Einheitspreis und Ärzte-Gutschein: Sixt stemmt sich gegen die Krise

Mit Einheitspreisen, mehr Verfügbarkeit und Freifahrten für Klinikpersonal versucht der Vermieter, in der aktuellen Krise gegenzuhalten. Statt Flughafengeschäft gibt es vermehrte Stadtnachfrage. Zudem wirbt man für Mietwagen als sicherere Alternative zum ÖPNV und peilt trotz Rückgängen positive Zahlen an.

Schnell reagiert: Sixt versucht, in der aktuellen Krise zu unterstützen und Kurs zu halten. | Foto: Sixt
Schnell reagiert: Sixt versucht, in der aktuellen Krise zu unterstützen und Kurs zu halten. | Foto: Sixt
Johannes Reichel

Der Münchener Autovermieter Sixt spürt die Auswirkungen der Corona-Krise massiv und versucht, mit diversen Aktionen und Appellen dagegenzuhalten. Anstelle des stark rückläufigen Flughafengeschäfts nehme derzeit nach wie vor die städtische Nachfrage zu, wie der Vermieter mitteilte. Das betreffe sämtliche Mobilitätslösungen wie flexible Langzeitmiete, Abo-Modelle und Carsharing, die man als Alternative zu Massen-Verkehrsmitteln, sprich dem ÖPNV bewirbt. Daher werde die Carsharing-Flotte deutschlandweit langfristig um 1.000 Fahrzeuge aufgestockt, kündigten die Münchener an. Kurzfristig dagegen passt man den Bestand an die aktuell schwächere Nachfrage an und will damit die Kosten senken, sowohl bei Sach- wie bei Personalkosten. Dabei kämen dem Unternehmen die kurze Haltedauer von in der Regel sechs Monaten sowie feste Rückkaufvereinbarungen mit Herstellern und Händlern zupass, wie die Firma skizziert.

"Die Corona-Krise trifft die Reise- und Mobilitätsbranche und damit auch SIXT in einer Intensität, die noch vor wenigen Wochen nicht absehbar war. Deshalb haben wir mit Hochdruck ein Maßnahmenpaket erarbeitet, um unsere Investitionen und Kosten zügig und entschlossen an diese schwierige Situation anzupassen",, erklärte Erich Sixt, Vorstandsvorsitzender der Sixt SE.

Man habe dank hoher Eigenkapitalquote von etwa 25 Prozent und gesicherter, breiter Finanzierungsbasis eine sehr solide finanzielle Position, um den Auswirkungen der Krise zu trotzen, so Sixt weiter. Wichtig sei es aber auch, dass man den Kunden in dieser besonderen Situation Lösungen anbiete, um ihren Mobilitätsbedarf abzudecken. Sixt glaubt: "In Zeiten von Corona schätzen viele Kunden die Möglichkeit individueller Mobilität. Darauf reagieren wir mit der deutlichen Ausweitung von Langzeitmieten und Auto-Abo-Modellen".

Gutscheine für Ärzte und Pflegepersonal

Eine besondere Aktion startet man zudem für Ärzte und Pflegepersonal. Diese Berufsgruppen sollen bis zum 15. April 2020 in Berlin, Hamburg und München kostenlosen Zugang zu seinen Carsharing-Fahrzeugen mit Gutscheinen im Wert von 100 Euro pro Person erhalten. Dies entspreche bei einer durchschnittlichen Fahrtdauer von ca. 25 Minuten dem Arbeitsweg für zehn Arbeitstage.

„Die zunehmenden Einschränkungen öffentlicher Verkehrsmittel sowie die Empfehlungen der Behörden stellen vor allem all jene vor große Herausforderungen, die in diesen Tagen nicht komplett auf Mobilität verzichten können“, meint Nico Gabriel, President Mobility Operations bei SIXT.

Dies betreffe insbesondere die Fachkräfte aus dem medizinischen Bereich, die gerade jeden Tag gegen die Ausbreitung der Lungenerkrankung COVID-19 kämpfen würden. Das Angebot gilt zunächst für Ärzte und Pflegepersonal der städtischen und staatlichen Kliniken. Interessenten registrieren sich in der SIXT App und erhalten die Gutscheine auf Nachweis der aktuellen Beschäftigung schnellstmöglich zugeschickt.

Einheitspreis von 19 ct/min für alle Klassen

Außerdem setzt der Anbieter alle Fahrzeugklassen auf den Einheitspreis von 19 ct/min von Montag bis Freitag, erhöht die Verfügbarkeit und veröffentlichte jüngst einen Carsharing-Knigge, um die Hygiene und Sauberkeit in den Sharing-Fahrzeugen zu erhöhen. Wer auf Nummer sicher gehen wolle, solle Türgriffe etwa nur mit Taschentuch anfassen und Lenkrad sowie Schaltknauf desinfizieren. Auch solle man keine Taschentücher oder sonstigen Müll in den Fahrzeugen liegen lassen und Beifahrer nicht anniesen oder anhusten.

Ausblick: Starker Rückgang, trotzdem peilt man positives Ergebnis an

Der Ausblick für das laufende Jahr liegt dennoch Trotz der Maßnahmen erwartet der Konzern für das Gesamtjahr 2020 nach aktueller Sachlage einen starken Rückgang des operativen Konzernumsatzes, rechnet aber dennoch mit einem  deutlich positiven Ergebnis, wenn auch sehr stark unter dem Vorjahr, so die Prognose. 2019 hatte man nach vorläufigen Zahlen allerdings bei Umsatz und Ergebnis erneut ein Rekordjahr vermeldet. Der operative Konzernumsatz war um +13,3 Prozent gewachsen auf 2,95 Milliarden Euro, der Konzernergebnis mit rund 337 Mio. Euro auf hohem Vorjahresniveau, bereinigt um den Effekt des Verkaufs von Drive Now und trotz dem Vernehmen nach "erheblicher" Investitionen in die Digitalisierung sowie die Auslandsexpansion.

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