DTM Electric: 880-kW-Rennwagen und Akkuwechsel-Boxenstopps

Die DTM wird elektrisch. Wie die Tourenwagen-Rennserie am Freitag bekannt gab, soll es ab 2023 eine neue Klasse für vollelektrische Rennfahrzeuge geben. In der „DTM Electric“, die voraussichtlich zunächst als Rahmenserie der Hauptkategorie ins Wochenendprogramm aufgenommen wird, kommen Autos mit 880 kW Leistung zum Einsatz.

Die DTM soll 2023 in ihr erstes Meisterschaftsjahr starten. | Foto: DTM / Hoch Zwei
Die DTM soll 2023 in ihr erstes Meisterschaftsjahr starten. | Foto: DTM / Hoch Zwei
Timo Pape

Die DTM wird elektrisch – zumindest ein Teil von ihr. Wie die Tourenwagen-Rennserie am Freitag bekannt gab, soll es ab 2023 eine neue Klasse für vollelektrische Rennfahrzeuge geben. In der „DTM Electric“, die voraussichtlich zunächst als Rahmenserie der Hauptkategorie ins Wochenendprogramm aufgenommen wird, kommen Autos mit 880 kW Leistung zum Einsatz. Die Entwicklung der E-Rennwagen übernimmt Schaeffler.

Im Vorfeld des letzten DTM-Rennwochenendes 2020 am Hockenheimring gab die Deutsche Tourenwagen Masters am Freitag konkrete Einblicke in ihre Zukunftsplanung. So will Serienchef Gerhard Berger verschiedene Kategorien einführen, die für Abwechslung sorgen und verschiedene Zielgruppen ansprechen sollen. Dazu zählen neben der „normalen“ DTM die DTM Trophy, die DTM Classic, die DTM Esports und eben die DTM Electric. 2019 sorgte Berger erstmals mit ambitionierten Plänen zur Elektrifizierung der DTM für Aufsehen. Inzwischen hat er das Konzept verfeinert.

Erhalten blieb etwa die kuriose Idee zum Boxenstopp der Zukunft: Roboter sollen während des Rennens vollkommen automatisiert die Batterien der Elektro-Fahrzeuge tauschen. Mit Blick auf die potenziellen Kosten wurde der vorgesehene Batteriewechsel seinerzeit kritisch diskutiert. Nichtsdestotrotz hält der Veranstalter an seiner Idee fest. Aktuell plant Berger 30-minütige Sprintrennen für die DTM Electric, bei denen mindestens ein Pflichtboxenstopp auf dem Programm steht.

Elektro-Rennwagen mit enormen Leistungswerten von Schaeffler

Für die technische Realisierung des Elektro-Rennwagens hat sich die DTM mit Schaeffler zusammengetan. Der deutsche Technologiekonzern aus Herzogenaurach will als neuer „Serien- und Innovationspartner“ in den kommenden Monaten ein echtes Kraftpaket auf die Räder stellen: 880 kW (knapp 1.200 PS) soll der E-DTM-Renner leisten – nahezu doppelt so viel wie aktuelle DTM-Fahrzeuge (mehr als 450 kW). Damit rangiert die DTM von den nackten Zahlen her künftig in den Sphären der Formel 1 und deutlich über der Formel E.

In 2,4 Sekunden soll der neue Rennwagen von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Damit wäre er gut 0,4 Sekunden schneller als die aktuellen DTM-Autos. Jedes Fahrzeug wird über insgesamt vier Elektromotoren verfügen, die die Leistung auf alle vier Räder verteilen. Im Gegensatz zur Formel E entschied sich Schaeffler somit für einen Allrad-Antrieb. Das künftige Rennauto verfügt außerdem über die bereits im Motorsport erprobte Steer-by-wire-Technologie „Space Drive“ sowie eine integrierte Fahrdynamikregelung zur Ansteuerung der vier Motoren.

„Unsere innovativen E-Antriebstechnologien sorgen bereits seit 2014 in der Formel E für Siege und kommen mittlerweile auch in Serienfahrzeugen zum Einsatz“, sagt Matthias Zink, Vorstand Automotive Technologies bei Schaeffler. Tatsächlich bringen die Bayern eine Menge Erfahrung aus dem elektrischen Motorsport mit in die DTM, die der Entwicklung der DTM Electric durchaus zugutekommen dürfte.

Know-how aus der Formel E

Seit sechs Jahren tritt Schaeffler bereits als Technologiepartner des ABT- beziehungsweise Audi-Teams in der Formel E an und ist seit 2015 maßgeblich an der Entwicklung des Antriebsstranges beteiligt, den sowohl das Audi-Werksteam als auch das Kundenteam Envision Virgin Racing einsetzen. „Die Kooperation (…) unterstreicht unseren Anspruch, als Technologiepartner Fortschritt zu gestalten, der die Welt bewegt. Wir freuen uns auf die Partnerschaft“, so Zink.

„So wollen wir auch die klassischen Motosportfans für Zukunftstechnologien gewinnen“, sagt DTM-Chef Gerhard Berger.

„Gemeinsam mit Schaeffler, unserem ersten strategischen Partner, wollen wir die DTM-Plattform in eine erfolgreiche Zukunft führen“, erklärt Serienchef Berger die Entscheidung, die sicher nicht alle traditionellen DTM-Fans begrüßen werden. „Unser Ziel ist es, in der DTM Electric nicht nur den neuesten Stand der Technik zu zeigen, sondern auch zentrale Innovationen auf die Rennstrecke zu bringen, die spektakuläres Racing ermöglichen. So wollen wir auch die klassischen Motosportfans für Zukunftstechnologien gewinnen und sie mit attraktivem Rennsport begeistern.“

Für die Saison 2021 sind zunächst Demo-Auftritte des Elektro-Renners im Rahmenprogramm der DTM geplant. Bei vereinzelten Ausfahrten soll der Entwicklungsträger von Schaeffler optimiert werden, traditionelle DTM-Fans an den E-Motorsport heranführen und den Weg in eine elektrische Zukunft ebnen. Ab 2023 könnte die DTM laut Schaeffler als vollelektrische Rennserie an den Start gehen. Ob damit tatsächlich die Hauptkategorie gemeint ist, bleibt abzuwarten.

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