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EU-Appell: Ford und Volvo fordern Verbrenner-Aus bis 2035

Neben prominenten Autoherstellern fordern zahlreiche Unternehmen in einer Petition an die EU den Ausstieg aus der Verbrennertechnologie und Umstieg auf Elektro samt Zielen für Ladeinfrasturktur bis 2035.

Breite Front gegen Verbrenner: Eine Allianz von Unternehmen aus Automobil- und Energiebranche fordert verbindliche Ziele für den Umstieg auf Elektro und den Ausbau der Ladeinfrastruktur von der EU. | Foto: Volvo Cars
Breite Front gegen Verbrenner: Eine Allianz von Unternehmen aus Automobil- und Energiebranche fordert verbindliche Ziele für den Umstieg auf Elektro und den Ausbau der Ladeinfrastruktur von der EU. | Foto: Volvo Cars
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Johannes Reichel

Eine breite und branchenübergreifende Koalition, zu der auch Ford of Europe, Volvo Cars und das E-Van Start-up Arrival sowie Ladetechnikanbieter wie Allego, ChargePoint, Fastned und EVBox oder LeasePlan zählen, hat an die EU appelliert, dafür zu sorgen, dass alle neuen Pkw und Transporter in Europa ab 2035 emissionsfrei sind, und verbindliche Ziele für die Ladeinfrastruktur festzulegen. Das teilte die Umweltdachorganisation T&E mit.

Die Frist für neue Motoren mit fossilen Brennstoffen sei notwendig, um sicherzustellen, dass die letzten Autos und Lieferwagen mit Verbrennungsmotoren bis 2050 aus dem Verkehr gezogen werden - wenn Europa eine Netto-Null-Emission erreichen muss. Die beteiligten Fahrzeughersteller, die im vergangenen Jahr zusammen rund 800.000 Autos in Europa verkauft haben, appellierten heute in einem gemeinsamen Schreiben an die EU-Gesetzgeber, das sie zusammen mit 26 anderen Unternehmen aus einer Vielzahl von Branchen unterzeichnet haben.

Freiwillig reicht nicht! Appell an die EU-Entscheidungsträger

Während sich 15 Automarken nur freiwillig dazu verpflichtet hätten, im nächsten Jahrzehnt in Europa nur noch Elektroautos zu verkaufen, fordern die Unterzeichner, dass die EU-Entscheidungsträger dies in einer festen Fahrzeugverordnung widerspiegeln, um Planungssicherheit für die Industrie, aber auch für Infrastrukturanbieter und Kunden beim Übergang zu Elektrofahrzeugen zu schaffen. Der Brief richtet sich an die Mitglieder des Europäischen Parlaments und die EU-Regierungen, die über neue Regeln für saubere Autos entscheiden. Dazu gehört auch der Vorschlag der EU-Kommission, dass ab 2035 EU-weit nur noch emissionsfreie Neuwagen und Transporter - und keine Hybride - verkauft werden dürfen. Die Unterzeichner unterstützen diesen Vorschlag der EU-Kommission ausdrücklich.

"Wir bei Ford in Europa glauben, dass die Freizügigkeit Hand in Hand mit dem Schutz unseres Planeten und unserer Mitmenschen geht. Deshalb streben wir an, dass alle Ford-Fahrzeuge bis zum Jahr 2035 emissionsfrei sein sollen. Dies steht im Einklang mit dieser Aufforderung, der COP26-Initiative RouteZero und unserer Pariser Klimaverpflichtung", erklärte Stuart Rowley, Vorsitzender von Ford Europa.

Um dies zu erreichen, müssten die politischen Entscheidungsträger in der EU auch verbindliche nationale Ziele für eine nahtlose elektrische Ladeinfrastruktur festlegen, die der wachsenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen gerecht wird, so der Ford-Europa-Chef weiter. Elektrofahrzeuge, die bereits zehn Prozent der in der EU verkauften Autos ausmachen, seien eine leicht verfügbare Lösung für Klimaemissionen und gefährliche Luftverschmutzung, erklärte die NGO. Autos und Lieferwagen zeichneten für 15 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich und stellten auch die größte Einzelquelle für Stickstoffdioxidverschmutzung, die nach Schätzungen der Europäischen Umweltagentur jedes Jahr zu mehr als 40.000 vorzeitigen Todesfällen in Europa führt.

"Volvo Cars plant, bis 2030 ein reines Elektroautounternehmen zu werden und unterstützt das Ende des Verkaufs von Fahrzeugen mit fossilen Brennstoffen in Europa bis 2035. Dies würde nicht nur den Zielen des Pariser Abkommens entsprechen, das bis 2035 den Verkauf von 100 % abgasfreien Fahrzeugen in Europa vorschreibt, sondern es ist auch genau das Richtige. Das Zeitfenster, in dem wir die schlimmsten Auswirkungen der globalen Erwärmung vermeiden können, schließt sich rasch. In diesem kritischen Moment ist es an der Zeit, dass die EU ihre Führungsrolle bei den Klimaschutzmaßnahmen bekräftigt", forderte Jim Rowan, CEO von Volvo Cars.

Die Festlegung eines Enddatums für den Verkauf von Autos mit fossilen Brennstoffen werde auch einen Systemwandel in der europäischen Automobilindustrie einleiten und sie zu einem weltweit führenden Unternehmen in einem Schlüsselsektor für eine Netto-Null-Zukunft machen, so die Unternehmen, zu denen auch die Energieversorger Iberdrola und Vattenfall sowie Unternehmen, die große Fahrzeugflotten betreiben, wie Zurich und Sanofi gehören. Viele davon äußerten sich besorgt über das mangelnde Angebot an Elektrofahrzeugen, um ihre eigenen Fahrzeuge zu dekarbonisieren.

"Wir freuen uns, den offenen Aufruf an die EU-Regierungen und das Europäische Parlament zu unterstützen, damit alle neuen Autos und Lieferwagen in Europa ab 2035 emissionsfrei sind. Unser Ziel ist es, eine Gesellschaft ohne fossile Brennstoffe zu ermöglichen, und die Elektrifizierung des Verkehrssektors ist ein wichtiges Element in diesem Übergang", ergänzte Tomas Björnsson, CEO InCharge und Vice President E-Mobility, Vattenfall.

Der Markt für Elektrofahrzeuge werde in den kommenden Jahren weiter reifen, und Vattenfall wolle zu den ehrgeizigen EU-Zielen beitragen, indem man gemeinsam mit Partnern eines der größten Ladenetze in Europa aufbauen. Zudem wolle man den eigenen Fuhrpark bis 2030 zu elektrifizieren, kündigte Björnsson weiter an.

Autos mit Verbrennungsmotor sind auch für etwa ein Drittel aller Ölimporte nach Europa verantwortlich. Die Umstellung auf einen Straßenverkehr ohne fossile Brennstoffe würde die Energiesicherheit des Kontinents verbessern und die Milliarden Euro, die er jedes Jahr für Öl ins Ausland schickt, reduzieren. Das Europäische Parlament und die EU-Regierungen werden im Juni über ihre Positionen zum Ziel der emissionsfreien Fahrzeuge bis 2035 entscheiden. Nach den Verhandlungen wird das endgültige Gesetz voraussichtlich im Herbst verabschiedet.

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