eMove360°: Ionity sieht sich auf gutem Weg zum Schnellladenetz

Mega-Projekt zur DC-Ladeinfrastruktur für elektrische Langstreckenmobilität schreitet voran. Auftritt auf der Messe unterstreicht die Ambitionen.

Leuchtturm-Projekt: Ionity erweitert sukzessive sein Ladesäulennetz an den europäischen Fernstraßen. | Foto: J. Reichel
Leuchtturm-Projekt: Ionity erweitert sukzessive sein Ladesäulennetz an den europäischen Fernstraßen. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Mit einem Auftritt auf der Messe hat der aus einem Zusammenschluss der Autohersteller Daimler, BMW, Volkswagen und Ford entstandene Anbieter für Infrastruktur Ionity seinen Anspruch zur Errichtung eines europäischen Schnellladenetzes untermauert. Das vor knapp einem Jahr gegründete Joint Venture hat mittlerweile Standorte mit jeweils sechs 350-kW-DC-Ladesäulen in Deutschland, Dänemark, der Schweiz und Frankreich in Betrieb genommen. Bis 2020 will man das Netz auf 400 Stationen in 23 Ländern Europas ausdehnen, die etwa im 120-Kilometer-Abstand entlang der wichtigsten Fernstraßen platziert sein sollen. "Wir sind auf einem guten Weg und liegen im Plan mit dem Ausbau, erst recht, wenn man bedenkt, dass wir erst 2017 gestartet sind", wie Ionity-CEO Michael Hajesch im Gespräch mit VISION mobility erklärt. Dafür entscheidend sei, dass man mittlerweile äußerst fachkompetente und bestens motivierte Mitarbeiter für das Unternehmen gewinnen konnte, in einer am Firmenstandort München enorm angespannten Arbeitsmarktsituation, wie Hajesch hervorhebt.

"Für uns essentiell ist es, in unmittelbarer Nähe zu den Autobahnen positioniert zu sein. Große Umwege verschlechtern einerseits die Effizienz, zum anderen brauchen wir eine gewisse Infrastruktur vor Ort, damit die Ladepausen auch angenehm verbracht werden können", berichtet der Manager aus der Projektpraxis. Die Schwierigkeit bestehe in den großen lokalen Unterschieden, vor allem in rechtlicher Hinsicht. In Deutschland helfen etwa Rahmenverträge mit Tank&Rast, Shell oder OMV, in anderen Ländern müsse teils einzeln mit den Eigentümern über die Flächen verhandelt werden. Dazu kämen bautechnische und topographische Spezialitäten. "In der Schweiz haben wir oft Granitboden, den wir ganz anders bearbeiten müssen als Sandboden in Dänemark", erläutert Hajesch. Man habe aber mittlerweile ein festes Prozedere entwickelt und könne die Erfahrungen der ersten Installationen nutzen. Außerdem differiere die netzseitige Infrastruktur von Standort zu Standort, sodass man auch flexibel umplanen können müsse, falls der Aufwand einer Anbindung zu groß sei.

Alle Stationen werden mit Ökostrom betrieben

Dass die sich rasch entwickelnde Ladetechnik das Projekt noch im Bau überholen könnte, befürchtet der CEO nicht. "Wir sind mit der 350-kW-Schnellladetechnologie dem aktuellen Stand weit voraus und denken, mit unserem Portfolio mindestens die nächste Dekade bestreiten zu können", erklärte Hajesch. Mehr sei sicher denkbar, aber noch völlig vage. Eher erwäge man bei entsprechend den Erwartungen steigender Nachfrage nach E-Lademöglichkeiten eine Erweiterung der bestehenden Anlagen. Das sei aber noch Zukunftsmusik und man müsse nun erst einmal sehen, dass man die bis 2020 errichteten Stationen ausgelastet bekomme. Großen Wert legt Hajesch darauf, dass sämtliche Ionity-Ladestationen mit Öko-Strom aus regenerativen Quellen versorgt werden. "Wir sehen uns als Enabler nachhaltiger Langstreckenmobilität. Ohne Grünstrom wäre das Projekt Augenwischerei und wir verlagern nur die Emissionen ins Kraftwerk", urteilt er. Aus seiner Sicht führt schon wegen der Klimaproblematik kein Weg an der Elektromobilität vorbei, die sich emissionsarm gestalten lasse und konventionellen Antrieben an Effizienz weit überlegen sei. 

Im September hatte der Anbieter nach einer kostenlosen Startphase auf eine europaweite Flatrate von acht Euro pro Ladevorgang umgestellt. Das solle dem Nutzer Planungssicherheit und Transparenz geben. Mit einem speziellen Design der Ladesäulen, die ein LED-Lichtkranz toppt, will man zudem auch den Komfort für den Nutzer erhöhen, indem man etwa den Ladezustand per Lichtsignal verdeutlicht. Die Ladesäulen bezieht der Anbieter vom schweizer ABB-Konzern sowie dem australischen Spezialisten Tritium. Neben der DC-Schnellladung sind die Säulen auch "rückwärtskompatibel" und für Standard-Elektro-Fahrzeuge nutzbar, wie Hajesch betont. „Das vielleicht größte Hindernis für die breite Akzeptanz von Elektrofahrzeugen ist das Fehlen einer zuverlässigen, benutzerfreundlichen und leistungsstarken Ladeinfrastruktur außerhalb der Städte", meint er. Man sei dabei, dieses aus dem Weg zu räumen.

 

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