EnBW: Erster urbaner Schnellladepark in Karlsruhe eröffnet

Im Rahmen des Schnelllade-Projekts USP-BW geht ein weiterer HPC-Standort des ambitionierten Energiekonzerns an den Start. Der will damit DC-Laden mit bis zu 300 kW gerade auch im urbanen Umfeld etablieren.

Urban und ultraschnell: EnBW setzt nicht nur auf HPC-Lader an Fernstraßen, sondern auch in städtischen Arealen, wie am Einkaufszentrum Durlach. | Foto: EnBW
Urban und ultraschnell: EnBW setzt nicht nur auf HPC-Lader an Fernstraßen, sondern auch in städtischen Arealen, wie am Einkaufszentrum Durlach. | Foto: EnBW
Johannes Reichel

Im Beisein von Unternehmens-Vorstandschef Frank Mastiaux und Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup hat der Energiekonzern EnBW am Einkaufszentrum Durlach Center den ersten Schnellladepark der Stadt eröffnet. Die Zeremonie fand pandemiebedingt virtuell statt. Ursprünglich ging der Park bereits Ende des vergangenen Jahres in Betrieb. Er bildet einen Teil des vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg geförderten Projekts „Urbane Schnellladeparks Baden-Württemberg“ (USP-BW).

Ziel sei die zügige Weiterentwicklung der Infrastruktur in städtischen Ballungszentren, erklärt der Anbieter, der sich unter der grünen Regierung im Bundesland stark der Energie- und Verkehrswende verschrieben hat. Diese sei aber anders als etwa die Windkraft noch weit von einer präzise planbaren Amortisation entfernt und daher auf die Anschubförderung von Land und Bund angewiesen. Die "gedankliche Markthochlaufkurve" erstrecke sich hier eher über anderthalb Jahrzehnte, bis sich die teure HPC-Infrastruktur durch den Betrieb rechne, prognostiziert Mastiaux. Der Ladepark in Durchlach kostet zehn Millionen Euro an Investitionen, von denen drei Millionen Euro gefördert werden, wie das Unternehmen mitteilte.

EnBW fokussiert sich auf die HPC-Infrastruktur - in Stadt und Land

Mit der fortschreitenden Entwicklung der Ladetechnik sowohl bei der Infrastruktur wie auf der Fahrzeugseite sehe man ein Stückweit einen Wechsel der Vorzeichen in Sachen Schnellladen, kommentierte Frank Mastiaux bei einem Pressegespräch auf VM-Nachfrage. Dies sei nun auch innerstädtisch machbar und auch deshalb plausibel, weil im öffentlichen Raum eine zeitliche Limitierung auf den raren Stellflächen herrsche. Mastiaux glaubt generell an eine Koexistenz beider Ladeformen, erachtet AC-Laden aber in Privatanwendungen, Parkanlagen von Unternehmen oder Parkhäusern mit längerer Parkdauer für sinnvoller. Als EnBW fokussiere man sich strategisch nach den Anfängen im AC-Bereich, die ins Jahr 2010 zurückgehen, jetzt auf die HPC-Ladeinfrastruktur. Dies passe besser in die Gesamtausrichtung des Energiekonzerns, so der Vorstandsvorsitzende.

Positives Kundenerlebnis beim Laden essentiell

Der Ausbau von Schnellladeparks habe für das Unternehmen damit strategische Bedeutung, betonte EnBW-Chef Frank Mastiaux weiter. Gerade im urbanen Raum entstehe so die Möglichkeit, während kurzer Stopps und Besorgungen zu laden oder wenn man zu Hause über keine Möglichkeit verfüge. Er unterstrich zudem, dass die Ladeinfrastruktur auch ein "Kundenerlebnis" bieten müsse, neben einer leichten Buchung per App eben auch ein entsprechend attraktives Umfeld, das ohne Umwege, sondern auf den täglichen Wegen erreicht werden könne.

"Das sind wichtige Bausteine, um die Elektromobilität in den Alltag der Menschen zu integrieren und ihr damit zum Durchbruch zu verhelfen", argumentiert Mastiaux.

Der neue Park befindet sich direkt am Einkaufscenter in der Durlacher Allee 111 und ermöglicht ultraschnelles Laden mit einer Leistung von bis zu 300 Kilowatt an insgesamt zwölf High Power Charging (HPC) Ladepunkten. Je nach Fahrzeug könnten E-Autofahrer*innen so in nur fünf Minuten Strom für 100 Kilometer Reichweite laden – ausschließlich Ökostrom wie an allen EnBW-Ladepunkten in Deutschland.

„Mit urbanen Schnelladeparks wird die Alltagstauglichkeit der Elektromobilität weiter gesichert und verlässliche Ladestandorte für ein schnelles Nachladen auch für Nutzende ohne private Lademöglichkeit geschaffen“, glaubt Verkehrsminister Winfried Hermann.

 

Mit dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Karlsruhe habe man dafür die richtigen Partner an der Seite, lobte der EnBW-Chef weiter. Oberbürgermeister Frank Mentrup betonte, auch wenn der Beitrag einer Kommune zum weltweiten Einbremsen des Klimawandels marginal sei, so sei es doch alternativlos. Jeder Akteur müsse seinen Beitrag leisten, das sei ein moralisch-ethisches Gebot, auch gegenüber nachfolgenden Generationen. Die Politik müsse bei diesem Thema ihre Führungsrolle entschlossen wahrnehmen und dürfe die Regelungen für den erfolgreichen Hochlauf nicht zu komplex in der Umsetzung machen.

"Der neue Park unterstreicht unser Ziel, als Stadt voranzugehen und die Mobilitätswende aktiv zu gestalten", erklärte der Oberbürgermeister.

Im Rahmen des Projekts USP-BW errichtet die EnBW insgesamt 16 urbane Schnellladeparks in den 15 größten Städten Baden-Württembergs. Zwei Standorte in Stuttgart sind bereits in Betrieb, weitere sollen in diesem Jahr folgen. Das Energieunternehmen betreibt mit mehr als 450 Standorten bundesweit das größte Schnellladenetz für Elektromobilität.

Bis 2025 ein Ladenetz wie heute ein Tankstellenbetreiber

Noch in diesem Jahr wollen die Württemberger diese Zahl auf 1.000 Schnellladestandorte mehr als verdoppeln, wofür man bis 2025 rund 100 Mio. Euro jährlich in den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur investiert. Dann soll laut Unternehmenschef Mastiaux ein Ladenetz entstanden sein, das dem eines heutigen Tankstellenkonzerns entspreche. Dies erschließe mit den Ladepunkten an den Fernstraßen im Übrigen indirekt durchaus auch den ländlichen Raum für die E-Mobilität. Die geplanten Städte für Standorte des Projekts USP-BW sind Esslingen, Reutlingen, Freiburg, Konstanz, Sindelfingen, Friedrichshafen, Ludwigsburg, Stuttgart, Heidelberg, Mannheim, Tübingen, Heilbronn, Pforzheim und Ulm. 

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