Meinungsbeitrag

Digitalisierung: Darum tut sich Europa so schwer damit

Die Digitalisierung beschleunigt und vereinfacht ohne Frage viele Abläufe – wird aber zunehmend auch zur Kontrolle genutzt – was vor allem Europa immer saurer aufstößt.

Kaum spürbar kann die Digitalisierung die Menschen zu Marionetten werde lassen. | Foto: Sivani B. /Unsplash
Kaum spürbar kann die Digitalisierung die Menschen zu Marionetten werde lassen. | Foto: Sivani B. /Unsplash
Gregor Soller

In einem Interview erklärte Renault-CEO Luce de Meo: „Es finden zwei Revolutionen statt: der ökologische Wandel und die Digitalisierung“. Und er fügt an, dass Europa im Vergleich zu den Amerikanern und Chinesen bei der Digitalisierung den Anschluss verpasst habe und dringend aufholen müsse. Beim ökologischen Wandel hingegen habe Europa „sowohl kulturelle Sensibilität als auch technologische Vorzüge“. Womit er das europäische Dilemma gut zusammengefasst hat.

Denn in den USA wird Digitalisierung in erster Linie weiterentwickelt, um als Konzern Geld zu verdienen und erst in zweiter Linie, um den Menschen wirklich zu helfen. Und in China wird sie verstärkt genutzt, um jeden einzelnen komplett zu überwachen – das aber so perfide, dass man es gar nicht merkt: man erhält eben dann keine Beförderung im Unternehmen oder keine bessere Wohnung, wenn man zu wenige „brave Punkte“ im Sinne des Staates gesammelt hat, oder noch schlimmer: Irgendwie digital, auffällig wurde.

Ähnliches zieht verstärkt auch ins Auto ein, wo man mehr und mehr angepiept und gewarnt wird, sobald man zu nah an die Fahrbahnbegrenzung heranfährt. Dazu kommen jetzt Kameras, die den Fahrer überwachen und ebenfalls für Warnungen sorgen, sobald die Augen mal nicht auf die Fahrbahn gerichtet sind – weil man sich mal wieder stundenlang in den Untermenüs der Zentralscreen verloren hat.

Ein Graus für das aufgeklärte zentrale Europa, zumal sich auch hier vor allem in Ungarn oder Russland schon wieder totalitäre Regime bilden, welchen Meinungsfreiheit ein Dorn im Auge ist, weshalb man auch hier möglichst viel Meinung gleichschaltet – auch wenn man sie (noch) wie in China nicht komplett abschalten kann.

Denn auch dabei hilft die Digitalisierung: Die Meinungsfreiheit einfach wegzuschalten, statt sie auszuweiten. Weswegen es nicht wundert, dass wir uns in Europa, als vielfach gebrannte Kinder, ganz besonders schwer tun mit dem Thema.

 

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