DS 9: Erste Sitzprobe im neuen Topmodell

Der französische Stellantis-Arm wagt mit dem DS 9 den Sprung in die obere Mittelklasse, wo Citroen mit dem C6 aufhörte.

International: Gestaltet in Paris, montiert in China mit Leder aus Bayern und Alurädern, die heißen wie die Stadt der Präsentation des neuen DS 9: München. | Foto: G. Soller
International: Gestaltet in Paris, montiert in China mit Leder aus Bayern und Alurädern, die heißen wie die Stadt der Präsentation des neuen DS 9: München. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Strahlende Sonne in Bayern - dort wo das Leder für den DS 9 herkommt! Gegen die dortigen Platzhirsche Audi A6, BMW 5er und Daimlers E-Klasse fährt DS Automobiles nun den 4,93 Meter langen DS 9 auf, der an alte Herrlichkeit in der oberen Mittelklasse anknüpfen soll, seinen Vorgängern aber treu bleibt. Zur Präsentation wurde dem DS 9 extra ein Ur-Göttin vom Typ DS 23 Injection elequtronique automatique zur Seite gestellt - die Topversion des Urmodells. Den DS-Modellen gemeinsam sind vier Zylinder, da aus ihnen mehr als genug Leistung kommt, zumal wenn man sie mit E-Maschinen kombiniert und Plug-in-Hybride draus macht. Doch während Audi, BMW und Co. darüber auch Sechs- und Achtzylinder offerieren, muss es beim DS 9 in der Regel ein 1,6-Liter-Benziner richten. Dafür fuhr man innen einmal mehr eine wahre Materialorgie auf! Deshalb dürfte Emanuel Macron die Tradition seiner Vorgänger, die meist Citroen fuhren, fortsetzen und demnächst mit einem DS 9 zu offiziellen Ansätzen vorfahren lassen. Auch DS und CX hatten nie mehr als vier Zylinder unter der Haube, dafür so manch schräge Idee in Innenraum und Karosserie. Das gilt auch für den DS 9, der mit Leuchten hinten in der C-Säule die am Dach sitzenden Blinkerflöten des DS zitiert, ebenso wie mit der aufwendig guillochierte Zierleiste auf der Motorhaube.

Mit der Förderung wird der Plug-in günstiger als der Basisbenziner

Darunter findet man Bekanntes, heißt: Den eingangs erwähnten 1,6-Liter-Benziner der mit E-Maschine als Plug-in-Hybrid 225 PS (165 kW) über die Vorderräder auf die Straße bringt. Dafür galoppieren 180-Verbrenner-PS und 110 elektrische Pferde auf. Der 11,9 kWh große Akku soll Strom für bis zu 48 Kilometer rein elektrische Reichweite bieten und kann mit maximal 7,4 kW binnen knapp zwei Stunden wieder vollständig geladen werden. An der Haushaltssteckdose solle man dagegen eher sechs Stunden einkalkulieren. Während der reine Benziner einen 60-Liter-Tank bietet, bleiben beim E-Tense davon nur 42 Liter übrig. Treibt man den elektrifizierten E-Tense zügig über Langstrecken, sollte das aber selbst bei acht Litern Verbrauch noch für gut 500 Kilometer Reichweite genügen.

Neben dieser E-Tense genannten Plug-in-Version gibt es den gleich starken „Pure Tech“, der nur einen Benziner bemüht. Diesel gibt es keine mehr, später sollen noch zwei E-Tense mit 250 PS und erhöhter elektrischer Reichweite (man stellt uns rund 100 Kilometer in Aussicht) und das Topmodell mit 360 PS (225 kW) und Allradantrieb folgen. Auch diesen Antrieb kennt man bereits aus dem jüngst präsentierten Peugeot 508 PSE. Womit wir gleich beim Vorbild sind: Denn optisch erinnert der DS 9 auffällig an die nur für China gebaute Langversion des Peugeot. Und wie dieser wird auch der DS 9 nur in Asien produziert. Und da man sich dort gerne chauffieren lässt, bietet der DS 9 dank 2.895 Millimeter Radstand auch ordentlich Platz im Fond. Breiten sich aber auch die vorn Sitzenden richtig aus, kann es hinten auch wegen der abfallenden Dachlinie kuscheliger werden - Skoda-Superb-Niveau wird nicht geboten, aber für die obere Mittelklasse genug.

Licht an - und die Show beginnt

Hydropneumatik ist zwar passé, aber eine Kamera scannt permanent die Straßenoberfläche nach Unebenheiten ab und soll in Echtzeit jedes einzelne Rad an die Straßenverhältnisse anpassen. Dabei greift es vor allem in die Dämpfung ein, die dann binnen Sekundenbruchteilen feinjustiert wird. Man darf gespannt sein, ob das System auch bei Nacht, Nebel, schlechtem Wetter oder Schnee funktioniert. Immer wieder eine Show, die diamantartigen Scheinwerfersegmente, die sich mechanisch in Position drehen. Auch das autonome Fahren entwickelte DS weiter: Per Drive-Assist hält der DS 9 bis zu einer Geschwindigkeit von 180 km/h die Spur und bis zum Stillstand den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Die adaptive Geschwindigkeitsregelung ist an das Start-Stopp-System gekoppelt. Einparken? Erledigt im Idealfall der Park-Pilot. Dazu kommt eine Müdigkeitserkennung samt Infrarotkamera, die nachts Hindernisse in bis zu 100 Meter Entfernung erkennt. Die LED-Lichtanlage soll die Nacht zum Tag machen.

Innen fährt DS wieder ganz groß auf - mit extrem hochwertigen Materialien

Das Highlight ist jedoch auch beim DS 9 das Interieur, für das es wieder drei „Inspirationen“ gibt: „Performance Line“, „Rivoli“ und „Opera“, letztere immer in Dunkelrot ausgeschlagen. Und jetzt dürfen wir endlich einsteigen: Und finden auch im Fond viel Platz, hochwertige Materialwelten, fein verarbeitet mit dem DS-typischen Rautenmuster, dass sich auch hier wieder bis in die Edlelstahltaster der Mittelkonsole zieht. Das Leder soll von bayerischen Kühen stammen, die laut DS-Pressesprecherin Dorothea Knell „auf mückenfreien Weiden gehalten werden“. Die mittig sitzende Analoguhr stammt aus der Pariser Manufaktur Bernard Richard, und das Hi-Fi-Audiosystem Focal Electra wurde einmal mehr extra auf den DS9 abgestimmt und nutzt bis zu 14 Speaker für die perfekte Beschallung der Insassen. Und natürlich gibt es auch hier Dekorelemente aus Kristallglas, die den „Chic de Paris“ betonen sollen.

Die Preisliste für den DS 9 beginnt bei 47.550 Euro, das sind knapp 39.960 Euro netto für die bereits vollständig ausgestattete „Basis-Version“ Performance. Die Plug-in-Versionen E-Tense kosten 52.810 Euro, das sind 44.380 Euro netto respektive 55.560 Euro, das sind 46.690 Euro netto. Zieht man die Bafa-Förderung von 5.625 Euro ab, wird der Plug-in billiger als der Benziner.

Was bedeutet das?

Mit dem DS 9 knüpft die Marke im Positiven wie Negativen an alte Werte an: Man bietet viel Extravaganz, Komfort und vor allem innen opulente und interessante Materialien samt einiger Tech-Zutaten, allerdings ohne den Futurismus der selbigen Citroen DS oder CX zu bieten. Und wie bei diesen beschränkt man sich auf heute kleinvolumige Vierzylinder, die per E-Maschinen geboostet werden. Trotzdem bleibt die Nische für den DS 9 schmal: Denn die in China gebaute extravagante und gar nicht mal so üppig eingepreiste Limousine trägt ihren Nerz vor allem nach innen. Und sie verpasst im Gegensatz zu den DS-Studien, technisch oder optisch richtig weit in die Zukunft zu weisen. Wer allerdings auf frankophile Extravaganz steht und sich täglich an einer regelrechten Materialorgie erfreuen will, ist hier richtig. 

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