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eMove360°: intech rüstet alte Dieselbusse auf Elektroantrieb um

Gemeinsam mit ZF realisiert der Automotivespezialist das Umrüstkit e-trofit, mit dem sich ältere Busse für die Hälfte an Kosten elektrifizieren lassen. Zudem zählt der Upcycling-Gedanke.

Aus alt mach neu: Für die Stadtwerke Landshut hat intech einen 15 Jahre alten Citaro-Bus auf den neuesten Antriebsstand gebracht - und fit gemacht für ein zweites Fahrzeugleben. | Foto: J. Reichel
Aus alt mach neu: Für die Stadtwerke Landshut hat intech einen 15 Jahre alten Citaro-Bus auf den neuesten Antriebsstand gebracht - und fit gemacht für ein zweites Fahrzeugleben. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Es ist eine Zusammenarbeit, die schnell Entlastung für emissionsgeplagte Städte bringen könnte: Der Garchinger Digitalisierungs-, Softwarespezialist und Autmobilzulieferer intech und ZF Aftermarket starten eine strategische Kooperation, um die Treibhausgas-Emissionen zu verringern. Im Zentrum der Partnerschaft, bei der ein gemischtes Team der beiden ungleichen Unternehmen zusammenarbeitete, steht die Umrüstung der konventionell angetriebenen Busse des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) auf umweltfreundlichen Elektroantrieb mit einem Umrüstkit namens e-trofit. ZF Aftermarket steuert hierfür als Systemlieferant die erforderlichen Fahrzeugkomponenten bei und bietet gleichzeitig den Zugriff auf das weltweite Werkstatt- und Servicenetz. Die Umrüstung mit einer elektrisch angetriebenen Achse von ZF sowie einem etwa 1.000 Kilo schweren Lithium-Ionen-Akku des ebenfalls in Garching b. München ansässigen Spezialisten Invenox mit 320 kWh Kapazität selbst soll maximal vier Wochen beanspruchen.

Dachspeicher: Raffinierte Akkus mit hoher Energiedichte und Lebensdauer

Die Energiespeicher werden dabei im Dachbereich untergebracht. Ihre Zellen sind verklemmt, nicht verschweißt, was die Wartung vereinfachen soll und zudem die Fertigung günstiger gestaltet. Weitere Innovationen der Garchinger Akkus mit der sogenannten Conchifera-Technologie: Eine Polkontaktkühlung für längere Lebensdauer, eine integrale Bauweise für hohe Energiedichte und die Option, Standardbatterienzellen vom Typ 18650 verwenden zu können. Die Reichweite der Umrüstbusse soll damit im "worst case" beim 200 Kilometer liegen, wie In-Tech-Sprecherin Christine Oertel am Stand auf der Messe betont. "Wir gehen also von Hochsommer- oder Winterbetrieb aus, wenn Klimaanlage oder Heizung auf Hochtouren laufen", skizziert die Sprecherin weiter. Darüber hinaus sei die Akkukapaziät aber je nach individuellen Anforderungen anpassbar in Schritten zu 40 kWh. Man könne damit auch individuelle Kleinserien realisieren, was bei großen Herstellern nicht möglich sei. Durch den Wegfall des Motors im Heck entsteht zudem Platz für die Nebenaggregate und Steuerelektronik. "Selbstverständlich berücksichtigt der Umbau auch die veränderten Achslasten durch Akku und Aggregate", versichert Oertel.

Pilotfahrzeug Stadtwerke Landshut: Längste Linie als Maß

Bei dem Pilotprojekt mit den Landshuter Stadtwerken, für die ein 15 Jahre alter Mercedes-Benz Citaro-Bus umgerüstet wurde, hat man den Linienbetrieb in der Praxis analysiert und die längste Linie als Maßstab für die Konfiguration genommen. "Überhaupt können wir das Umrüstkit auf die speziellen Bedürfnisse anpassen, die in jeder Stadt anders sind", wirbt Oertel weiter für das Konzept. Auch die Möglichkeit von Zwischenladungen könne bei der Bemessung der Akkugröße berücksichtigt werden. In Landshut basiert die Konfiguration auf Übernachtladung des Fahrzeugs im Depot, sodass eine Tagesschicht sichergestellt werden muss. Integriert in das System ist auch ein Telematikmodul, mit dem der Betriebszustand der Komponenten überwacht werden kann. "Außerdem haben wir damit natürlich die Option eines Bord-WLAN als Komfortfeature für die Fahrgäste", ergänzt Oertel.

Kostenfaktor: Mit Upcycling die Hälfte eines neuen E-Busses

Für die aufwändige Umrüstung veranschlagt der Anbieter Kosten von etwa 350.000 Euro. "Das ist in etwa die Hälfte eines neuwertigen Elektrobusses. Auf zehn Jahre rechnet der Anbieter aber eine Spritersparnis von 100.000 Euro gegen und verweist zudem auf die deutlich niedrigeren Wartungs- und Servicekosten. Ergänzend zu den geringeren Emissionen an CO2 sowie dem  Wegfall von Feinstaub und Stickoxid führt der Hersteller auch noch den Aspekt des "Upcycling" ins Feld. "Wir schonen natürlich auch dadurch die Ressourcen, dass wir ältere Busse wieder aufbereiten", erklärt Oertel. Das reiche von der Überarbeitung von Fahrwerk und Bremsen über Schönheitsreparaturen bis hin zu einer kompletten Neuausstattung des Interieurs.

Nicht erst übermorgen: Ab 2019 lieferfähig

Für Helmut Ernst, den Leiter der Division Aftermarket, kommt e-troFit genau zum richtigen Zeitpunkt: „Die Märkte werden erst im Jahr 2025 so weit sein, die benötigten Kapazitäten an elektrisch betriebenen Fahrzeugen in Serie bereitzustellen. Um die geforderten Klimaschutzziele dennoch zu erreichen, stellt die Umrüstung konventioneller Nutzfahrzeuge auf elektrische Antriebe bis dahin eine hervorragende Möglichkeit dar“, urteilt der ZF-Experte. Auch bei in-tech verzeichnet man großes Interesse von Seiten von Kommunen und Stadtwerken, aber auch Flughäfen hätten Interesse signalisiert. Außerdem kam die Anfrage einer österreichischen Spedition zur Umrüstung eines Mercedes-Benz Actros auf den Umrüstelektroantrieb. Das Projekt wird derzeit umgesetzt. Das Elektro-Kit soll Mitte 2019 in Serie gehen.

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