Erste Sitzprobe Lucid Air: America great again!

Klar kann man diskutieren, ob eine Luxuslimousine über 1000 PS oder nach WLTP um die 900 Kilometer Reichweite schafft – aber fest steht: Der Lucid Air wird die gesamte europäische Oberklasse vorführen.

Superschlanke Scheinwerfer, elegante Optik: Der Lucid Air in München. | Foto: G. Soller
Superschlanke Scheinwerfer, elegante Optik: Der Lucid Air in München. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Im Gegensatz zu seinem Ex-Arbeitgeber Elon Musk spricht Peter Rawlinson nur immer dann über sein Produkt, wenn auch wirklich ein neuer Schritt gegangen war. Und jetzt tat man einen ganz Großen über den Teich an den Münchner Odeonsplatz, wo wir Probe saßen – und begeistert waren.

Die Türen können bei Bedarf 90 Grad öffnen und geben den einfachen Zugang zu einem extrem großzügigen Innenraum frei: Im Fond finden wir vor allem im Kopfbereich merklich mehr Platz als im gut 20 Zentimeter längeren Mercedes-Benz EQS und die Materialauswahl übertrifft den Sternenkreuzer ebenfalls in Haptik, Duft und Optik. Und das package sowieso. Gut – eine große Heckklappe gibt es leider nicht und die Golfbag- respektive Schidurchreiche ist etwas klein, aber der Kofferraum lässt sich über die komplette Breite beladen und die dreigeteilte Rücksitzanlage lässt sich fast ganz eben umlegen. Und es gibt ein riesiges Unterfach im Kofferraum. Die Türen schließen alle satt und wir öffnen den Frunk und staunen: Auch er ist riesig, ebenfalls mit großem Unterfach: Etwas zusammengekauert brächte man hier einen weiteren Mitfahrer unter…

Auf den Plätzen innen freut man sich über das riesige Glasdach, das an der A-Säule vorn auf eine Querstrebe verzichtet und so für ein luftiges Raumgefühl sorgt. Das hat sich bisher nur Opel beim Astra GTC getraut, wegen teuer und kaum bestellt allerdings (zu) schnell wieder aufgegeben. Gleiches im Fond – allerdings blickt man hier auf die Dachstrebe, die beim Lucid die B-Säulen überspannt – irgendwo muss auch Lucid den Air versteifen.

Die eigentliche Kunst des Lucid Air: Das Package. Luxuslimo innen, gehobene Mittelklasse außen

Der Vorführer in München (noch ein US-Modell mit US-Ladebuchse) kam in auffälligem, aber eleganten Zenith Red und verfügte über die sattelbraunlastige Tahoe-Innenausstattung – ein starkes aber elegantes Statement – auch die Zweifarbigkeit der Sitze (vorn schwarz, hinten sattelbraun) schaffte es in die Serie. Ebenso wie die hochwertigen Materialien: Olfaktorisch, also in Sachen Innenraumgeruch übertrifft der Air den EQS an Wertigkeit und erinnert eher an Maybach, Bentley und Rolls Royce.

Doch das stärkste Argument des Lucid Air ist ganz klar das Package: Er bleibt trotz Luxuslimo-Optik unter fünf Metern und bietet auch ohne langen Radstand einen XXL-Innenraum. Weil Gründer und Chef Rawlinson sein Team wirklich jede Komponente auf die sprichwörtliche Goldwaage legen ließ.

Die „Basismaschine“ mit 500 kW (679 PS) wiegt nur 74 Kilogramm, dazu kommt ein Akku, der bis zu 112 kWh aufnehmen kann – sehr flott: Dank 900-Volt-Technik sollen im Peak bis zu 300 kW Ladeleistung möglich sein. AC klappt dreiphasig mit 22 kW. Und so sollen beim ausgestellten Grand Touring (der 1050 PS leistet) bis zu 830 Kilometer Reichweite drin sein, von denen real gut 500 bleiben dürften. Der EQS schafft hier eher 350

Was bedeutet das?

Nach einer Sitzprobe im durchdachten Air fragen wir uns, was die Ingenieure der deutschen Premiumhersteller die letzten Jahre konstruiert haben außer größer, schneller und schwerer…denn im Gegensatz zu i7 und Co. bringt der Lucid Air Luxus extrem intelligent auf den Punkt. Ex-Jaguar-und Tesla-Mitarbeiter Rawlinson hat Und seine britische Herkunft dazu genutzt, die Verarbeitung und Haptik nicht auf Teslas US-Niveau sinken zu lassen. Mit dem Air hat er zwar nicht die Welt neu erfunden, aber die Welt der Luxusklasse an den entscheidenden Punkten intelligent verbessert! Womit der Air definitiv der stärkste Neuzugang im Luxussegment seit Langem ist.

Aussagen in diesem Video müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.
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