Energieversorgung: Volkswagen vollzieht den Kohleausstieg

Automobilhersteller will auch in der Produktion nachhaltiger werden und rüstet die Kohlekraftwerke am Standort Wolfsburg auf Erdgas um. Die CO-Reduktion entspricht der Jahresfahrleistung von 870.000 Autos.

Raus aus der Kohle: VW rüstet seine Kraftwerke um - und gibt der Politik damit ein Beispiel. | Foto: VW
Raus aus der Kohle: VW rüstet seine Kraftwerke um - und gibt der Politik damit ein Beispiel. | Foto: VW
Johannes Reichel

Der Volkswagen Konzern will auch in der Energieversorgung der Produktion seine Umweltbelastungen reduzieren. Dafür steigt der Konzern aus der Kohleverstromung aus. Auf Beschluss des Vorstands sollen die beiden unternehmenseigenen Groß-Kraftwerke am Standort Wolfsburg grundlegend zu modernisiert und von Steinkohle- auf Erdgasbetrieb umgestellt werden. In diesem Zuge will man mehrere neue Gas- und Dampfturbinenanlagen als Ersatz für die bestehenden Steinkohlekessel errichten. Dafür werden rund 400 Millionen Euro investiert, die Inbetriebnahme soll zwischen 2021 und 2022 erfolgen. Mit den neuen und hocheffizienten Gasturbinen für die Kraftwerke in Wolfsburg werden die CO2-Emissionen in der Strom- und Wärmeerzeugung dauerhaft um rund 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr reduziert. Dies entspreche dem jährlichen CO2-Ausstoß von aktuell ca. 870.000 Fahrzeugen und einem Rückgang von fast 60 Prozent im Vergleich zu den bisherigen Emissionen der Kraftwerke am Standort. Auf die deutschen Produktionsstandorte umgelegt würde dies einer Reduktion von 50 Prozent entsprechen. 

„Der Volkswagen Konzern will und muss seinen Beitrag leisten, um den Klimawandel einzudämmen und die Luftqualität zu verbessern. Deshalb treiben wir die Elektrifizierung unserer Fahrzeuge voran und machen die klassischen Antriebe effizienter. Und setzen uns auch in der Produktion ambitionierte Ziele: Bis 2025 werden wir die Umweltlasten im gesamten Volkswagen Konzern um 45 Prozent gegenüber 2010 reduzieren", kündigte VW-Chef Matthias Müller an.

„Für den Fall einer zukünftig wirtschaftlichen Erzeugung von synthetischem Erdgas, etwa durch die Nutzung von Power-to-Gas-Anlagen, könnten wir sogar eine vollständige CO2-Neutralität erreichen", ergänzte Michael Heinemann, Sprecher der Geschäftsführung der VW Kraftwerk GmbH. Auch der Wasserverbrauch, das Abfallaufkommen und die übrigen Emissionen sollen durchschnittlich um ca. 50 Prozent reduziert werden.

Was bedeutet das?

Es stimmt schon, viel zu viel wird über die lokalen Emissionen der Fahrzeuge gesprochen, viel zu wenig über den CO2-Rucksack, den sie schon durch ihre Produktion mitschleppen, erst recht, wenn hier extrem schmutzige Kohle höchst ineffizient verstromt wird. Es wird Zeit, auch diesen Aspekt stärker in die Gesamtbilanzierung mit aufzunehmen. Und der Kohleausstieg des VW-Konzerns am Standort Wolfsburg wirft darauf zumindest ein Schlaglicht. Er könnte zudem beispielgebend sein, auch für die in Sachen Kohleausstieg ewig zaudernde Bundesregierung. Der Schritt weist darüber hinaus auf den engen Zusammenhang zwischen Energiewende und Verkehrswende hin. Beides gehört zwingend zusammen. Im Idealfall stünde am Ende eine CO2-neutrale Produktion eines Autos - und ein CO2-neutraler Betrieb. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Doch der wird immer klarer.

 

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