eGO übergibt erste Fahrzeuge an prominente Kunden

eGO startet nach Verzögerungen allmählich in die Auslieferung - muss sich einstweilen aber mit einer Kleinserie begnügen, weil die Freigabe für das ESP noch fehlt. Bisher liegen 3.300 Vorbestellungen vor.

Großer Bahnhof: Im eGO-Werk Lilienthalstraße kamen eine prominente Runde und zahlreiche Pressevertreter zur Auslieferung der ersten Fahrzeuge. Mit dabei: Rennsport-Legende Hans-Joachim Stuck, der ebenfalls ein Fahrzeug übernahm. | Foto: J. Reichel
Großer Bahnhof: Im eGO-Werk Lilienthalstraße kamen eine prominente Runde und zahlreiche Pressevertreter zur Auslieferung der ersten Fahrzeuge. Mit dabei: Rennsport-Legende Hans-Joachim Stuck, der ebenfalls ein Fahrzeug übernahm. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Das Aachener Automobil-Start-up-Unternehmen eGO mobile AG hat erste Modelle seines elektrischen Kleinwagens "Life" symbolisch an Kunden übergeben. Allen voran erhielten den Aachener Oberbürgermeister Marcel Phillipp, den Nordrhein-Westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet sowie den Rektor der RWTH Aachen Ulrich Rüdiger die von ihnen zu einem frühen Zeitpunkt georderten Fahrzeuge. "Wir sind erleichtert, jetzt wirklich Fahrzeuge produziert zu haben", meinte der Gründer und CEO der eGO mobile. Er dankte der Politik wie auch der Hochschule für die Unterstützung, ohne die die Umsetzung aus einem akademischen und wissenschaftlichen Projekt nicht möglich gewesen wäre. Er versprach zudem, der eGO Life werde das günstigste Fahrzeug überhaupt am Markt über nach Schuhs Dafürhalten deutlich längeren Lebenszyklus sein und zudem hohen Fahrspaß bieten.

"Bei aller Vernunft, der eGO Life soll auch ein Auto sein, das man haben will und das sich agil fährt, ein bisschen wie ein Go-Kart", meinte Schuh.

Dennoch sieht er die fahrerische Herausforderung im Elektrozeitalter eher in sparsamer Fahrweise als in reiner Performance. Darüber hinaus wollte man eine relativ hohe Sitzposition sowie bequemen Einstieg ähnlich wie bei SUV-Modellen realisieren. "Es ist nicht sinnvoll, mit Geländewagen durch die Stadt zu fahren, aber die Leute wollen eben eher hoch sitzen und gut einsteigen können. Das wollten wir mit unserem Design umsetzen, ohne dass das Fahrzeug martialisch oder seltsam aussieht", erläuterte Schuh.

Doppelte Entlastung: Für Städte und für das Klima

Zudem wolle man mit dem Fahrzeug eine doppelte Entlastung für die Umwelt schaffen: Zum einen könnten Städte wie etwa auch Aachen durch lokale Emissionsfreiheit die NOx-Probleme in den Griff bekommen. Zum anderen reduziere sich mit den Elektrofahrzeugen der CO2-Ausstoß massiv. Die Fahrzeuge sind jetzt mit einem Verbrauch von 19,9 kWh/100 km homologiert. Darüber hinaus werde der "Life" auch über den Fahrbetrieb hinaus ein umweltfreundliches Fahrzeug sein durch eine klimaneutrale Produktion, die Verwendung von Alu-Rahmen und eingefärbten Kunststoffkarosserieteilen und die konsequente Second-Life-Nutzung der Batterie. "Wir peilen für die Akkus einen gesamten Lebenszyklus von 25 Jahren an, davon garantierte acht Jahre im Auto", versprach Schuh. Danach würden die Speicher an einen Photovoltaik-Anbieter weitervertrieben, der diese als Energiespeicher noch gut nutzen könne.

"Bisher hat sich der Lebenszyklus eines Automobils am Motor und dem Getriebe orientiert. Der Elektromotor von Bosch setzt hier quasi kein Limit und die Batterie wird getauscht, wenn sie für den Einsatz im Fahrzeug nicht mehr leistungsfähig genug ist", erklärte der CEO.

Verzögerungen im Betriebsablauf: Freigabe für ESP fehlt

Obwohl sich die Auslieferung der frei konfigurierbaren Modelle kurz zuvor durch fehlende Straßenfreigabe für das ESP verzögert hatten, wurden die Modelle der "First Edition" jetzt plangemäß ausgeliefert im Rahmen einer Kleinserienproduktion, für die keine ESP-Zulassung nötig ist. Vorerst werden 1.000 statt der geplanten 1.400 Exemplare mit auf 53 kW gedrosselter E-Maschine und ohne ESP produziert und geliefert. Bis Herbst sollen die Freigaben dann vorliegen und die reguläre Serienproduktion starten. Den Start macht die Topversion mit 60 kW und einer 21,5 kWh Batterie, ab Ende 2019 folgen die Varianten mit 40 und 20 kW und entsprechend kleineren Batterien. Dadurch ließen sich Brutto-Verkaufspreise für die Basisversionen inklusive Batterien von 19.900 Euro (Life 60) bis 15.900 Euro (Life 20) ohne Umweltprämie erreichen, warb der Anbieter.  

Geht doch! eGO sieht großes Potenzial für E-Kleinwagen

Im nächsten Jahr wolle man "schnellstmöglich" auf den Zweischichtbetrieb umstellen und dann mindestens 15.000 e.GO Life zu produzieren. Generell sieht Schuh ein hohes Kundenpotenzial für elektrisch angetriebene Kleinwagen von bis zu 400.000 Exemplaren. Das habe mittlerweile auch Volkswagen erkannt und sich für eine Kooperation entschieden, erklärte der CEO am Rande der Veranstaltung. Für die Serienproduktion in den Werken 1 und 2 im TRIWO Technopark Aachen Rothe Erde wurden bisher schon mehr als 150 neue Arbeitsplätze geschaffen. Bei der e.GO Mobile AG sind bereits insgesamt über 450 Mitarbeiter tätig.

Automatisierung, wo es sinnvoll ist

Die Fertigung soll im Rahmenbau zeitnah automatisiert werden, zudem will man das erste industrielle 5-G-Netz in einer Produktion betreiben. Die Produktion wird RFID-Chip gestützt, verzichtet zudem auf kosten- und engergieintensive Sequenzen wie Presswerk und Lackiererei und setzt auf preiswerte Standardkomponenten aus dem Automobilbereich, die an das Design des Herstellers adaptiert würden, wie ein Verantwortlicher erklärt. Auch auf eine Schnellladevorrichtung im Fahrzeug habe man bewusst verzichtet, die die Kosten um über 1.000 Euro erhöht hätte.

"Wissenschaftliche Exzellenz umgesetzt in industrielle Produktion – so entstehen neue Arbeitsplätze im Strukturwandel“, freute sich Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

Nordrhein-Westfalen wolle Vorreiter, Antreiber und Impulsgeber für Elektromobilität in Deutschland werden. Dazu müsse man neben dem Knowhow auch die Produktion für Kernkomponenten der Elektromobilität in unserem Land ansiedeln, erklärte der Politiker in Anspielung auf die vieldiskutierte Batteriezellenfertigung. Auch hierbei wolle eGO eine Rolle spielen, kündigte Günther Schuh in diesem Zusammenhang an.

Viertürer, Cabrio, Mittelklasse: Weitere Derivate sollen folgen

Bisher liegen laut Hersteller 3.300 Vorbestellungen vor, die bis Anfang nächsten Jahres bedient werden sollen. Schwerpunktmäßig sollen die ersten Fahrzeuge an Kunden in der Region gehen. Auch die Stadt Aachen will ihren kommunalen Fuhrpark mit eGO-Life-Modellen ausstaffieren, wie der Oberbürgermeister bekräftigte. Perspektivisch will der Hersteller zügig weitere Derivate nachlegen, darunter einen viertüriges Modell sowie ein Cabrio. Außerdem entwickelt man mit Volkswagen auf der MEB-Plattform ein größeres Fahrzeug, dass sich zwischen viertürigem Life und der Transportplattform Mover einreihen soll. Zudem ist ein Ride-Sharing-Dienst "eGO on demand" bereits im Pilotversuch in Aachen unterwegs.

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