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DUH-Analyse: E-Autos grüner als Verbrenner - E-SUV konterkarieren Klimaschutz

Auch die Deutsche Umwelthilfe kommt zu einem klaren Schluss: Pkw mit 100 Prozent Elektroantrieb sind bereits heute umweltverträglicher als Pkw mit Verbrennungsmotor oder Fuel-Cell-Antrieb. Die NGO kritisiert aber, dass speziell deutsche OEMs übergroße Elektro-SUV forcieren und E-Kleinwagen chinesischen Herstellern überlassen. Akkus könnten durch weniger kritische Rohstoffe und Recycling noch grüner werden.

Konterkarieren die Klimaschutzpotenziale von E-Autos: Die DUH kritisiert insbesondere die deutschen Hersteller, die auf schwere und große Elektro-SUV setzen und Kleinwagen den China-Marken überlassen. | Foto: Mercedes-Benz
Konterkarieren die Klimaschutzpotenziale von E-Autos: Die DUH kritisiert insbesondere die deutschen Hersteller, die auf schwere und große Elektro-SUV setzen und Kleinwagen den China-Marken überlassen. | Foto: Mercedes-Benz
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Johannes Reichel

Nach diversen Studien von ADAC oder dem Umweltbundesamt sowie dem ifeu-Institut hat auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eine neue Analyse vorgelegt, derzufolge Elektroautos mit Batterieantrieb schon heute klima- und umweltverträglicher als Pkw, die durch die Verbrennung fossiler Kraftstoffe, Agrosprit, E-Fuels oder dem Einsatz von Wasserstoff angetrieben werden. Allerdings dürfen diese Vorteile nicht durch immer größere Elektro-SUV zunichtegemacht werden, mahnt die NGO an. Zudem müssten, um die Vorteile gegenüber Verbrenner-Pkw maximal auszuschöpfen, der Rohstoffbedarf für Antriebsbatterien weiter reduziert werden. Aktuell fehlt es aus Sicht der DUH genauso an gesetzlichen Vorgaben, die innovative Batterietechnologien, Reparatur, Wiederverwendung und das Recycling fördern wie an Anreizen, besonders effiziente Elektro-Klein- und Kleinstfahrzeuge zu entwickeln und den besorgniserregenden Trend zu großformatigen Elektro-SUV zu brechen, kritisiert die Organisation.

Im Durchschnitt seien reine Elektroautos deutlich klima- und umweltfreundlicher als Verbrenner, erklärt Barbara Metz, DUH-Bundesgeschäftsführerin. Durch die Gewinnung von Batterierohstoffen wie Lithium, Kobalt oder Nickel werde die Umwelt erheblich belastet. Für viele Fahrzeuge könnten bereits heute alternative Batterietechnologien wie die auf Natrium-Basis verwendet werden. Fahrzeugbatterien sollten zudem durch selektive Reparaturmöglichkeiten sowie Wiederverwendung als stationäre Stromspeicher möglichst lange genutzt werden, fordert Metz.

"Umweltministerin Lemke muss schnellstmöglich Regelungen zur Begrenzung des Ressourcenverbrauchs durch Elektro-Autos auf den Weg bringen, beispielsweise im Rahmen der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie. Zudem sollte die Bundesregierung wichtige EU-Prozesse zu Ökodesign und Recht auf Reparatur schleunigst voranbringen statt diese zu blockieren", appelliert die NGO-Chefin.

Die Herstellung, Nutzung und Entsorgung eines jeden Fahrzeugs belastet die Umwelt. Dennoch zeigen zahlreiche Ökobilanzen, dass das Elektroauto über seinen gesamten Lebenszyklus (Herstellung, Nutzung und Entsorgung) Klima und Umwelt weniger schadet als ein vergleichbares Fahrzeug mit Verbrennungsantrieb. Während der Nutzung stoßen Elektroautos keine gesundheitsschädlichen Abgase aus und verursachen im Stadtverkehr weniger Lärm. Zudem sind E-Autos deutlich effizienter: Bei einem benzinbetriebenen Motor werden nur circa 20 Prozent der eingesetzten Energie für den Antrieb genutzt, bei einem Elektrofahrzeug inklusive Ladeverlusten hingegen 64 Prozent.

„Um Umweltauswirkungen durch die Gewinnung kritischer Rohstoffe zu reduzieren, sollten sich Autohersteller nicht einseitig auf ressourcenintensive Batterietechnologien festlegen, wie zum Beispiel die Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Batterie. Insbesondere für Kleinwagen eignen sich alternative Batteriesysteme, wie zum Beispiel Natriumbatterien, die keine kritischen Ressourcen benötigen", fordert auch DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer.

Je länger die Nutzung einer Batterie, desto besser falle ihre Umweltperformance aus, beispielsweise durch ein „zweites Leben“: Mit einer Restkapazität von etwa 70 Prozent eignen sich ausgemusterte Antriebsbatterien beispielsweise noch gut als stationäre Energiespeicher für erneuerbare Energien, konstatiert die Organisation. Allerdings fehle es derzeit an gesetzlichen Vorgaben, die gute Bedingungen für eine lange Nutzung, Reparatur und Wiederverwendung sicherstellen. Dafür sei es notwendig, auch unabhängigen Akteuren eine gute Verfügbarkeit von Ersatzteilen sowie Zugang zu sicherheitsrelevanten Daten und dem Batteriemanagementsystem zu ermöglichen. Die DUH fordert die Bundesregierung auf, diese Lücken im Rahmen der Nationalen Kreislaufwirtschafsstrategie, bei der Umsetzung der EU-Batterieverordnung sowie im Rahmen aktueller EU-Prozesse (insb. Recht auf Reparatur, Altfahrzeug-Richtlinie und Ökodesign-Verordnung) schnellstmöglich zu schließen.

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