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Erfolgreiches Projekt: Bayern ersetzt Auto mit E-Lastenrädern am Land - Söder beerdigt es trotzdem

(dpa/lby/jr) Mit einem Modellprojekt versucht das Verkehrsministerium, E-Lastenräder auf dem Land als Alternative zum Auto zu etablieren - und bezuschusst Mietsysteme. Nicht ohne Erfolg. Dennoch will Ministerpräsident Söder die Förderung streichen. Ohne die läuft's nicht.

Wegen Erfolg geschlossen? Die weitere Förderung für das 2020 gestartete Projekt LastenRadBayern mit einer eigenen App und E-Bikes steht offenbar auf der Kippe. | Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Wegen Erfolg geschlossen? Die weitere Förderung für das 2020 gestartete Projekt LastenRadBayern mit einer eigenen App und E-Bikes steht offenbar auf der Kippe. | Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand
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Johannes Reichel

Verstopfte Straßen und Parkplatzmangel kennen alle Stadtbewohner mit Auto. Eine Alternative ist neben öffentlichen Verkehrsmitteln das Fahrrad - auch mit Blick auf den Klimaschutz. Auf dem Land sieht es derzeit aber noch anders aus: Laut aktuellem Fahrrad-Monitor des bayerischen Verkehrsministeriums radeln in Gemeinden unter 20.000 Einwohnern 34 Prozent regelmäßig - wesentlich weniger Menschen als in größeren Kommunen. Das Rad sei im ländlichen Raum sicherlich nicht für jeden Einsatzfall geeignet, sagt Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) und ergänzt mit Blick auf Lastenräder:

«Dennoch bietet es innerorts und für Strecken von bis zu zehn Kilometern eine attraktive Alternative, um Kinder zu befördern, einzukaufen oder größere Gegenstände zu transportieren.»

Seine These stützt ein Modellprojekt des Verkehrsministeriums, das in sieben kleineren bayerischen Kommunen ein Mietsystem für E-Lastenräder aufgebaut hat. Die Behörde investierte 2,4 Millionen Euro und übernahm in Lechbruck am See, Lindau, Cadolzburg, Freising, Würzburg, Marktredwitz und Passau 90 Prozent der Kosten. Damit finanzierte sie 55 Mietstationen inklusive Ladetechnik, 133 motorisierte Lastenräder inklusive Smartlocks und 13 Überdachungen. Es sollte untersucht werden, ob ein Lastenrad-Mietsystem den innerstädtischen Verkehr verringert.  

Lastenräder ersetzen das Auto

«Und das war bei uns definitiv der Fall», sagt Werner Moll (Freie Wähler), Bürgermeister der Gemeinde Lechbruck am See, die mit knapp 2900 Einwohnern als kleinster Ort ins Rennen ging. 2.456 Mal wurden die 12 Räder von September 2022 bis Ende Dezember 2023 ausgeliehen. Die Mieter legten mit ihnen mehr als 14 500 Kilometer zurück. 71 Prozent der Nutzer gaben an, mit einer Fahrt des Leihrads eine Autofahrt ersetzt zu haben. Moll sieht das Lastenrad als möglichen Ersatz für den Zweitwagen. «Sinnig wären Leihstationen in der Nähe neuer Wohnbaugebiete», sagt der Rathauschef. 

Begeisterung ist groß, Effekte spürbar

Auch in Lindau ist die Begeisterung nach dem Auslaufen des Modellprojekts groß. Durch das Mietsystem sei das Umsteigen aufs Lastenrad einfacher. «Damit erreicht man auch viele, denen die Räder als eigene Anschaffung zu teuer sind», sagt Bürgermeisterin Claudia Alfons (parteilos). In der Stadt am Bodensee legten die Radler 13 500 Kilometer in 2232 Mietvorgängen auf 16 Rädern zurück - 60 Prozent davon nach eigenen Angaben als Autoersatz. Wie auch in den anderen Kommunen bleibt das Mietsystem hier künftig erhalten.

 

 

9.000 Autofahrten vermieden

Mindestens 9.000 Autofahrten seien durch das Modellprojekt vermieden worden, teilt das Verkehrsministerium mit. Es hoffe auf weitere Kommunen, die in der kommenden Radsaison teilnehmen. Passen würde das wieder zu den Ergebnissen des bayerischen Fahrradmonitors: 43 Prozent der Bayern zwischen 12 und 69 Jahren wollen in Zukunft das Rad häufiger nutzen - das macht es zum Fortbewegungsmittel mit dem höchsten Wachstumspotenzial im Freistaat. 

"Lastenräder tragen wirksam zur Verringerung von Autoverkehr und damit zu einer klimafreundlichen Mobilität bei", stellt der Abschlussbericht fest.

Dem Ministerpräsidenten Markus Söder, der nicht nur im Wahlkampf gerne gegen das vermeintliche "Grünen-Thema Lastenräder" stänkerte zuletzt: "Wir stehen zum Auto (...). Mit dem Lastenfahrrad allein wird man im ländlichen Raum nicht durch den Winter kommen". Und so steht trotz des großen Erfolgs die weitere Förderung offenbar auf der Kippe. Wie Ippen-Media nach einer Anfrage ans Verkehrsministerium berichtet, sei ein "weiteres Förderprogramm für Lastenräder derzeit nicht geplant", so das Bernreiter-Haus. Der Abschlussbericht merkt aber deutlich an:

"Ohne finanzielle Förderung ist die Art der Beschaffung der Mietlastenräder eine wichtige Frage".

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