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Dieselgipfel: Unsicherheit bleibt

Die Hersteller im VDA haben sich zu einer zügigen und umfassenden Nachrüstung von über fünf Millionen Fahrzeugen verpflichtet. Darüber hinaus werden sie sich am geplanten Fonds „Nachhaltige Mobilität für die Stadt“ beteiligen.

Am Ende waren alle unzufrieden: Die deutsche Umwelthilfe bezeichnete den Dieselgipfel als "gescheitert", fünf Millionen Autos bekommen ein Update und die Fahrverbote sind trotzdem nicht vom Tisch. | Foto: DUH/Robert Lehmann
Am Ende waren alle unzufrieden: Die deutsche Umwelthilfe bezeichnete den Dieselgipfel als "gescheitert", fünf Millionen Autos bekommen ein Update und die Fahrverbote sind trotzdem nicht vom Tisch. | Foto: DUH/Robert Lehmann
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Gregor Soller

Politik und Industrie verständigten sich beim sogenannten "Diesel-Gipfel" auf ein Softwareupdate. Das geht aus einer Erklärung des VDA zum heutigen „Nationalen Forum Diesel“ hervor. Die Automobilindustrie sei sich mit der Politik einig in dem Ziel, die Luftqualität weiter zu verbessern, so der Verband, der außerdem betonte, dass Fahrverbote in Deutschland vermieden werden könnten und müssten. Daher plädierten die Hersteller zunächst für eine Versachlichung der Debatte. Dabei monierten sie, dass sie sich nicht mehr nur mit berechtigten Fragen und Kritikpunkten sondern vor allem auch mit pauschalen Vorwürfe gegenüber der Dieseltechnologie und der Industrie konfrontiert sähen.

„Die Automobilindustrie ist sich bewusst, dass sie erheblich an Vertrauen verloren hat. Wir müssen und werden daran arbeiten, dieses Vertrauen wiederzugewinnen. Das ist ein Kernanliegen der Branche – im eigenen Interesse, im Interesse unserer Kunden und Beschäftigten sowie im Interesse unseres Landes“, versprach der VDA. Gemeinsam mit der Bundesregierung und den Ländern wolle man nun alles dafür tun, dass Deutschland ein „Land zukunftsfähiger und nachhaltiger Mobilität ist und bleibt“. Der Erklärung zufolge bieten die Hersteller bieten an, freiwillig einen Großteil ihrer Euro-5- und teilweise Euro-6-Diesel-Pkw über Software-Updates nachzurüsten.

Ein Vorgehen, dass teils ohnehin schon zugesagt war. Der VDA hält diese Maßnahme für ausreichend, weil das Update eine durchschnittliche Stickoxidreduzierung von 25 bis 30 Prozent versprechen soll. Der Verband bezeichnet das als einen wesentlichen Beitrag für eine bessere Luftqualität und zitiert wissenschaftliche Studien, die zeigen sollen, dass damit die Schadstoffbelastung mindestens genauso stark reduziert werden könne wie durch Fahrverbote. Darüber hinaus versprechen die deutschen Hersteller herstellerspezifische Vertriebsmaßnahmen ergreifen, um die Flottenerneuerung mit Blick auf ältere Diesel mit Nachdruck anzugehen. BMW, Daimler und Volkswagen sind außerdem bereit, sich an dem geplanten Fonds „Nachhaltige Mobilität für die Stadt“ der Bundesregierung zu beteiligen.

In seiner Erklärung bricht der VDA außerdem erneut eine Lanze für den Diesel: Moderne Diesel-Pkw hätten im Schnitt bis zu 15 Prozent geringere CO2-Emissionen als vergleichbare Fahrzeuge mit Otto-Motor, ihr Kraftstoffverbrauch sei um bis zu 25 Prozent geringer, teilte der Verband mit. Hinsichtlich der Betrugsvorwürfe gegenüber den Herstellern erklärte der VDA, dass die vom europäischen Gesetzgeber vorgeschriebenen NOx-Grenzwerte für Euro-5-Diesel-Pkw und die erste Generation von Euro-6-Diesel-Pkw auf dem Prüfstand in einem Fahrzyklus nachzuweisen waren.

Die deutlich höheren Emissionen im realen Straßenverkehr erklärt der Verband damit, dass dieser für alle Hersteller gesetzlich vorgeschriebenen Prüfzyklus deutlich vom realen Verkehr abweiche. Auf das Emissionsverhalten wirke sich das nachteilig aus. Über das Update wollen die Hersteller diesen Effekt verringern. Jedoch bezeichnete der Verband die Forderung, alle Diesel-Pkw müssten heute den Laborwert auf der Straße erfüllen als „nicht sachgerecht“. Zum Zeitpunkt der Entwicklung dieser Fahrzeuge habe das „weder dem Stand der Technik noch der Gesetzgebung“ entsprochen. Mit der entwickelten zweiten Generation von Euro-6-Diesel gehöre das NOx-Thema der Vergangenheit an, da diese Fahrzeuge die sehr niedrigen NOx-Emissionen auch auf der Straße einhalten. Dazu ist laut Technikexperten die SCR-Technik, bei der Harnstoff für eine Reinigung der Abgase sorgen soll, unumgänglich.

Ausdrücklich begrüßte der VDA, dass Bundesregierung und Länder der Vermeidung von generellen Fahrverboten Priorität einräumen. So könne die Verunsicherung bei den Dieselfahrern und im Automobilmarkt beendet werden. Umfassende Maßnahmenpakete für die Luftreinhaltung seien notwendig, die die freiwillige Nachrüstung durch deutsche Hersteller ergänzen. Schnell hinzukommen müsse eine bedarfsgerechte Infrastrukturpolitik für Städte und Ballungsräume sowie eine rasche Flottenerneuerung älterer Taxen und Busse. Im Nachgang erklärten Städte und Gemeinden, dass das Thema Fahrverbote damit aber noch nicht vom Tisch sei. Deren Verhängung wollen sie weiter von der Entwicklung der Schadstoffbelastung abhängig machen.

Was bedeutet das?

Fünf Millionen Fahrzeughalter müssen extra in die Werkstatt und können bisher nur hoffen, dass sich die Verbrauchswerte durch das Update nicht verschlechtern. Denn die Erfahrungen mit bisher upgedateten Fahrzeugen waren nicht durch die Bank positiv. Das Hauptproblem: Der „Dieselgipfel“ bezog in erster Linie Deutschland und deutsche Automarken mit ein. Ob auch andere Hersteller getrickst haben und was andere EU-Staaten beschließen, blieb bei der ganzen Diskussion außen vor. Was aber am schwersten wiegt: Die Verunsicherung für Privatleute und Flottenbetreiber bleibt.

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