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Dyson beerdigt Pläne für Elektroauto

Der britische Haushaltsgerätehersteller macht überraschend einen Rückzieher und beendet die weit fortgeschrittenen Pläne für ein Elektrofahrzeug.

Aus für den Zauber-Sauger: Dyson legt seine E-Auto-Pläne ad acta und fokussiert sich wieder auf das Kerngeschäft. | Foto: Dyson
Aus für den Zauber-Sauger: Dyson legt seine E-Auto-Pläne ad acta und fokussiert sich wieder auf das Kerngeschäft. | Foto: Dyson
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Johannes Reichel

Der britische Haushaltsgerätehersteller Dyson hat seine Pläne für ein Elektroauto offenbar beerdigt. Wie die Plattform Spiegel Online und DPA berichten, sehe der Pionier für batterieelektrische Staubsauer und Haarföns derzeit wenig Erfolgsaussichten. "Unser Automotive-Team hat in den letzten Jahren ein fantastisches Elektroauto entwickelt, allerdings sehen wir aufgrund der aktuellen Situation im Bereich Automotive keine Möglichkeit, das Produkt kommerziell gewinnbringend zu vertreiben", teilte Dyson mit. Das Autoprojekt werde daher eingestellt. Auch einen Käufer für die Übernahme der weit gediehenen Aktivitäten, für die man sogar schon ein Gelände auf dem ehemaligen 2. Weltkriegs-Flugplatz in Hullavington gekauft hatte, fand sich dem Vernehmen nach nicht. Eigentlich waren über zehn Kilometer Fahrzeugteststrecke für die Fahrzeugentwicklung und -überprüfung geplant. Darüber hinaus war eine Fläche von 45.000 m² für neue Entwicklungen vorgesehen, die Platz für mehr als 2.000 Menschen, sowie für ein Café, ein Sportzentrum, Erholungsflächen und unterstützende technische Einrichtungen bieten sollte.

Ursprünglich wollte der CEO und Eigentümer James Dyson insgesamt 2,8 Milliarden Euro investieren, um ein E-Fahrzeug zu entwickeln und marktreif zu machen. Der Ausstieg kommt auch insofern überraschend, als Dyson noch im vergangenen Frühjahr erklärt hatte, man liege mit den Entwicklungen im Plan und habe auch die Kosten im Griff. Den Firmensitz wollte man samt der Produktion in Singapur ansiedeln, was dem Brexit-Befürworter Dyson massive Kritik einbrachte. Laut einer E-Mail an die Mitarbeiter, habe der Rückzug aus dem Autogeschäft "weder auf Mängel beim Produkt noch auf ein Versagen des Entwicklungsteams" zu tun. Man werde aber von den für das E-Auto entwickelten Batterietechnologien für das Stammgeschäft profitieren, hieß es weiter.  

Was bedeutet das?

Von wegen "niedrige Einstiegshürde": Mit Dyson ist ein weiterer ambitioniert gestarteter und hochfliegender Elektro-Auto-Disruptor gescheitert. Die Firma, berühmt für ihre filterlosen Staubsauger und ultrakompakten Haarföns zieht sozusagen den Stecker. Bisher hat sich jedenfalls noch kein E-Auto-Start-up wirklich etablieren können. Am vielversprechendesten sind noch die Firmen aus dem Umfeld der RWTH Aachen, doch auch eGO und Streetscooter tun sich schwer, Fuß zu fassen. Sono Motors arbeitet fieberhaft an seinem Sion-Projekt, geht aber auch erst 2020 an den Start. Und sogar Tesla beißt sich noch die Zähne aus, das Geschäft ins Rollen geschweige denn in die schwarzen Zahlen zu bringen, 16 Jahre nach der Gründung! Es scheint, dass die These des neuen BMW-Chefs Oliver Zipse aufgeht, das Autobauen auch in Zeiten der E-Mobilität eine hochkomplexe Angelegenheit bleibt. Es genügt eben nicht, ein überzeugendes Produkt hinzustellen, man muss es auch kostendeckend produzieren, den Vertrieb und vor allem den flächendeckenden Service sicherstellen. Spätestens dann trennt sich die Spreu vom Weizen - und die etablierten Anbieter bleiben in der Pole Position.  

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