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Dieselgipfel: VW bewegt sich bei Hardwarenachrüstung

VW-Chef Herbert Diess wäre bereit, 80 Prozent der Umbaukosten zu übernehmen.

VW-Chef Herbert Diess bewegt sich im Dieselstreit mit der Bundesregierung als als Erster und bietet eine 80-Prozent-Übernahme von Nachrüstkosten an. | Foto: Volkswagen AG
VW-Chef Herbert Diess bewegt sich im Dieselstreit mit der Bundesregierung als als Erster und bietet eine 80-Prozent-Übernahme von Nachrüstkosten an. | Foto: Volkswagen AG
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Gregor Soller

Nachdem Angela Merkel den Druck auf Verkehrsminister Andreas Scheuer erhöht hatte, scheint auch der den Druck erhöht zu haben, um in Sachen Hardware-Nachrüstung beim Diesel nachzulegen. In Berlin trafen sich dazu die beiden Bundesminister Andreas Scheuer (CSU, Verkehr) und Olaf Scholz (SPD, Finanzen) mit den Vorstandschefs der Autoindustrie, Herbert Diess (VW), Harald Krüger (BMW) und Dieter Zetsche (Daimler). Dazu kam der Chef des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes. Im Kern ging es weiter darum, Fahrverbote zu verhindern und teure Nachrüstungen nach Möglichkeit zu vermeiden.

Diesbezüglich kamen jetzt endlich einmal Zahlen auf den Tisch und Bewegung ins Thema: Laut „Handelsblatt“ sollen die Autobosse und Politiker einen umfangreichen Maßnahmenkatalog erarbeitet haben, der noch im September beschlossen werden soll. Knackpunkt sind dabei vor allem noch junge Euro-5-Flottenfahrzeuge, die für einen Tausch noch viel zu jung sind. Deshalb kann einmal mehr das Thema Hardware-Nachrüstung auf den Tisch – und hier zeigte sich VW-Chef Herbert Diess dann überraschend kompromissbereit, zumal er mit Golf, Passat und Tiguan extrem viele Fahrzeuge in Flotten laufen hat. So bot Diess an, Hardwareumrüstungen zu 80 Prozent zu übernehmen – und diese könnte rund 3000 Euro kosten – hieße: 2400 Euro übernimmt VW, 600 blieben beim Kunden. Diesen Anteil hatte Scheuer in ein erstes Konzept integriert, forderte dann auf Druck der Öffentlichkeit aber, dass die Autoindustrie nach dem Verursacherprinzip die Kosten komplett übernimmt.

Trotzdem überrascht Diess' Entgegenkommen, denn die Kosten für die Industrie sind erheblich, weshalb man zusätzlich massive Verkaufsförderungen für Euro-6-Modelle auflegen möchte. Außerdem befürchten die Autohersteller durch die Hardware-Umrüstung Probleme wie Leistungsverlust und/oder höheren Spritverbrauch, auch gröbere Motorschäden wollen sie nicht gänzlich ausschließen, weshalb dafür die Anbieter von SCR-Systemen haften sollen. Zudem rechnen die Hersteller laut Handelsblatt mit einer rund 18-monatigen Frist, bis großangelegte Umrüstaktionen starten können. Deshalb arbeitet die Industrie auch an beschleunigten Umtauschaktionen, um Kunden möglichst schnell Euro-6-Fahrzeuge (im Idealfall schon mit der Abgasnorm Euro 6d-Temp) oder alternativ angetriebene Autos anbieten zu können. Allein sind diese auf dem Gebrauchtmarkt kaum vorhanden – selbst bei Leasingrückläufern aus kürzer laufenden Verträgen hält sich das Angebot in Grenzen.

Um die Kosten im Zaum zu halten, möchte man sich mit den Angeboten nach Möglichkeit auf die 65 Städten beschränken, deren Luft zu stark mit Stickoxiden belastet ist, samt einem noch genau zu bestimmenden Radius, um auch Pendler zu erfassen. Die Gesamtzahl der betroffenen Fahrzeuge addiert sich ersten Schätzungen zufolge auf 1,1 bis 1,2 Millionen Autos. Hauptziel der Verantwortlichen ist es, die Preisdifferenz für das Neufahrzeug so gering wie möglich zu halten.

Was bedeutet das?

Die Hersteller stehen weiter unter Druck: Entweder müssen sie teure Hardware-Nachrüstungen zahlen oder den durch den Dieselskandal und die Fahrverbote entstandenen Wertverlust der Altautos übernehmen – oder aber massive Zugeständnisse bei Neuwagen machen, wenn sie denn endlich liefern könnten. So oder so eine sehr ärgerliche Situation vor allem für Flottenkunden

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