Elektromobilität: TÜV-Verband fordert mehr Ehrgeiz

Zusätzliche Anstrengung bei der Förderung von Elektromobilität fordert der TÜV-Verband von der Bundesregierung.

Die Elektromobilität hat nach Meinung des TÜV-Verbandes immer noch Potenzial nach oben. | Foto: G. Soller
Die Elektromobilität hat nach Meinung des TÜV-Verbandes immer noch Potenzial nach oben. | Foto: G. Soller
Redaktion (allg.)
von Christine Harttmann

In einer Stellungnahme des Verbandes der Prüforganisationen heißt es, stärkere Anreize zur Anschaffung eines Elektrofahrzeugs seien nötig. Die Ladeinfrastruktur müsse massiv ausgebaut werden und zugleich die Bevölkerung über die bereits heute möglichen Reichweiten der Fahrzeuge aufgeklärt werden. Auch fordert der TÜV-Verband höhere Sicherheitsstandards, „um der Elektromobilität den entscheidenden Schub zu geben und die Klimaschutzziele zu erreichen“. In strombasierten Kraftstoffen (E-Fuels) sieht Jannis Dörhöfer, New Mobility Experte beim TÜV-Verband (VdTÜV), für den Pkw-Sektor dagegen nur sehr geringes Potenzial für Umweltverbesserungen:

„Die Elektromobilität sollte ab sofort an erster Stelle stehen, um möglichst schnell ein nachhaltiges, bedarfsgerechtes und bezahlbares Verkehrssystem aufzubauen. Der Individualverkehr muss CO2-neutral werden, wenn wir die Klimaschutzziele erreichen wollen.“

Parallel dazu müsse die Sicherheit der Elektromobilität weiter verbessert werden, um die Akzeptanz für die neue Technologie nicht zu gefährden. Aus Sicht des TÜV-Verbands müssen Prüforganisationen einen besseren Zugang zu sicherheitskritischen Fahrzeugdaten erhalten, die öffentliche Ladeinfrastruktur von unabhängigen Stellen regelmäßig geprüft und die elektromagnetische Verträglichkeit von E-Fahrzeugen stärker berücksichtigt werden. Für die technische Sicherheit von Wasserstofffahrzeugen seien eigenständige Rechtsvorschriften notwendig, um beispielsweise die Dichtheit des Systems analog zu Gasfahrzeugen prüfen zu können. Seine Empfehlungen an die Politik hat der TÜV-Verband in einem aktuellen Positionspapier zusammengefasst.

Die Bundesregierung strebt bis 2030 eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 an. Bis 2050 soll Deutschland weitgehend klimaneutral sein und den Ausstoß um 80 bis 95 Prozent reduzieren. So jedenfalls hat es die Bundesregierung im „Klimaschutzplan 2050“ festgelegt und 2019 im „Klimaschutzprogramm 2030“ konkretisiert. Um diese Ziele zu erreichen sind jedoch umfangreiche Maßnahmen in allen Sektoren nötig.

Wie der TÜV-Verband in seinem Positionspapier schreibt, ist der Handlungsbedarf insbesondere im Verkehrssektor hoch. Bis 2030 müssen die Emissionen um 40 bis 42 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. Die Reduktion der Emissionen im Straßenverkehr sei eine wesentliche Voraussetzung zur Erreichung der Klimaziele, zu denen sich Deutschland im Pariser Abkommen verpflichtet hat. Die derzeit beschlossenen Maßnahmen seien dafür nicht ausreichend, so der Verband. Nach dessen Einschätzung wird Deutschland stattdessen sein Ziel im Verkehrssektor um 56 Millionen Tonnen CO2 verfehlen. Deswegen seien intensivere Anstrengungen notwendig.

Was bedeutet das?

Der selbst auferlegte Druck zur Senkung der CO2-Werte ist hoch - der TÜV fordert hier weitere Schritte, um die Elektromobilität schnell und auf breiter Ebene einführen zu können - zusammen mit neuen, sicherheitsrelevanten Prüfungen, die ebenfalls angepasst werden müssen.

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