Elektromobilität: Europa überholt China

Laut einer Studie von PwC und ihrer Strategieberatungs-Tochtergesellschaft Strategy& haben die fünf größten Automobilmärkte Europas im ersten Quartal 2020 bei den Zulassungen von Elektrofahrzeugen China überholt.

Doch sexy? Im ersten Quartal wurden in Europa mehr rein elektrische Fahrzeuge verkauft als in China. | Foto: Tesla
Doch sexy? Im ersten Quartal wurden in Europa mehr rein elektrische Fahrzeuge verkauft als in China. | Foto: Tesla
Gregor Soller

Der Corona-Virius hat im ersten Quartal 2020 auch die Absatzzahlen von Elektroautos stark beeinflusst. Denn China hatte hier mit dem „Lock-down“ zu kämpfen, der die EU erst ab März voll erfasst hat. Deshalb wurden in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien zwischen Januar und März mit insgesamt 79.300 vollelektrischen Fahrzeugen mehr Stromer zugelassen als in China, wo laut der Studie im gleichen Zeitraum 77.256 Stromer verkauft wurden.Der Absatz in Europa hat sich in diesem Zeitraum im Vergleich zum ersten Quartal 2019 mehr als verdoppelt, während er in China in diesem Quartal aufgrund der Sperrung um mehr als die Hälfte zurückging.

Der Trend könnte sich im Jahresverlauf wieder umkehren, da in den meisten europäischen Ländern während des gesamten Frühjahrs voraussichtlich weiterhin Schutz- und Sperrmaßnahmen erforderlich sein werden und die Beschränkungen in China schrittweise aufgehoben werden. Die Förderungen von Elektroautos behält China jetzt bei. Felix Kuhnert, Automobilexperte bei PwC, erwartet, dass es in den nächsten Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen China und Europa geben könnte. Wichtig ist dabei neben dem politischen Willen, Elektromobilität durchzusetzen auch die Verbesserung der Ladeinfrastruktur und die Verfügbarkeit von bezahlbaren Elektrofahrzeugen. Wenn man Hybrid- und Plug-in-Hybridfahrzeuge in die Berechnung einbezieht, haben Fahrzeuge mit alternativen Energien bereits heute den höchsten Marktanteil in Europa, so die Studie.

Interessant auch: Viele Marktsegmente werden von einer Handvoll Modelle dominiert, die einen Großteil der Verkäufe ausmachen. In den USA wird die batterie-elektrische Kategorie vom Tesla Modell 3 dominiert, während bei den Plug-in-Hybriden der Prius Prime von Toyota führend ist. In Europa ist der Zoe von Renault bei weitem das meistverkaufte batteriebetriebene Fahrzeug, vor dem Peugeot 208 EV und dem Volkswagen e Golf, während der Mitsubishi Outlander PHEV das meistverkaufte Plug-in-Hybridfahrzeug war. Aber auch die Premiumhersteller holen hier auf. Laut Kuhnert könnte die staatliche Förderung elektrifizierter Fahrzeuge dafür sorgen, dass das Ziel, bis 2020 weltweit 11 Millionen elektrifizierte Personenwagen verkauft zu haben, erreichbar ist.

Auch die Corona-Krise hat die Studie mit in die Berechnungen mit einbezogen: So kann die Automobilbranche insgesamt in diesem Jahr durchaus um 10 bis 40 Prozent schrumpfen. Kuhnert hält es durchaus für möglich, dass es erneut „Abwrackprämien“ geben könne, die 20220 aber an ökologische Vorgaben geknüpft seien und elektrifizierte Antriebe klar bevorzugen. Das könnte auch Umweltfaktoren wie die Luftqualität verbessern und den Autoherstellern helfen, ihre CO2-Vorgaben zu erreichen, was wiederum die Verbraucher und Wähler davon überzeugen könnte, „dass solche Anreize nicht nur der Autoindustrie langfristig helfen, sondern auch sehr unmittelbare Vorteile für die Gesellschaft als Ganzes haben", sagte er.

Was bedeutet das?

Betrachtet man die Verkäufe der elektrifizierten und rein elektrischen Antriebe im ersten Quartal 2020, war Europa auf dem richtigen Weg und konnte wegen der Pandemie sogar China als Leitmarkt im EV-Segment überholen! Es bleibt allerdings abzuwarten, wie sich die Zahlen für den Rest des Jahres entwickeln.  

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