EnBW: Fünfter Standort setzt auch Bayern besser unter Strom

Energieversorger bleibt auch im mit Schnellladern nicht unbedingt reich gesegneten Bayern am Drücker und startet in den Neubau bei Dorfen, strategisch günstig an der A94. Und wirbt generell für die HPC-Technik, die viele AC-Ladepunkte ersparen könnte. So würden 130.000 HPC-Lader genügen, die 2,5 Mio. AC-Punkte ersetzen.

Drei mal vier: Wie in Bad Kissingen soll auch bald bei Dorfen an der A94 ein Schnellladepark von EnBW stehen, der noch im Sommer in Betrieb gehen soll. | Foto: EnBW
Drei mal vier: Wie in Bad Kissingen soll auch bald bei Dorfen an der A94 ein Schnellladepark von EnBW stehen, der noch im Sommer in Betrieb gehen soll. | Foto: EnBW
Redaktion (allg.)

Nach Unterhaching, Erlangen, Erkheim und Wörth an der Donau hat der baden-württembergische Energieversorger EnBW in Bayern den Bau eines fünften Standorts bei Dorfen im Landkreis Erding angekündigt. Wie auch die Standorte zuvor, soll der neue Ladepark an den Fernverkehr angebunden werden – die A94 nach München und die B15 zwischen Regensburg und Rosenheim liegen beide nahe Dorfen. Der Betriebsstart wurde für den Sommer 2022 avisiert. Der Standort in Dorfen soll zwölf High-Power-Charging-Ladepunkte mit jeweils 300 Kilowatt Leistung bieten, womit E-Autos in 20 Minuten bis zu 400 Kilometer Reichweite laden könnten. So würde man den Autofahrern ermöglichen nach Österreich, Schweiz oder Italien ohne weitere Ladestopps zu fahren, wirbt der Ladenetzbetreiber.

„Ein Ladestopp in Dorfen eignet sich optimal für Fahrer, die eine Pause auf einer längeren Strecke einlegen möchten. Unabhängig ob für einen Ausflug innerhalb Bayerns oder in ein Nachbarland. Mit unseren großen Schnellladeparks verdichten wir die Ladeinfrastruktur für Fernfahrten im ganzen Freistaat und deutschlandweit“, erklärt Timo Sillober, der als CSO (Chief Sales and Operations Officer) im Bereich Elektromobilität bei der EnBW tätig ist.

Einen Bäcker, Baumarkt und ein paar Restaurants finden sich in näherer Umgebung des Ladeparks. Wie üblich und auch hier effizient: Der Großstandort ist teilweise mit einer Solaranlage überdacht, die wiederum Energie zum Betrieb des Ladeparks einspeist. Laut dem Ökostrom-Anbieter spiele die Schnellladetechnologie, welche das Unternehmen in den Ladeparks und über 700 Standorten in Deutschland verbaut hat, eine Schlüsselrolle in der Mobilitätswende.

„Ladepunkte und E-Autos machen große technische Fortschritte bei der Ladetechnologie. An hochmodernen Schnellladepunkten laden E-Autos deutlich schneller als an früher geläufigen AC-Ladepunkten – so können pro Schnellladepunkt mehr E-Autos laden“, wirbt Sillober.

Der CSO prognostiziert, dass sich damit auch der Gesamtbedarf an Ladepunkten verschieben würde. So schätzt man 2030 den Bedarf in ganz Deutschland auf 130.000 bis 150.000 Schnellladepunkte im öffentlichen Raum. Bei einer Leistung von etwa 200 Kilowatt pro Schnellladepunkt könnten diese ca. 2,5 bis 3 Millionen langsame AC-Ladepunkte ersetzen und damit massiv den Ressourcen- und Flächenbedarf reduzieren, wirbt Sillober generell für die HPC-Technologie. Can Schneider

Was bedeutet das?

Ein Ausbau an Ladepunkten für den Fernverkehr ist eine absolute Notwendigkeit für die Mobilitätswende. Von der grün geführten Landesregierung flankiert, bewegt sich EnBW mit großen Schritten Richtung Nachhaltigkeit und ragt mit seinem Engagement aber auch auffällig heraus in der Energiebranche. Gerade im Söder-Land Bayern streitet man sich lieber weiter in typisch bornierter und zukunftsvergessener Folklore über die "Verspargelung der Landschaft" durch Windräder, statt endlich dem Ernst der Lage entsprechend Starkstrom zu geben bei Energie- und Verkehrswende. Ohne EnBW (und die Münchner IONITY) sähe es auch im HPC-Netz im Freistaat ziemlich mau aus, der hiesige Stromversorger und einstige Monopolist E.ON zeigt deutlich weniger Ambitionen beim Ausbau der Ladeinfrastruktur, lokale Betreiber wie die Stadtwerke München kommen nicht recht voran und patzen vor allem beim urbanen DC-Laden. Kein Vergleich zu den Baden-Württemberger HPC-Profis jedenfalls.

Trotz der höheren Kosten für den Bau, könnte sich die HPC-Ladetechnik rentieren, weil sie mittel- und langfristig deutlich weniger Ladepunkte für hohe Stromdurchflüsse benötigt. Hier stehen allerdings verschiedene Philosophien gegenüber. Auch ein "mildes" DC-Laden mit 50 oder 75 kW entwickelt sich, zumindest innerstädtisch, immer mehr zum Trend, dem eine zunehmende Zahl von Herstellern Rechnung trägt. Schnell genug, etwa für den Stop beim Shop oder in Tiefgaragen - und nicht zu teuer und netzseitig aufwändig. Doch an der Fernstrecke, ganz klar, sollte es natürlich so schnell gehen, wie möglich.  

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