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E.ON-Studie Netze und E-Mobilität: Der Blackout ist eine Mär

Energieversorger gibt Entwarnung und hält den Aufwand für den Netzausbau mit etwa 2,5 Milliarden Euro für die nächsten 25 Jahre für sehr überschaubar. Weitere Vorteile bringt smartes Lademanagement. Thesen vom Blackout hält man für völlig überzogen.

Keine Panik: Selbst wenn viele Fahrzeuge gleichzeitig am Netz hängen, würde die Belastung zu stemmen sein, glaubt E.ON. | Foto: E.ON
Keine Panik: Selbst wenn viele Fahrzeuge gleichzeitig am Netz hängen, würde die Belastung zu stemmen sein, glaubt E.ON. | Foto: E.ON
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Johannes Reichel

Entwarnung von den Energieversorgern: Gemäß einer neuen Studie des Anbieters E.ON sind die Investitionen in die Netze für den Markhochlauf der E-Mobilität und eine flächendeckende Versorgung mit Ladestrom überschaubar. Die Netze in Deutschland seien bereit für eine vollständige Umstellung auf elektrische Pkw, erklärte der E.ON-Vorstand für das Netzgeschäft Thomas König bei einem Pressegespräch in Berlin. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie von E.ON und Consentec. Voraussetzung dafür seien allerdings weiterhin kontinuierliche und vorausschauende Investitionen in die Netz-Infrastruktur.

Auch die komplette Elektrifizierung schreckt nicht

Die Studie betrachtet verschiedene Szenarien bis hin zu 100 Prozent Marktanteil von Elektro-Pkw. Sie basiert darauf, dass heute in allen E.ON-Netzgebieten rund 6,5 Mio. konventionelle und private Pkw gemeldet sind. Außen vor blieben dabei Flottenzulassungen, leichte und schwere Nutzfahrzeuge. Für letztere rechnen die E.ON-Analysten ohnehin nicht mit einem nennenswerten Anteil batterieelektrischer Antriebe und auch die leichten Nutzfahrzeuge respektive Transporter würden nicht größer belasten, so die Prognose.

Für das angenommene Szenario seien die Netze von E.ON in Deutschland gut gerüstet, die Analysten meinen sogar für eine komplette Elektrifizierung der PKW bis 2045. Für die nächsten 25 Jahre errechnet die Studie einen Investitionsbedarf bei dem Energieversorger von insgesamt rund 2,5 Mrd. Euro, wenn man ohnehin vorgesehene Erneuerungsmaßnahmen abzieht. Davon würden zwei Drittel in punktuelle, für die Bürger kaum spürbare Baumaßnahmen wie die Erneuerung von Ortsnetzstationen fließen. Ein Drittel der Investitionssumme werde für den Bau von neuen Leitungen benötigt. Bereits heute investiert E.ON rund 1 Mrd. Euro jährlich in die deutschen Netze. Davon entfällt rund ein Viertel auf den Netzanschluss Erneuerbarer Energien.

„Die Elektromobilität bringt grünen Strom in den Verkehr. Damit können die CO2-Emissionen spürbar reduziert und ein wesentlicher Beitrag für die Klimaziele 2030/2050 geleistet werden. Mit dem angestrebten Netzausbau sorgen wir dafür, dass unsere Netze einer Umstellung auf Elektromobilität jederzeit gewachsen sind.“

Sehr überschaubare Investitionssummen

Bei gleichmäßiger Verteilung der Gesamtinvestitionen von 2,5 Mrd. Euro auf die rund 6,5 Mio. Elektro-Pkw im E.ON Netzgebiet ergebe sich ein durchschnittlicher Investitionsbedarf von knapp 400 Euro je Fahrzeug. Zugrunde gelegt wird zudem ein zu heute unverändertes Mobilitätsverhalten, eine Jahresfahrleistung von 15.000 km bei einem Verbrauch von 20 kWh/100 km im Schnitt. Dieser Investitionsbedarf pro Pkw könnte sogar noch halbiert werden, wenn man netzdienliches Laden fördere. Voraussetzung dafür seien digitale Lösungen und finanzielle Anreize für Kunden, um einen Großteil der Ladevorgänge aus der laststarken Abendzeit in die lastschwachen Nachtstunden zu verschieben.

"Die Netze werden die Elektromobilität ermöglichen und nicht verhindern. Wir sollten uns nicht bange machen lassen", resümierte König nüchtern und sieht sich damit auf einer Linie mit weiteren Studien und Analysen zu dem Thema.

Die verbreitete Vorstellung vom Blackout der Stromnetze wegen der Elektromobilität hält König für völlig übertrieben. Man wolle das Thema Dunkelflaute nicht kleinreden, aber die Gefahr sei absolut beherrschbar, befand König. 

Schneller Markhochlauf über Flotten

Darüber hinaus rechnet König damit, dass es trotz der aktuell noch vorhandenen Skepsis in Deutschland gegenüber der Elektromobilität schnell "erhebliche Fortschritte" geben werde. Vor allem über die Flotten dürfte sich die E-Mobilität verbreiten, glaubt der E.ON-Vorstand.

"Die Debatte um die Reichweite halte ich für die Vielzahl der Verkehre für irrational", kommentierte König. Nach den Analysen des Unternehmens liegt die tägliche Fahrleistung von Pkw in Deutschland weit unter 100 km.

Insofern rechnet man auch in den seltensten Fällen mit Ladebedarfen von über 50 Kilometer in den Abendstunden, weil die Akkus nach den Prognosen kaum jemals leer gefahren würden. Außerdem geht man in der Prognose davon aus, dass es bis 2045 mindestens 25.000 öffentliche Ladesäulen mit 150 kW oder mehr sowie 200.000 Ladepunkte im AC oder leichten DC-Bereich bis 50 kW geben werde.

Zügiger Ausbau der Erneuerbaren nötig

Der E.ON-Manager forderte allerdings einen zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien, damit die E-Mobilität auch ökologisch Sinn mache. Dafür seien weitere Flächen nötig, vor allem für Wind- und Solarkraft. Hier müsse die Gesellschaft sich darüber klar werden, was man wolle. Deutschlands Netz sei sehr effizient und verfüge schon heute über einen Grünstromanteil von 38 Prozent. "Bis vor ein paar Jahren hätte das niemand für möglich gehalten", meinte König. "Aber wir dürfen hier nicht stehen bleiben, zögerlich werden", appellierte er. Man könne nicht aus der Kohle und Atomkraft aussteigen und gleichzeitig gegen Windkraftanlagen und Solarfelder sein.

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