Elektrifizierung: Jaguar Land Rover investiert in Großbritannien

Auch Jaguar Land Rover treibt die Elektrifizierung der Palette mit Nachdruck voran – und baut die britischen Werke Castle Bromwich und Solihull entsprechend um.

Überraschung! 2009 verloste Jaguar den ersten neuen XJ, ab 2021 soll der Nachfolger kommen - rein elektrisch. | Foto: Jaguar Land Rover
Überraschung! 2009 verloste Jaguar den ersten neuen XJ, ab 2021 soll der Nachfolger kommen - rein elektrisch. | Foto: Jaguar Land Rover
Gregor Soller

Jaguar Land Rover befindet sich in rauen Gewässern: Die Nachfrage nach Verbrennern sinkt, der Brexit erschwert eine weitere Planung und der Corona-Virus wütet auch in Großbritannien. Trotzdem treiben die Briten laut dem Magazin Autocar den Umbau ihrer Palette mit Vehemenz voran: Zwar wurde der Retro-Stromer E-Type Zero, der E-Antriebe ab Werk in alte E-Type Karosserien gebracht hätte, wegen der Herausforderungen Ende 2019 auf Eis gelegt und der I-Pace hatte zwischenzeitlich Lieferprobleme wegen der Akkus. Trotzdem soll der über „einen normalen Lebenszyklus“, der bei Jaguar je nach Typ schon mal sieben bis zehn Jahre dauern kann auf seiner aktuellen Form vom Auftragsfertiger Magna Steyr in Graz weiter montiert. Über eine Nachfolge ist noch nicht entschieden.

Beschlossen ist auch schon der rein elektrische XJ-Nachfolger, der nach den aktuellen Verzögerungen weltweit nicht vor 2021 auf den Markt kommen dürfte. Er soll auch der Leuchtturm werden unter dem sich Jaguar Land Rover als einer der führenden Hersteller von elektrifizierten Autos positionieren möchte. Dafür würde der Standort Castle Bromwich zu einer Produktion speziell für E-Autos umgebaut werden. Dort und im Land-Rover-Werk Solihull sollen umgerechnet rund eine Milliarde Euro investiert werden, um eine neue Plattform zu produzieren. Die wird aktuell als „Modular Longitudinal Architecture (MLA)“ bezeichnet. Laut „Autocar“ schwenkt Jaguar Land Rover damit auf den Kurs von BMW und Daimler ein: Denn auch die „MLA“ lasse sowohl Batterie-, Plug-in-Hybrid- als klassische Verbrenner zu und das, wie der Name verrät wahrscheinlich immer längs eingebaut.

Womit wir bei der Kooperation mit BMW wären, die neben Verbrennern (und damit auch Plug-in-Hybriden) auch E-Antriebe umfassen soll. Basis der neuen Jaguar-Land-Rover-E-Motoren dürfte BMWs Elektroantrieb der fünften Generation sein, den JLR-Ingenieure in München für die Briten mitentwickeln respektive anpassen. Außerdem dürfte Jaguar die nächste (und vielleicht letzte) V8-Verbrenner-Generation aus München bekommen.

Laut „Autocar“ sollen neben dem Jaguar XJ zwei Crossover auf der neuen Plattform entstehen: Ein großes Jaguar-Luxus-SUV mit dem Codenamen „J-Pace“, das neben dem Range Rover oder mercedes-Benz GLS stehen dürfte. Außerdem brachten die Kollegen von Autocar einmal mehr den „Road Rover ins Spiel, eine für Land Rover eher flaches und wenig geländegängiges Modell, das man analog zum geplanten Porsche Taycan-Crossover Richtung Straße und Sport weiterentwickeln könnte – womit Land Rover über Umwege wieder an den Markenkern der einstigen Muttercompany „Rover“ anknüpfen würde, die 2005 als MG Rover Konkurs anmeldete.

Das autonome Fahren treibt man mit dem Project Vector, einem selbstfahrenden "Pod" weiter. Außerdem eröffnete man kürzlich das das NAIC, das "National Automotive Innovation Centre", in dem an der Zukunft des Automobils geforscht wird. Großbritannien versucht hier mit der Uni Warwick und den JLR-Fertigungsstätten um Birgmingham herum ein neues Automotive-Cluster in den Midlands zu etablieren.

Was bedeutet das?

Jaguar Land Rover schaltet in Sachen Elektrifizierung ebenfalls einen ganzen Gang hoch und entwickelt ebenfalls eine neue, multifunktionale Plattform, auf der diverse Antriebsarten verbaut werden können. Während Jaguars XJ nur noch als reiner Elektriker kommen könnte, könnten der J-Pace und der „Road Rover“ auch als PHEV oder reine Verbrenner vorfahren. Dafür sollen die britischen Werke trotz Brexit fit gemacht werden. Die Verbrennerfertigung aller übrigen Modelle könnte man sukzessive ins slovakische Nitra verlegen, wo heute Land Rover Defender und Discovery entstehen.

 

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