Die Zukunft von Mazda: Keiner ist kreativer

Bei der Vorab-Fahrpräsentation des MX-30 erfuhren wir auch einige Insides über die Mazda-Zukunft – die bunter und vielfältiger geplant ist als bei vielen anderen Herstellern.

Mazda entwickelt sich langsam aber sicher in Richtung Premiumanbieter - künftig inklusive neuer Reihensechszylinder und Elektrifizierung. | Foto: Mazda
Mazda entwickelt sich langsam aber sicher in Richtung Premiumanbieter - künftig inklusive neuer Reihensechszylinder und Elektrifizierung. | Foto: Mazda
Gregor Soller

Mazda entwickelt sich immer mehr zu einem Premiumhersteller mit ganz eigenen technischen Lösungen. Dazu gehören neben dem Wankel- auch die kompressionszündenden Skyactiv-X-Benziner und neuerdings auch Elektro-Modelle. Die wiederum per Wankel als Range-Extender auch langstreckentauglich werden könnten. Aber auch für konservative Ansätze haben die Japaner noch Potenzial: So entwickeln sie laut einem Insider gerade eine neue „Large-Plattform“, die mit längs eingebauten Reihensechszylindern (mit 3,0 Liter Hubraum beim Skyactive-X-„Benziner“ und 3,2 Litern beim Diesel, wobei es vom Skyactiv-X eine saugende und eine aufgeladene Version geben soll) die in der oberen Mittelklasse antreten soll – mit Heck- und Allradantrieb. Auf der dürfte dann ein Modell oberhalb des Mazda 6 stehen, dass gegen die gehobene Premium-Mittelklasse vom Schlage eines Audi A6/A7 antritt, außerdem werden darauf große SUV zu sehen sein – in den USA reicht das CX-Programm aktuell schon bis zum Siebensitzer CX-9.

Auf Nachfrage wurde uns bestätigt, dass dieses Vorhaben in heutigen Zeiten „verrückt“ sei, gleichzeitig braucht Mazda diese Ausbaustufen seines Programms nach oben, um den Weg Richtung Premiumhersteller glaubhaft fortzusetzen. Zumal mit dem Package, das man wiederum mit elektrifizierten Antrieben zum Plug-in-Hybrid ausbauen kann, auch Luxusklassemodelle möglich wären, die man gegen Modelle wie Audis A8 und Q8 stellen könnte.

Rein elektrische Modelle wird man künftig jedoch verstärkt mit Toyota abbilden und hier auch auf eine gemeinsame Plattform zurückgreifen. Denn der MX-30 basiert auf Mazdas eigener kompakter Plattform, die auch den Mazda 3 und den CX-30 trägt und von vornherein auch auf Elektromobilität hin ausgelegt wurde – deshalb aber einige kleine Kompromisse eingehen muss – wie zum Beispiel eine riesige Baulücke im „Motorraum“ vorn, die einfach nur Luft durch die Gegend fährt. Auch ein Heckantrieb ist wegen dem generellen Frontantriebslayout so praktisch nicht darstellbar.

Und da Mazda den E-Antrieb bis auf Weiteres nur für Kurzstrecken und kompakte Modelle sieht, würde man diesen mit einem Wankel als Range-Extender kombinieren, dem so - immer idealen Drehzahlbereich laufend - das Saufen abgewöhnt werden soll. Fahrzeuge auf der gemeinsamen Elektro-Plattform, die mit Toyota entsteht, könnten allerdings schon wieder anders aussehen: Mit größeren Akkus für mehr Reichweite, ohne Wankel. Und ganz theoretisch hätte Mazda so auch die Möglichkeit über ein großes Brennstoffzellenmodell nachzudenken, falls sich Toyota hier offen zeigt, auch diese Technik mit anderen zusammen zu skalieren – wobei die Japaner hier auch mit BMW kooperieren.

Bei den Verbrennern dürften die Benziner mittelfristig alle auf die spritsparende Skyactiv-X-Technologie umgestellt werden und auch am Diesel wird Mazda mittelfristig festhalten, wenngleich der tendenziell eher nach oben in die größeren Modelle „abwandern“ dürfte.  

Optisch hält man hoffentlich am gefundenen Kodo-Design mit extrem reduzierten, aber hochkomplexen Oberflächen fest – hier fährt Mazda gerade ganz vorn mit und bietet optisch absolut Premium. Wie das in n och edler aussehen könnte, zeigte man unter anderem schon mit dem Vision Coupé, das auch die neue große Limousine vorwegnehmen dürfte. Deshalb musste man jetzt im Innenraum nachziehen: Hier müssten künftig verstärkt alternative Materialien und in den großen Modellen echte Hölzer und Alublenden verbaut werden, um den Premiumanspruch zu untermauern. Spannend bleibt es beim Infotainment, wo Mazda bisher nicht auf überdimensionale Screens setzt, sondern sich stark an BMWs intuitiv bedienbarem I-Drive orientiert, wie überhaupt auch bei Mazda der Fahrer und das aktive Fahren im Mittelpunkt steht.

Das einzige Problem der Japaner: Sie gehören mit rund 1,7 Millionen Einheiten zu den mittlerweile kleinen unabhängigen Herstellern und investieren mehr in Technik und Design als in die Rendite. Die soll laut unserem Insider künftig wieder sechs bis acht Prozent steigen – ein Wert, den Mazda früher schon mal erreicht hatte. Bleibt die Hoffnung, dass sich die Investitionen und Entwicklungen Richtung „Premium“ künftig auch monetär auszahlen werden.

Ebenfalls interessant: Im Gegensatz zu anderen asiatischen Marken hat Mazda Europa und speziell den deutschen Markt als „essenziell bedeutend“ bezeichnet. Denn wer es in dieser Region schafft, schafft es überall – was sich zumindest im Premium-Bereich bewahrheitet hat, der weltweit bessere Erlöse erzielen kann als die Massenhersteller.

Was bedeutet das?

Mazda gehört aktuell definitiv zu den spannendsten Herstellern: Im Design hat man einen eigenen, hocheleganten edlen Stil gefunden und hinter den Kulissen bereitet man die nächsten Schritte hin zum Premiumanbieter vor. Doch all das kostet Geld und Kapazitäten – und hier scheinen die rührigen Japanern aktuell mehr Spaß am „Machen“ als am „Verdienen“ zu haben, was die Marke noch sympathischer macht. Allerdings müssen die Anstrengungen künftig auch das nötige Geld einspielen, damit Mazda sich seine kreative Unabhängigkeit bewahren kann.

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