Digital Auto Report: Corona befördert den Auto-Verkehr

Ein Drittel nutzt mehr das eigene Auto, weniger Carsharing und Pooling - die Befragung von Kunden in Deutschland, USA und China durch die PwC-Tochter Strategy& bestätigt, was zu befürchten war.

Vermeintlich sicher, aber auch lahm: Durch die Corona-Pandemie nahm der Individualverkehr stark zu. Das Durchschnittstempo aber eher ab, wie eine Werktagsszene aus München nahelegt. | Foto: J. Reichel
Vermeintlich sicher, aber auch lahm: Durch die Corona-Pandemie nahm der Individualverkehr stark zu. Das Durchschnittstempo aber eher ab, wie eine Werktagsszene aus München nahelegt. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Der Ausbruch von COVID-19 hat deutliche Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten der Deutschen und bringt starke Zuwächse für den Individualverkehr. Das ist die zentrale Erkenntnis des ersten Teils des „Digital Auto Report 2020“ von Strategy&, der Tochter des Beratungsunternehmens PwC. Knapp ein Drittel der Befragten greift für das Pendeln, geschäftliche Termine oder in der Freizeit häufiger als zuvor auf den eigenen Pkw zurück. Auch die Anschaffung eines Autos stehe nach wie vor hoch im Kurs: Während vor der Corona-Krise 24 Prozent einen Neuwagenkauf für 2020/21 planten, sei dieser Anteil lediglich um drei Prozentpunkte gefallen. Am beliebtesten sind weiterhin Benziner, wohingegen Dieselfahrzeuge für die Wenigsten die priorisierte Wahl sind. Der Trend zu Smart Mobility werde dagegen durch COVID-19 und die Präferenz individueller Mobilität eher gebremst.

Neue Mobilität: Sharing und Pooling im Abschwung

77 Prozent der Deutschen geben an, seltener Carsharing und Ride Hailing zu nutzen. Der aktuell größte Anreiz zur Gewinnung von Kunden für Sharing-Angebote ist das Herausstellen von Hygienemaßnahmen wie Fahrzeugreinigung und Desinfektion durch den Anbieter.

„Die Corona-Krise hat das Interesse für digitale Angebote in der Bevölkerung erhöht: Knapp 60 Prozent der deutschen Verbraucher wünschen sich Connected-Car-Angebote. Für ein entsprechendes Nutzererlebnis mit der Vernetzung und Kompatibilität der unterschiedlichen Services sind daher die Softwareentwicklungs- und Data Analytics-Fähigkeiten der Automobilhersteller entscheidend“, kommentiert Jonas Seyfferth, Co-Autor der Studie und Director bei Strategy& Deutschland.

Von den an Connected-Car-Services interessierten Deutschen halten 31 Prozent einen Aufpreis für gerechtfertigt. Die Zahlungsbereitschaft für ein Komplettpaket vernetzter Dienste liegt bei durchschnittlich bis zu 20 Euro monatlich. Mit der Beliebtheit digitaler Angebote steigt für die Automobilindustrie auch die Bedeutung der „CASE“-Dimension (Connected-Car-Dienste, Automatisiertes Fahren, Smart Mobility und die Elektrifizierung) für die Geschäftsmodelle.

Getrieben durch regulatorische Vorgaben erreiche die Quote von Neufahrzeugen mit einer Basiskonnektivität bis Ende des Jahres voraussichtlich bereits 86 Prozent. Eine Komplettvernetzung werde in Europa im Jahr 2025 für die Hälfte der Gesamtfahrzeuge erwartet. Deutsche Verbraucher legen bei Connected-Car-Diensten größten Wert auf ergänzende Sicherheitsanwendungen (80%), doch auch Navigationsdienste mit Informationen zur Umgebung (75%) sind beliebt.

Autonomes Fahren dauert länger als erwartet

Der Weg zum autonomen Fahren dauert mit einer schrittweisen Verbesserung von Hardware, Software und Infrastruktur zwar länger als ursprünglich erwartet. In Europa ist erst für 2035 ein Anteil von 14 Prozent der Neufahrzeuge mit der Level-4-/Level-5-Technologie für das automatisierte Fahren in Sicht. Dabei haben inzwischen 64 Prozent der deutschen Verbraucher Interesse am autonomen Fahren und rund ein Drittel hiervon würde beim Kauf, Leasing oder Abonnement einen Aufpreis zahlen.

„Wenn deutsche Hersteller ihren Anspruch auf Technologieführerschaft auch beim autonomen Fahren beibehalten wollen, sollten sie ihre diesbezüglichen Entwicklungen in Kooperationen für Hardwarekomponenten, Software und Schnittstellen vorantreiben“, kommentiert Jörg Krings, Co-Autor der Studie und Partner bei Strategy& Deutschland.

Die Veröffentlichungen des zweiten und dritten Teils des „Digital Auto Report“ zu Marktprognosen bzw. finanziellen Entwicklungen sowie zu organisatorischen Anforderungen sollen in den kommenden Wochen folgen. Für die Verbraucherperspektive wurden in Deutschland, den USA und China je 1.000 Konsumenten im Juli und August 2020 bevölkerungsrepräsentativ online befragt.

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