nutzlast tatsächlich einen Kleintransporter auf der letzten Meile ersetzt.

Den Van ersetzen

Genau das ist auch die Intention der Macher hinter Dockr, die sich auf die Rückendeckung eines großen Konzerns verlassen können, wie auch auf die Bike-Expertise von Schwesterunternehmen wie Urban Arrow, Kalkhoff, Focus oder Gazelle. So gebe es aber nicht nur in der Logistik, sondern auch im sonstigen Gewerbe wie Telekommunikation tausende Fahrzeuge große Van-Fuhrparks, die im Alltag nur marginale Strecken bewältigten, im Unterhalt aber hohe Kosten verursachten, wie ein Vertreter am Stand erklärt. Klar seien die Leasingraten für die schweren Lastenräder im Vergleich zu den hundertausendfach produzierten Transportern noch relativ hoch.

Dafür sparten die Bikes im Betrieb massiv. Und beim Service verspricht man den Kunden ein Niveau mindestens auf Augenhöhe mit den Fahrzeugherstellern. So gibt es etwa einen mobilen Pannenservice mit Vor-Ort-Reparaturen und die Garantie, das Bike binnen zwei Tagen wieder einsatzfähig zu machen. Sonst stellt man ein Ersatzfahrzeug. Hier sieht man generell einen Vorteil für das Dockr-Konzept, weil der zuverlässige Service im gewerblichen Bereich nun mal eine Schlüsselrolle spielt, wie der Dockr-Vertreter wirbt. Dockr-Kunden aus dem Food-Sektor wie Gorillas könnten sich Ausfälle schlicht nicht leisten. Eine Diebstahlversicherung gehört selbstredend ebenfalls zum Angebot.

Die neue Gretchenfrage: Wie hältst Du's mit dem Führerschein?

Einen weiteren gravierenden Vorteil des Transportmittels sieht man bei Dockr in der Führerscheinfrage. Es sei heute nicht mehr so selbstverständlich, dass junge Leute eine Lizenz hätten. Da könne man das Geschäft mit Bikes dennoch aufrechterhalten. Und natürlich sei es ein Faktor in Zeichen der Dauerstaus in den Städten, wenn man seine Aufträge per Bike pünktlich und zuverlässig erledigen könne, meint der Dockr-Mann. Zudem verweist er auf die immer stärker verbreiteten Einfahrbeschränkungen in Städten, wenn etwa nur noch in bestimmten Zeitfenstern überhaupt per Auto eingefahren werden darf. Dann wird das Bike zum Schlüsselelement, das das Geschäft überhaupt erst ermöglicht.

Allen Dockr-Bikes gemein ist das Konzept im mit wenigen Clicks online konfigurierbaren Abo, das von einem Monat bis drei Jahre reicht und wie aus dem Fahrzeuggeschäft gewohnt die Monatsrate je nach Länge des Vertrags günstiger gestaltet. So könne man auch Auftragsspitzen, wie sie bei Kurierdiensten etwa im Weihnachtsgeschäft entstehen, abdecken, wirbt ein Vertreter des Cargobike-Leasing-Spezialisten am Stand. Eine Alleinstellung des Anbieters sind auch die maßgeschneiderten Boxen aus Kunststoffschaum, die nicht nur robust und mit einem gasdruckdämpferbewährten Deckel versehen sind, sondern auch isolierende Funktion haben. So ließen sich problemlos kalte oder warme Food-Waren transportieren. Außerdem hat die Schaumstoffbox eine dämpfende Wirkung. Generell lassen sich die Einbauten auch individualisieren. Auch die Beklebung im Firmenlook organisiert der Anbieter. Und wie bei Automobil-Abos wird auch das Lastenrad "frei Bordsteinkante" nach Hause geliefert, binnen einer Woche, so das Versprechen.

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