e.GO Life: Akku-Swap-Station und Handicap-Version

Aachener Hersteller legt mit einem Umbau für mobilitäts-eingeschränkte Menschen nach und führt erstmals eine Akku-Wechsel-Station vor, die die Reichweitenprobleme des E-Mikros fallweise beseitigt.

Akku, wechsel Dich: Noch dauert es eine Stunde, bis der Speicher getauscht ist. Die Zeit soll aber noch halbiert werden. | Next e.GO Mobile
Akku, wechsel Dich: Noch dauert es eine Stunde, bis der Speicher getauscht ist. Die Zeit soll aber noch halbiert werden. | Next e.GO Mobile
Johannes Reichel

Die Next.e.GO Mobile SE aus Aachen hat die Einführung einer intelligenten Batterietauschlösung bekanntgegeben. Fahrer*innen, die länger als gewöhnlich unterwegs sein müssen, könnten die in ihrem e.GO Life integrierte Funktion nutzen, um die fast leere Batterie gegen eine Vollgeladene zu wechseln, in einer ausgewiesenen e.GO-Batterietauschstation, dem sogenannten e.Pit. Auf dem Rückweg oder zu einem späteren Zeitpunkt, spätestens jedoch innerhalb eines Monats, solle der Kunde seinen ursprünglichen Akku – voll aufgeladen – an derselben Station wieder abholen, so die Idee. Die Kunden blieben dabei dann Eigentümer ihrer Originalbatterie und behielten über die e.GO-App mit ihrer Batterie-ID jederzeit den Überblick. Der Service wird allen Kunden im Rahmen ihres jährlichen Tauschkontingents kostenlos zur Verfügung gestellt.

Halbe Stunde Wechselzeit als Ziel

Der Tauschvorgang dauert etwa 60 Minuten und geht damit schneller vonstatten als eine Vollladung an einer herkömmlichen öffentlichen Ladesäule. Man arbeite daran, die Dauer des Tauschvorgangs weiter zu verkürzen und peilt eine Dauer von knapp 30 Minuten an. Die ersten beiden Swap-Stationen im Werk Aachen und in Zülpich (Pardemann-Servicepartner) seien seit November voll in Betrieb, so der Hersteller. Die nächsten Stationen kommen in Düsseldorf und Hamburg, weitere seien in Planung.

Der Batterietausch sein nicht nur ein neues Feature oder ein weiterer Geschäftszweig, sondern ein Feature im Sinne des Nachhaltigkeitsanspruchs des Herstellers. Mit der Batterietauschlösung biete man den entsprechenden Komfort dafür, erklärt Ali Vezvaei, Vorstandsvorsitzender der Next.e.GO Mobile SE.

Ideale Kombi: Mikrostromer mit Rollstuhleignung

Zudem haben die Aachener in Kooperation mit Automobile Sodermanns in Wassenberg (NRW) den ersten für Menschen mit Behinderung umgebauten e.GO Life vorgestellt. Darin sind 20 verschiedene Umbauten zum Ausprobieren und Probefahren umgesetzt worden, z.B. ein vollautomatisches Rollstuhlverladesystem oder eine klappbare Transferhilfe für einfacheres Einsteigen und Verladen eines Rollstuhls wie auch verschiedene Fahrhilfen, zum Beispiel Linksgas, ein Multifunktions-Lenkraddrehknauf, ein Handbediengerät für Gas und Bremse, ein Dreh- und Schwenksitz für die Beifahrerseite, ein Kamerasystem für den Blick zur Seite und nach hinten bei eingeschränkter Nacken-Drehfunktion, orthopädische Autositze, zusätzliche Haltegriffe zum Ein- und Aussteigen und viele mehr. Darüber hinaus kann bei Bedarf auch die innovative Space-Drive-Technologie von Paravan, renommierter Umrüst-Spezialist und Lizenzpartner von Sodermanns Automobile, eingebaut werden.

Drive-by-Wire erleichtert die Umrüstung

Das elektronische Lenk- und Bremssystem verzichtet auf die mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Lenkgetriebe, Impulse werden lediglich elektronisch übertragen. Das Drive-By-Wire-System, das auch im Motorsport oder der automatisierten Industrie zum Einsatz kommt, ermöglicht auch eine behindertengerechte Mobilität und kommt Menschen mit geringerer Muskelkraft und starken motorischen Einschränkungen zugute. Sehr wenig Muskelkraft sei ausreichend, um das Fahrzeug sicher und selbständig zu führen.

„In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Anfragen bezüglich des Umbaus von E-Fahrzeugen kontinuierlich gestiegen. Das gilt auch für kleine E-Stadtfahrzeuge wie den e.GO Life. Aufgrund der besonderen Bauweise von Elektroautos gibt es natürlich Herausforderungen beim Umbau. Hier geht es konkret um die Batterie, den Platz, das Gewicht und die Einbindung in die fahrzeugseitige Elektronik", skizziert Frank Sodermanns, Geschäftsführer und Gründer bei Automobile Sodermanns.

Damit werde Menschen mit Behinderungen eine völlig neue Kategorie der Mobilität zugänglich gemacht, die der nachhaltigen, robusten und modernen Fahrzeugkonzepte, die durch Ihre Größe und die Ausstattung optimal für den Einsatz im urbanen Raum geeignet seien, ergänzt Matthias Kreimeier, Vertriebsleiter der Next.e.GO Mobile SE. Ein Fahrzeug in dieser Größe mit einem Roboterarm sei einzigartig.

Bestellung bei e.GO, Umbau bei Sondermanns

Sodermanns Automobile in Wassenberg ist spezialisiert auf den Umbau behindertengerechter Fahrzeuge. Die Bestellung des e.GO Life erfolgt bei der e.GO Mobile selbst oder bei einem der deutschlandweiten Vertriebspartner; der Umbau dann bei Sodermanns in Wassenberg. Dort wird das Fahrzeug auch angemeldet und vom TÜV in Form einer Einzelabnahme begutachtet. Zusätzlich bietet der Umbauer einen bundesweiten Hol- und Bring-Service, mit dem das Fahrzeug auch direkt zum Kunden nach Hause oder an einen anderen Standort geliefert werden kann. Die Kosten für den Fahrzeugumbau können bis zu 100 Prozent förderfähig sein, z.B. über die sogenannte Kraftfahrzeughilfe, wobei Sodermanns Beratung anbietet.

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