EnBW will mit eigenständiger E-Mobilitäts-Tochter schneller wachsen

Mit einem eigenen Unternehmen hofft der Anbieter in einem dynamischen Marktumfeld sein Ausbautempo hoch halten und noch flexibler agieren zu können. Die Führungsspitze bleibt unverändert. Bis 2025 soll ein Schnellladenetz vergleichbar mit Tankstellenbetreibern entstehen. 

Schneller schnellladen: EnBW bleibt weiter am Drücker und will das Ausbautempo mittels eigenständiger Tochter weiter hoch halten. | Foto: EnBW
Schneller schnellladen: EnBW bleibt weiter am Drücker und will das Ausbautempo mittels eigenständiger Tochter weiter hoch halten. | Foto: EnBW
Johannes Reichel

Der baden-württembergische Energiekonzern EnBW hat die Ausgründung des Geschäftsbereichs Elektromobilität angekündigt und will die operativen und strategischen Aktivitäten in einer eigenständigen Gesellschaft, der EnBW mobility+ AG & Co. KG bündeln. „In dieser Aufstellung werden wir noch schneller und flexibler und können uns noch konsequenter an den Bedürfnissen von Partner*innen und Kund*innen orientieren – beste Voraussetzungen für das ambitionierte Wachstum, das wir anstreben“, glaubt Timo Sillober, Chief Sales & Operations Officer der EnBW. In den kommenden Jahren plant das Unternehmen, jährlich bis zu 100 Millionen Euro in den Ausbau der Elektromobilität zu investieren. Die Gesellschaft werde als hundertprozentige Tochter der EnBW ihre operativen Tätigkeiten zum 1. Januar 2021 aufnehmen und versammelt sowohl die Aktivitäten für die Ladeinfrastruktur (CPO) als auch die Elektromobilitätsangebote (EMP). Sie werde zudem vom bisherigen Führungsteam des Bereichs Elektromobilität geleitet: Cathrin Lind (Vice President Operations), Rolf Kniprath (Vice President Technology & Planning), Volker Rimpler (Vice President Construction & Rollout), Lars Walch (Vice President Strategy & Sales) und Nils Straube (Vice President EMP & Digital Solutions).

Man habe frühzeitig die Chancen erkannt, die sich aus der aktiven Gestaltung der Energiewende ergeben würde, etwa die nachhaltige Mobilität, die man als wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz sieht. Bei der Elektromobilität setzt der Anbieter zwei strategische Schwerpunkte: digitale Lösungen für ein einfaches Ladeerlebnis sowie der Ausbau der Schnellladeinfrastruktur sowohl in Deutschland als auch international. Aktuell betreibt das Unternehmen das größte Schnellladenetz in Deutschland und Österreich.

Mehr Flexibilität und Schlagkraft in dynamischen Umfeld

Eine eigenständige Gesellschaft ermögliche dem Unternehmen ein flexibles und agiles Vorgehen im hoch dynamischen Elektromobilitätsmarkt, argumentiert der Anbieter. Die neue Gesellschaft sei "optimal aufgestellt, um ihre führende Position als Ladeinfrastrukturbetreiberin und Elektromobilitätsanbieterin weiter auszubauen". Im nächsten Jahr soll die Anzahl ihrer Schnellladestandorte deutschlandweit mehr als verdoppelt werden, auf 1.000. Davon befinden sich aktuell 200 Standorte bereits im Bau. Damit kommt man auf rund 3.000 Schnellladepunkte. Täglich geht ein neuer Schnellladestandort mit durchschnittlich drei bis vier Schnellladepunkten in Betrieb, in den letzten drei Monaten wurden deutschlandweit fünf große Ladeparks eröffnet, etwa auch der Vorzeige-Ladepark in Rutesheim sowie Ladeparks an der Raststätte Werratal oder in der Stuttgarter Innenstadt. Dabei arbeite man eng mit Partnern aus dem Handel, dem Tankstellen- und dem Raststättenbetrieb sowie aus anderen Branchen zusammen.

Dieses Tempo will das Unternehmen mit der neu gegründeten Tochter beibehalten und das eigene Schnellladenetz bis 2025 auf eine Größe ausbauen, die mit jener großer Tankstellenbetreiber vergleichbar ist, so die Intention. Die neue Gesellschaft werde zudem die sukzessive Internationalisierung im Bereich Elektromobilität vorantreiben. Bereits im August 2020 hat die EnBW drei weitere Länder an das Angebot angebunden. Seitdem laden E-Autofahrer*innen nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sondern auch in Frankreich, Italien und den Niederlanden flächendeckend an insgesamt mehr als 100.000 Ladepunkten zum überall gleichen Preis – auch an zahlreichen Ladepunkten anderer Betreiber.

Im Bereich Schnellladeinfrastrukturausbau ist mit dem Gemeinschaftsunternehmen SMATRICS EnBW in diesem Jahr die erste länderübergreifende Kooperation gestartet. Das Joint Venture betreibt unter der Konsortialführung der EnBW das größte Schnellladenetz Österreichs und wird sich dort mit Nachdruck für dessen weiteren Ausbau engagieren.

„Für bestehende und zukünftige Partner und potenzielle Investoren aus dem In- und Ausland bedeutet die Gründung der neuen Gesellschaft ein hohes Maß an Verlässlichkeit und Zukunftssicherheit“, erklärt Timo Sillober.

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