E-Mobilität: Dunkle Wolken, steigende Kosten

Der Ukraine-Krieg und die Folgen stellt den Hochlauf der E-Mobilität in Frage: Während der Spritpreis teils staatlich gestützt bei zwei Euro stagniert, legen die Fahrstrompreise weiter zu, die für Rohstoffe ebenfalls. Der Kostenvorteil der Stromer schmilzt.

Düstere Aussichten: Die hohen Stromkosten trüben die Bilanz von E-Autos. Wohl dem, der über eine eigene Photovoltaik verfügt. | Foto: Volvo Cars
Düstere Aussichten: Die hohen Stromkosten trüben die Bilanz von E-Autos. Wohl dem, der über eine eigene Photovoltaik verfügt. | Foto: Volvo Cars
Johannes Reichel

Während der Spritpreis sich aktuell wieder zu normalisieren scheint, steigen die Preise für Fahrstrom weiter: Zuletzt erhöhten Anbieter wie Shell Recharge oder Allego ihre Preise massiv, schnelles HPC-Laden kostet bei der Mineralölkonzern-Sparte 64 bis 74 ct/kWh oder bei letzteren gar über 85 ct/kWh und wird so fast unrentabel. Auch EWE Go, EnBW und Fastned sowie Maingau Energie erhöhten. Sogar bei Tesla, lange berühmt für kostenfreies Laden, wird man mit 71 ct/kWh zur Kasse gebeten. Discounter wie Lidl strichen das kostenlose Laden.

Zugleich steigen auch die Preise für Haushaltsstrom teils massiv an, noch immer der meistbezogene Ladestrom überhaupt. Der Kostenvorteil des Betriebs eines E-Autos schrumpft. Schon forderten Automobilwirtschaftsexperten wie Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach eine Art "Fahrstrompreisbremse" und einen Abstand zu den fossilen Spritpreisen, damit der Hochlauf der E-Mobilität nicht ausgebremst wird.

Schon im nächsten Jahr Stromer im Nachteil?

Der Kollege Ferdinand Dudenhöffer vom Center for Automotive Research in Duisburg warnte jetzt gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass schon im nächsten Jahr der Kostenvorteil der Stromer dahin sein und sich in einen Nachteil verkehren könnte. Zwar sieht der ADAC bei seinen laufenden Berechnungen die Stromer noch vorn, geht aber von einem Durchschnittsstrompreis von 44 ct/kWh aus, was quasi täglich von der Realität überholt wird. Etwa liegt ein ID.3 mit 650 Euro/Monat inklusive Wertverlust, Fix- und Betriebs- sowie Werkstattkosten noch gut vor dem VW Golf TSI mit 833 Euro/Monat sowie dem VW Golf TDI mit 818 Euro/Monat, das aber wie gesagt bei 44 ct/kWh und zwei Euro für den Liter Benzin sowie 2,16 Euro für den Liter Diesel. 

Teufelskreis: Rohstoffmangel hält E-Auto-Preise hoch

In die Kostenrechnung schlagen auch die hohen Preise für E-Autos, die aufgrund üppiger Nachfrage und wegen des Halbleitermangels geringerer Produktion ohne Nachlässe verkauft werden. Ab 2023 sinkt zu allem Überfluss auch noch die dann auch gedeckelte Kaufprämie, deren Neuregelung zu einer Zeit beschlossen wurde, als man die Folgen des Überfalls Russlands auf die Ukraine nicht abschätzen konnte.

Diese hat auch beigetragen zu einer weiteren Verknappung von Rohstoffen wie Lithium, Kobalt, Nickel und Mangan, wie generell auch die energieintensive Produktion der Akkus teurer wurde. Anstatt wie ursprünglich erhofft zu sinken, dürften die Preise pro Kilowattstunde Akku eher weiter steigen, wie sie es bereits seit 2021 taten: Von 80 bis 95 US-Dollar auf 145 bis 175 US-Dollar, wie die SZ auf Basis einer P3-Analyse bilanziert. In der Folge werden Kleinwagen mit Elektroantrieb noch unrentabler für die Hersteller. Kleine, leichte Stromer bräuchte es aber viel nötiger als großformatige Premium-BEV oder gar E-SUV, um die Klimaziele zu erreichen. Es zeichnet sich ein Teufelskreis ab, den die Politik dringend stoppen sollte, etwa mit einem Fahrstromzuschuss, der den Abstand zum fossilen Sprit und damit den Kostenvorteil der Stromer konstant hält. Andernfalls droht der E-Motor im Hochlauf abgewürgt zu werden.

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