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E-Monday München: Warum die Welt - noch - nicht digital und vernetzt ist

Auf dem E-Monday gab es spannende Erkenntnisse: Unter anderem, wie man in 90 Minuten von München nach Sydney kommt – und warum 97 Fahrzeuge genug sind, um 13.000 Einwohner mobil zu machen.

In Tirol denkt man über einen Inntal-Drohnenhighway von Innsbruck bis Rosenheim nach. Foto: Unsplash/Ricardo Gomez Angel
In Tirol denkt man über einen Inntal-Drohnenhighway von Innsbruck bis Rosenheim nach. Foto: Unsplash/Ricardo Gomez Angel
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Gregor Soller

Immer wieder Montags wird in München die Zukunft diskutiert - unterm Hirschgeweih, namentlich in der „Hirschau“, einem alteingesessenen Wirtshaus im Englischen Garten. Und auch dieser „E-Monday“ steckte wieder voller Überraschungen. So zeigte Christian Arbinger, Head of Navigation Services bei der DLR in seinem Vortrag „Von München nach Sydney in 90 Minuten – zukünftige multimodale Verkehrskonzepte“ auf, wie man Luftsicherung auf den Straßenverkehr übertragen könne und welche Bedeutung suborbitale Flüge eines Tages erreichen können, mit denen man tatsächlich in 90 Minuten von München nach Sydney gelangen könnte.  Suborbital heißt allerdings aktuell: Maximal vier bis sechs Personen, die bereit sind, für diesen Flug um die 200.000 Euro zu bezahlen und bei Start und Landung achterbahnähnliche Beschleunigungen und Verzögerungen aushalten können – womit das Ganze schwierig bleiben dürfte, auch wenn neben Richard Branson mit Virgin, Elon Musk mit Spece X auch andere Milliardäre und öffentliche Einrichtungen heftig daran arbeiten: Bis 2025 soll auch das Skylon Project startklar sein. Man darf gespannt sein.

Viel bodenständiger war da der Vortrag „Künstliche Intelligenz im Fahrzeug“ von Andreas Lachenschmidt, seines Zeichens Entwicklungsleiter bei Intence automotive electronics GmbH, der das Thema auf das Beispiel einer Ampelerkennung herunterbrach.

Doch schon der nächste Vortrag hob wieder ab: Pasquale Grippa, der am Institut für Vernetzte und Eingebettete Systeme an der Alpen-Adria-Universität forscht, erklärte, wie komplex Drohnen-basierte Liefersysteme aufgestellt sein müssen. Ganz wichtig sei dabei die Intelligenz der Drohnen, um selbst den kürzesten und effizientesten Lieferweg zu bestimmen, was die Größe der nötigen Drohnenflotte begrenzen hilft und die Lieferzeiten verkürzt. Allerdings erfordert das sehr komplexe und schlaue Algorithmen. Dazu passte inhaltlich der Vortrag „Mulitmodale autonome Mobilität im alpinen Raum“ von Prof. Dr. Mario Döller, FH Rektor an der Fachhochschule Kufstein-Tirol und
Peter Teuschel, der bei den Stadtwerke Wörgl für Innovation & Programmkoordination zuständig ist. So denkt man über einen Drohnenkorridor respektive „Lastenhighway“ für die Strecke Innsbruck-Kufstein-Rosenheim nach, auf dem Schnelllieferungen für wichtige Medikamente oder sehr eilige Post stattfinden könnten. Dazu könnte in der Gemeinde Langkampfen ein zentraler „Drohnenport“ entstehen. Drohnen werden im Alpenraum übrigens jetzt schon stark genutzt: Zur Inspektion von Seilbahnen, zum Beliefern von Hütten mit bis zu 100 Kilo schweren Versorgungspaketen oder zur Bergrettung: Die Bergwacht Bad Tölz nutzt bereits heute 50 dieser Flugobjekte.

Und am Boden? Hat Döller errechnet, dass der 13.000-Einwohner-Gemeinde Wörgl mit 6500 zugelassenen Pkw 97 Fahrzeuge genügen würden, um 80 Prozent der Mobilität abzudecken! Möchte man 100 Prozent mit Spitzenzeitabdeckung erreichen, bräuchte man dann schon 367 Fahrzeuge – aber keine 6500! Diezum großen Teil für den 30-Minutigen Stau durch die 3,5-Klimoteer lange Gemeinde verantwortlich sind. Entsprechend stricken die Tiroler an einem übergreifenden Sharing-Verkehrskonzept. Das muss die Einwohner aber mindestens 30 Prozent billiger kommen als ihr Pkw, sonst würde es nicht angenommen, so Döller.

Für Kurzweil sorgte dann noch der Vortrag „Mit dem Elektroauto in 80 Tagen um die Welt – Lessons learned!“ von Andreas Rieger, Director Project Management bei designaffairs GmbH. Er fuhr mit einem Tesla Model S exakt 28.333 Kilometer von Barcelona nach Barcelona und erlebte schon im mittleren Westen der USA die unglaublichsten Dinge. Das Supercharger-Netz ist dort extra-dünn gewebt und er wurde ausführlich nach seinem Auto befragt, das viele für ein italienisches Produkt hielten. Ganz krass wurde es dann in China: Dort musste er den Führerschein neu machen, während das tschechische Team keine Zulassung bekam: Dessen Model S war ein Siebensitzer und gilt damit in China als Omnibus! Es folgten die wildesten Nachladungen, die man sich nur vorstellen kann, oft direkt ab Verteilerkasten. Riegers Fazit: Die Welt ist weder vernetzt, noch digital!

Was bedeutet das?

Der „E-Monday“ in München mausert sich wie die Messe emove-360° zu einer lohnenswerten und sehr interessanten Veranstaltung!
 

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