Die Pariser Klimaziele sind gesetzt!

In einem exklusiven Interview stand uns Pedro Fondevilla, Global Head of product Marketing Seat, Rede und Antwort zur zukünftigen Ausrichtung und Elektrifizierung von Seat.

Pedro Fondevilla, Global Head of product Marketing Seat, setzt auf Digitalisierung und Elektrifizierung - und begann jetzt, zu liefern. | Foto: Seat
Pedro Fondevilla, Global Head of product Marketing Seat, setzt auf Digitalisierung und Elektrifizierung - und begann jetzt, zu liefern. | Foto: Seat
Gregor Soller

Bis wann plant Seat die komplette Elektrifizierung der gesamten Produktpalette? Damit meine ich keine 48-V-Mildhybride, sondern reine E-Autos und PHEV-Modelle?

Fondevilla: Seat und Cupra werden in den Jahren 2020 und 2021 fünf neue Elektro- und Plug-in-Hybridmodelle auf den Markt bringen, die zu der elektrischen Version des Seat Mii hinzukommen werden, die bereits im Handel ist. Diese Einführungen werden unser Produktangebot vollständig verändern und es attraktiver und wettbewerbsfähiger machen, um den Bedürfnissen eines immer breiteren und vielfältigeren Publikums gerecht zu werden. Die Modellreihe Leon wird Plug-in-Hybrid-Elektro-Modelle unter den Marken Seat und Cupra umfassen, der Seat Tarraco wird eine PHEV-Version haben und der Cupra Formentor, das erste Modell, das für die Marke Cupra entworfen und entwickelt wurde, wird eine leistungsstarke Plug-in-Hybrid-Elektro-Variante haben. Darüber hinaus wird der el-Born nach dem Mii electric das zweite 100% elektrische Fahrzeug des Unternehmens sein. Darüber hinaus wird es auch Mild-Hybrid-Modelle geben.

Welcher Verkaufsanteil wird im Mix für den Leon PHEV erwartet?

Fondevilla: Wir äußern uns nicht zu den prognostizierten Absatzanteilen, aber wir können einen hohen Mix für das Leon PHEV erwarten, so dass es eine relevante Version innerhalb unserer Palette ist.

Wie kommen Mii Electric und Leon PHEV in den Flotten an? Bemerken Sie beim Leon eine Verschiebung weg vom Diesel hin zum Plug-in-Hybrid? Oder in Zukunft sogar von Leon zu rein elektrischen Modellen?

Fondevilla: Der Mii electric ist auf den Märkten sehr gut angekommen; und in einigen Märkten, wie zu Beispiel in Deutschland, für 2020 bereits ausverkauft. Wir erwarten auch, dass das Leon PHEV in den Flotten großen Zuspruch finden wird.  Doch was die Umstellung von Diesel auf PHEV im Leon betrifft, ist es etwas zu früh, um dies genau zu beziffern, da der PHEV-Verkauf erst anlief. Wir glauben jedoch, dass der Diesel weiterhin eine relevante Rolle spielen wird (der Dieselmix in Europa für Kompaktfahrzeuge liegt heute noch bei 30%); es ist eine Technologie, die sich in den letzten Jahren weiterentwickelt hat, effizienter geworden ist, etwa 15% weniger Kraftstoff verbraucht und weniger CO2 ausstößt als vergleichbare Fahrzeuge mit Benzinmotor. In den kommenden Jahren werden bei Dieselmotoren weitere Verbrauchsreduktionen zwischen 10 und 15% möglich sein.

Wären andere elektrifizierte PHEV-Versionen für den Leon denkbar?

Fondevilla: Der Leon wird mit zwei verschiedenen PHEV-Versionen erhältlich sein: der Seat Leon mit einem Plug-in-Hybridmotor mit 204 PS und der Cupra Leon mit einem Hochleistungs-Plug-in-Hybridmotor mit 245 PS. Diese Versionen entsprechen klar der Marktnachfrage.

Welche Freiheiten hat Seat für kleine Elektrofahrzeuge? Wird dies ein spanischer Versuchsballon bleiben oder soll er in Zukunft auch für andere Marken eingeführt werden? Ist Seat die einzige Konzernmarke, die über ein umfassendes elektrisches und rein elektrisches Portfolio verfügt?

Fondevilla: Der Volkswagen Konzern hat im vergangenen Jahr seine globale Konzernstrategie hinsichtlich Marken, Produktionssystemen und Märkten überprüft. Die kleinere Version des Modular Electric Drive Toolkit (MEB) für Fahrzeuge bis zu 4 Metern Länge liegt nun in der Verantwortung des Volkswagen Konzerns. Seat arbeitet jedoch aktiv an diesem Projekt mit, so wie wir es normalerweise zwischen den Marken und dem Konzern bei der Entwicklung gemeinsamer Projekte tun.

Was die letzte Frage betrifft, so bekennt sich Seat ebenso wie der Volkswagen-Konzern zu den Pariser Klimazielen, und das bedeutet, dass bis spätestens 2050 die Fahrzeuge und das Unternehmen selbst klimaneutral werden sollen. Die Elektrifizierung spielt dabei eine Schlüsselrolle.

 

Was bedeutet das?

Klar, Cupra und Seat bauen ihr elektrifiziertes Portfolio ebenfalls stark aus. Interessant ist dabei, dass der El Born mittlerweile von Seat zu Cupra verschoben wurde und sich so auch stärker vom Spenderfahrzeug VW ID.3 absetzen dürfte. Aber auch der Satz, dass der Diesel noch weitere Verbrauchsreduktionen von 10 bis 15 Prozent bietet, lässt aufhorchen – denn auf Langstrecken sind reine Benziner schon bei Leon und noch mehr bei den SUV keine Alternative. Die Absatzzahlen Seats steigen jedoch weiterhin und die Spanier arbeiten sich auch auf dem deutschen Markt immer stärker an VW heran und besetzt schon seit längerem einen Platz in den Top-Ten der absatzstärksten Marken. Sie kostet zwar auch VW einige Verkäufe, stärkt den Konzern aber gegen die Koreaner, Opel, Ford und die französischen Importmarken.   

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