elvah stellt Tarife um: Energiekonto - Laden wie beim Prepaid-Handy

Anbieter strukturiert sein System um und will mit übertragbaren Prepaid-Tarifen den Einstieg in die E-Mobilität erleichtern. Der Clou: Nicht genutzte Menge fließt auf ein Energiekonto. VM sprach mit CO-Gründer und CPO Sören Ziems.

Quantität ist nicht gleich Qualität: elvah will mit App-Features wie dem "Score" eine Orientierung im Ladedschungel bieten - jetzt auch mit neuen Tarifen. | Foto: elvah
Quantität ist nicht gleich Qualität: elvah will mit App-Features wie dem "Score" eine Orientierung im Ladedschungel bieten - jetzt auch mit neuen Tarifen. | Foto: elvah
Johannes Reichel

Das Lade-Startup elvah aus Rheinland-Pfalz und Berlin hat die Umstellung und Erweiterung seines Tarifsystems bekanntgegeben. Das erst im April 2021 gegründete Jungunternehmen, das rasch in über 30 Länder und auf 200.000 angebundene Ladepunkte expandierte, will parallel zu den alten Tarifen ein neues Modell nach dem Vorbild der Prepaid-Smartphones anbieten. Dabei bezahlen die E-Mobilist*innen und App-Nutzer eine feste Summe in drei Tarifstufen zu 5, 50 und 100 Euro pro Monat und erhalten dafür 10, 90 und 180 kWh an Strommenge. Wird das Budget nicht genutzt, fließt das überzählige Ladevolumen auf ein sogenanntes Energiekonto und bleibt dem Nutzer damit erhalten, anders als bei festen Smartphone-Tarifen.

Für Anfänger und Heimlader: Start mit 10-kWh-Basis-Paket

Benötigt der Nutzer mehr Fahrstrom, gelten die Basispreise des Anbieters. Hier muss man allerdings mit dem allgemeinen Trend steigender Strompreise auf 54 ct pro kWh im AC sowie 69 ct pro kWh im DC erhöhen. Dennoch soll das Angebot, das bisher mit den Tarifmodellen "Flat" ab 89 bis 199 Euro/mtl. nach Fahrzeugklasse sowie Flex mit Ladepaketen zu 25 kWh à 8,99 Euro (ab 4. Paket 13,99 Euro) als eines der günstigsten am Markt galt, weiterhin eine preiswerte Möglichkeit für E-Mobilist*innen sein. Zudem gilt für alle in der App angebundenen Ladestationen das "Preisversprechen": Wenn der Start dort nicht über die App funktioniert, zahlt man nur den Basispreis. Sollte mehr anfallen, kann man die Rechnung einreichen und erhält die Differenz auf das Energiekonto in Form von kWh gutgeschrieben. Zum Start ist nur das Basispaket "S" mit 10 kWh/mtl. verfügbar.

"Das klingt erst einmal nach wenig. Aber wenn man überlegt, dass viele E-Auto-Nutzer*innen sehr ungleichmäßigen Bedarf haben und die Strommenge transferieren können, mag das manchen E-Auto-Neuling durchaus genügen. Zudem kann das auch für Heim- oder Arbeitsplatz-Lader ausreichen", erklärt Co-Gründer und CPO Sören Ziems gegenüber VISION mobility.

 

Weitere Tarifstufen in Vorbereitung

Zudem seien die weiteren Stufen "M" und "L" in Vorbereitung, die auch regelmäßigen Strombedarf abdecken sollen. Darüber hinaus ist ein monatlicher Wechsel des Tarifs möglich. Neben der "Mitnahme" der Strommenge und den standardmäßigen Ladeempfehlungen über den sogenannten elvah-Score kommen in den höheren Tarifen kostenlose Zusatzleistungen zum Tragen, die das Vertrauen in die E-Mobilität fördern sollen. So zählt bei "M" die Pannensoforthilfe zum Umfang und in "L" kommen weitere "Mobilitätsdienstleistungen" wie etwaiges Ersatzfahrzeug oder die Übernahme der Heim- oder Weiterreisekosten hinzu. Diese greift etwa auch bei einer leeren Batterie. Den Service realisiert man mit einem "großen" Versicherungsdienstleister, wie Ziems andeutet.

Bestandskunden können auch im alten System verbleiben

Wichtig ist dem Gründer, dass man Bestandskunden in ihren gewohnten Tarifen belässt, also ein zusätzliches Angebot schafft. Zum gewohnten Leistungsumfang der App gehört, dass man als Nutzer*in eine qualifizierte Einstufung der Ladepunktqualität erhält, zu der man seit kurzem auch selbst mittels dem Vernehmen nach häufig genutzter Kommentar-, Foto- und sogar Quizfunktion beitragen kann. Im Hintergrund fließen für den sogenannten "Score" auch die Daten der Analyse von 25 Millionen Datenpunkten ein, bei der eine künstliche Intelligenz etwa die Startzeit der Säule oder "unübliche Pattern" auswertet.

"Das kann etwa sein, wenn ein Ladepunkt 15 Mal in Folge nur für eine Minute aktiviert wurde", skizziert Ziems.

Nicht zuletzt dadurch wollen die Jungunternehmer eine hohe Zuverlässigkeit der angeschlossenen Ladeinfrastruktur erreichen.

"Säule ist nicht gleich Säule. Bei gleicher Hardware und sogar gleicher Software kann die Ladequalität an unterschiedlichen Standorten auch unterschiedlich gut oder schlecht sein", skizziert Ziems weiter.

In Sachen Ökostrom verweist er darauf, dass man zwar keinen direkten Einfluss auf den Charge Point Operator (CPO), also Betreiber der Säule habe, aber über den Score den Nutzer*innen doch Orientierung geben könne. Eine vieldiskutierte Blockiergebühr, wie sie etwa jüngst der baden-württembergische Energiekonzern EnBW in seinem Netz einführte, will elvah weiter nicht forcieren. Ziems verweist aber darauf, dass ein "Ladeplatz kein Parkplatz" sei. Im Sinne der Community solle jeder Ladeslot 30 Minuten nach Beendigung des Ladevorgangs geräumt werden insbesondere in der neuralgischen Zeit zwischen 7 und 21 Uhr, heißt es generell vom Unternehmen.

Tragende Säule für den E-Erfolg: Positives Ladeerlebnis

Aus Sicht des elvah-Gründers sei ein zuverlässiges, komfortables und nicht zu teures Ladeerlebnis der entscheidende Schlüssel zum Durchbruch der Elektromobilität, neben der Reichweite der E-Fahrzeuge selbst.

"Letzteres scheint sich aktuell ziemlich erledigt zu haben, die Reichweiten passen. Jetzt wollen wir dazu beitragen, dass auch die zweite Säule steht", erklärt Ziems.

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