DS 4: Erste Sitzprobe in Rüsselsheim

Ab Ende Juni 2021 kann bestellt werden, ab Oktober 2021 wird geliefert: Erste Sitzprobe im DS4, der auch im Stellantis-Konzern für einige generelle Neuerungen sorgt.

 

Starke Ansage: Mit dem DS 4 zielt die Marke ins Volumenssegment. | Foto: G. Soller
Starke Ansage: Mit dem DS 4 zielt die Marke ins Volumenssegment. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Mit dem DS 4 hat die Marke stärker zu sich gefunden als je zuvor: Noch immer punkten die Franzosen mit so abgefahrenen Ideen wie „geschmiedeter Kohlefaser“, einer Emaillierung im Siebdruckverfahren im Randbereich der Heckscheibe oder heißgeprägtem Chrom im Kühlergrill. Die Materialschlacht geht im positiven Sinne also unvermindert weiter, wird jetzt aber von einem schlüssigeren Design und erheblich verbesserter Connectivity unterstützt. Denn auch technisch entwickelte man die EMP-2-Plattform zur nächsten Stufe „2.0“ auf, mit rund zehn Prozent mehr Akkukapazität (12,4 kWh) beim Plug-in E-Tense und mehr Digitalisierung bei Fahrwerk und Fahrassistenz.

Das klar gezeichnete Interieur erinnert an die Ur-DS

Steigen wir ein und freuen uns am hochwertigen Ambiente und dem neuen „Schwert“, dass die mittleren Lüftungsausströmer gekonnt versteckt. Im Prinzip beinhaltet es am „Griff“ Schnelleinsprungtasten ins dann leider doch digitale Menü und läuft in der „Klinge“ in einer Chromleiste aus. Gute Idee, elegant gelöst! Dazu passt die viel schnellere Connectivity, die sich einfach wischen lässt und auch die Rückfahrkamera sofort mit einem gestochen scharfen Bild aktiviert. Zusätzlich kann man das Ganze über ein Wischfeld auf der Mittelkonsole bedienen, wie man es ähnlich von Audi kennt, allerdings wird es hier wieder etwas tricky, denn: Buchstaben müssen in einem durchgeschrieben werden, was bei „E“, „F“, „T“ oder „X“ jetzt nicht ganz so einfach funktioniert. Immerhin erkennt das System auch schlampige Schrift und durch „nach-links-wischen“ kann man den letzten Buchstaben oder Befehl löschen. Bleibt man lange auf dem Feld, aktiviert man den oben liegenden Zentralscreen, in dem man dann „blind“ wie bei BMWs I-Drive umherscrollen kann, was in der Praxis natürlich nicht ganz so eingängig klappt wie der „altmodische“, aber ergonomisch perfekte „Rändel“ der Bayern. Aber DS hat auch die Spracherkennung auf ein neues Niveau gehoben, bisher eher unverständig. Unter „Hey Iris“, so der Name des Systems, soll der DS 4 vieles auf Anhieb verstehen, was wir im Vorserienmodell leider noch nicht überprüfen konnten.

Der DS 4 wird mit dem Opel Astra in Rüsselsheim gebaut

Wohl aber die sonstigen Qualitäten: „Made in Germany“, in dem Fall Rüsselsheim, bedeutet saubere Passungen, satt schließende schwere Türen und eine ordentliche Verarbeitung. Einmal mehr beschied sich DS bei dieser ersten statischen Präsentation auf ein „nur“ einfarbiges „Grundmodell“ in der zweitniedrigsten Rivoili+-Ausstattung, aber immerhin zweifarbig, innen mit Leder und den großen 19-Zoll-Rädern in der auffälligen, aber passenden Farbe Kupfer-Gold, die übrigens die einzige Gratis-Lackierung ist. Die Fensterheberschalter wanderten in die Tür – dort ergonomisch leider etwas hoch an die Brüstung, trotzdem ist das alles schlüssig gestaltet und gut gemacht. Wenn vorn große Personen sitzen, bleibt im Fond noch ausreichend Platz – mit exakt 4,4 Meter Länge pendelt der DS 4 einmal mehr zwischen C- und D-Segment, wobei die Raumausnutzung bei Stellantis noch nie so effizient war wie bei VWs MEB. Dafür stehen üppige 470 Liter Kofferraum bereit (beim E-Tense noch 390), die sich auf über 1000 Liter erweitern lassen. Wirklich Premium sind auch die zahlreichen Optionen, die Ausstattung zu erweitern, womit sich der DS 4 haptisch an die Spitze seiner Klasse „aufrüsten“ lässt. Angenehm: I- und Smartphones brauchen keine Kabelverbindung mehr, um sich mit dem DS 4 connecten zu können.

Der Nachtsichtassistent sorgt für Sicherheit

Entsprechend hat DS auch bei Fahrwerk und Elektronik nachgelegt und führt als erstes einen Nachtsichtassistenten ein, der einem per Infrarot Menschen und Tiere sichtbar ins Display holt, außerdem kann der DS 4 teilautomatisch überholen und soll über die aktive Scan-Suspension, die man im Konzern bereits kennt, besonders komfortabel federn respektive „dämpfen“, da er die Dämpferrate dank „Vorauslesen“ der Straße variieren kann und hier mit progressivem Anschlag arbeitet. Auch das konnten wir im Stand alles noch nicht bewerten – trotzdem erwarten wir, dass auch der DS 4 künftig sehr smart fährt, zumal die Assistenten zusammen mit dem Navi wie bei zum Beispiel auch bei VW die Straße „lesen“ können sollen und so von sich aus vor Kreuzungen oder an Kurven Tempo herausnehmen können.

Und um das Ganze optisch zu unterstützen, hat DS auch die Tagfahrleuchten vorn um eine Zange nach innen erweitert, was dem breiten Auto eine starke Statur gibt. Eine starke Ansage ist es sowieso. Denn mit dem DS 4 wird die Marke nicht nur im Volumensegment von Audi A3 und Co. aktiv, sondern verbindet das auch mit einem sinnvollen Tec-Update, das den DS 4 vorn im Premium-Segment mitfahren lässt.

Der Plug-in dürfte zumindest solange er gefördert wird, der Topseller werden

Aktuell erwartet man wegen der Förderung sechzig Prozent Anteil des Plug-in-Hybrids E-Tense, der ab 37.900 Euro brutto (das sind knapp 31.850 Euro netto) startet und bis zu 55 Kilometer rein elektrische Reichweite bieten soll. Abzüglich der Förderung von 6.750 Euro kommt er damit fast so günstig wie der Basisbenziner Pure Tech 130, der bei 28.900 Euro startet (das sind knapp 24.290 Euro netto). Der einzige Diesel ist der Blue HDI 130 ab 32.400 Euro (knapp 27.230 Euro netto). Immer Serie ist die Aisin-Achtgangautomatik.

Geladen werden kann der E-Tense nur mit AC: Mit 22 kW dreiphasig binnen einer Stunde und 50 Minuten, mit 3,7 kW einphasig in drei Stunden 40 Minuten und mit 1,8 kW einphasig in sieben Stunden und 20 Minuten.

Was bedeutet das?

Mit dem DS 4 hat die Marke endlich das Potenzial, aus ihrer Nische herauszufahren. Denn der DS 4 bietet nicht nur aufwändige Handwerkskunst, sondern auch handfeste technische Werte. Und verpackt das Ganze elegant, aber nicht zu extravagant. Auf extravagante Materialien und ein extrem edles Interieur mit „Lüftungs-„ statt Lichtschwert muss man deshalb trotzdem nicht verzichten.

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